Lebensdaten
1888 bis 1957
Geburtsort
Rheinzabern (Pfalz)
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 118828169 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Pfeiffer, Franz Anton
  • Pfeiffer, Anton
  • Pfeiffer, Franz Anton

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Pfeiffer, Anton, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118828169.html [16.06.2019].

CC0

  • Genealogie

    B Maximilian (1) – München 1916 Elisabeth (Elsa) Waldvogel;
    3 S Anton (* 1920), Peter (* 1922), Dr. iur., Rudolf (* 1924).

  • Leben

    P. studierte nach dem Abitur in Speyer (1907) an der Univ. München Englisch und Französisch, Staats- und Wirtschaftswissenschaften. In der kath. Studentenverbindung „Ottonia“ fand er eine Reihe von Freunden, die später seine politischen Weggefährten wurden. 1910/11 legte er die Lehramtsprüfungen in Englisch und Französisch ab und promovierte 1913 bei dem Anglisten Josef Schick (1859–1944) mit einer Dissertation über die literarischen Beziehungen zwischen Lord Byrons „Don Juan“ und Thomas Hopes „Anastasius“. Bereits während des Studiums unterrichtete P. an der „Coit School for American Boys“ (München), die 1914 schließen mußte. Als deren Schulleiter seitdem Aufklärungsarbeit über Deutschland in den USA leistete, übersetzte und veröffentlichte P. diese Schreiben in deutschen Zeitungen. Damals lernte er wichtige Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft der USA kennen, von denen er einige – wie Robert D. Murphy – nach 1945 als Vertreter der amerik. Besatzungsmacht wieder traf. In der Nachfolge der Coit-School gründete P. 1927 das „Amerik. Institut“, das er bis 1934 leitete, als es aus politischen Gründen ebenfalls schließen mußte. 1914 trat P., vom Militärdienst freigestellt, als Aushilfsassistent in den bayer. Schuldienst ein. Zusätzlich fungierte er in Planegg als Privatlehrer der drei Söhne des Barons Rudolf v. Hirsch (1875–1975), der im Christl. Bauernverein eine Rolle spielte. Ende 1918 beteiligte sich P. an der Gründung der BVP, zu deren Generalsekretär er gewählt wurde. Ergründete als Parteiorgan die „Politischen Zeitfragen“ sowie die „Mitteilungen für die Vertrauensleute der BVP“ und baute den Parteiapparat auf. 1928-33 Landtagsabgeordneter, gehörte er im Herbst 1932 zu denen, die – wie der BVP-Vorsitzende Fritz Schäffer – glaubten, die NSDAP durch Einbindung in das demokratisch-parlamentarische System „zähmen“ zu können. Im Juni 1933 wurde er kurzfristig interniert; am 4. Juli beschloß die BVP ihre Selbstauflösung. P. kehrte 1934 in den Schuldienst zurück (Schweinfurt, dann München).

    Im Mai 1945 wurde er von den Amerikanern zum Dolmetscher und „military advisor“ ernannt. Seit dem 10.7.1945 übte P. – zunächst als Leiter der Presseabteilung – de facto die Leitung der Staatskanzlei aus, die er unter den Ministerpräsidenten Schäffer (CSU), Hoegner (SPD) und Ehard (CSU) zur zentralen Schaltstelle für die Vertretung bayer. Interessen im Rahmen der Nachkriegspolitik ausbaute. Abgesehen von der eher unglücklichen Episode im 2. Halbjahr 1946, als er als Sonderminister für Entnazifizierung amtierte, blieb P. bis zu seinem Eintritt in den diplomatischen Dienst in dieser Funktion. Am 5.9.1945 trat er mit einem Sammlungsaufruf und einem „Grundsatzprogramm einer Christlich-Demokratischen Volkspartei in Bayern“ hervor und avancierte kurzfristig zum „Chefprogrammatiker“ des Münchner Gründungszirkels der späteren CSU. Auch in der Vorbereitung der bayer. Verfassung unter Ministerpräsident Hoegner spielten seine programmatischen Forderungen eines Staatsaufbaus auf christlicher, sozialer und föderativer Grundlage eine wichtige Rolle. Er nutzte seine Kontakte zu einflußreichen amerik. Stellen, um die Position Bayerns im Stuttgarter Länderrat zu stärken, und war der „Spiritus rector“ des föderalistischen „Ellwanger Verfassungsentwurfs“ für das Grundgesetz. Er unterstützte Ministerpräsident Ehard bei dessen Engagement für ein gesamtdeutsches Treffen aller Ministerpräsidenten 1947, vor allem aber bei der Vorbereitung des Verfassungskonvents auf Herrenchiemsee. Im Parlamentarischen Rat amtierte P. als Vorsitzender der Unionsfraktion. Von Adenauer bei der Regierungsbildung 1949 nicht berücksichtigt, ging er 1950 als Generalkonsul nach Brüssel und wurde im folgenden Jahr Botschafter in Belgien. Bei seiner Ankunft im Januar 1950 empfing ihn die belg. Presse mit einer Woge antideutscher Ressentiments, um deren Abbau er sich bemühte. 1954 trat P. aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand. |

  • Auszeichnungen

    Gr. BVK mit Stern (1954).

  • Werke

    u. a. Einheitsstaat u. Föderalismus, in: Pol. Zeitfragen, H. 5, 1920;
    Der föderalist. Gedanke, ebd. H. 6/7, 1920;
    Gedankenwelt u. Tätigkeit d. BVP, 1922;
    Von Versailles bis London, in: Mitt. f. d. Vertrauensleute d. BVP, H. 12-14, 1924;
    Blitzlichter üb. d. Nat.sozialisten, Beobachtungen u. Feststellungen, 1932;
    Der Vfg.ausschuß. in: SZ v. 22.3.1946;
    Zerbrochenes Porzellan, ebd. v. 7.6.1947;
    Die Vfg.arbeit d. Ellwanger Kreises, ebd. v. 24.4.1948;
    Meine Aufgabe, in: Bayer. Staatsanz. v. 27.7.1946;
    Vom Werden d. Vfg. I, in: Die öff. Verw., Nov. 1948.

  • Literatur

    Ch. Reuter, Graue Eminenz in d. bayer. Pol., Eine pol. Biogr. A. P.s (1888-1957), 1987 (P);
    B. Fait, Die Anfänge d. CSU 1945-1948, 1995;
    dies., Dem. Erneuerung unter d. Sternenbanner. Amerik. Kontrolle u. Vfg.gebung in Bayern 1946, 1998;
    K.-U. Gelberg (Bearb.), Protokolle d. Bayer. Min.rats 1945-1954, Das Kab. Schäffer, 1995, Das Kab. Hoegner I, 2 Bde., 1997;
    Klimesch (P).|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bayer. HStA München.

  • Autor/in

    Christiane Reuter-Boysen
  • Empfohlene Zitierweise

    Reuter-Boysen, Christiane, "Pfeiffer, Anton" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 314 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118828169.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA