Lebensdaten
1875 bis 1930
Geburtsort
Aachen
Sterbeort
Köln
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118824287 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Koerfer, Jacob

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Zitierweise

Koerfer, Jacob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118824287.html [18.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Michael (1851–95), Mechaniker, S d. Schuhmachers Johann u. d. Gertrud Schmitz;
    M Maria (1858–1919), T d. Metzgers Joh. Küpper u. d. Katharina Kranz;
    Aachen 1901 Hubertine (1877–1976), T d. Landwirts Wilhelm Kochs in Alsdorf u. d. Christina Schoenen;
    5 S, 1 T, u. a. Hanns (* 1909) u. Franz (* 1913), Architekten.

  • Leben

    K. erhielt seine Berufsausbildung in Aachen im Büro eines Architekten, der dort neben seiner privaten Bautätigkeit das Amt des Dombaumeisters ausübte. Spätestens 1904 siedelte K. nach Köln über, wo er zunächst in städtischen Diensten arbeitete, unter anderem beim Bau von Schulen. 1907 machte er sich mit einem „Atelier für Bau- und Kunstgewerbe“ selbständig. Seit 1911 war er mit dem Regierungsbaumeister Leopold Schweitzer assoziiert, eine Verbindung, die bis in die 20er Jahre bestand, ohne daß der Anteil Schweitzers an der gemeinsamen Tätigkeit im Geschäfts- und Wohnhausbau deutlich würde. In Braunschweig erhielt K. kurz vor seinem Tod eine Honorarprofessur, konnte jedoch den Unterricht nicht mehr beginnen.

    Als Frühwerke sind zwei Siedlungskomplexe in Köln-Mülheim und Köln-Sülz trotz Teilzerstörung in ihren Grundzügen noch erkennbar. Die zwei- bis dreigeschossigen typisierten Reihenhäuser bilden eine geschlossene Blockbebauung. Das ausgebaute Ziegeldach wird in der Dachfensterzone traufseitig in ganzer Länge zurückgenommen, wodurch ruhige Dachflächen und im Zuschnitt brauchbare Dachwohnungen entstehen. Die Baugruppen sind durch plastisches Vortreten der Blockecken und kräftig akzentuierte Hauseingänge gegliedert. Die symmetrische Gruppierung der Häuser, das Gleichmaß der Fenster und die Ruhe der Dachformen verleihen diesen schlichten Wohnbauten eine noble „klassizistische“ Haltung. In der Folge beschäftigte sich K. fast ausschließlich mit anspruchsvollen Wohnbauten und großen Bürohäusern.|Im Wohnungsbau blieb er seiner „klassizistischen“ Grundtendenz treu und wahrte sowohl in den repräsentativen Villen wie bei großen Etagenwohnhäusern Axialität, Symmetrie und eine rationale, strenge Durchgliederung der Baukörper bei sparsamer Verwendung von Schmuckformen, die mit der Zeit immer mehr zugunsten einer großzügig vereinfachten Gesamtform reduziert wurden. Zukunftsweisend war auch die Ausbildung eines hohen Standards in der Ausstattung von Etagenwohnungen.

    Bedeutend ist die Tätigkeit K.s nach dem 1. Weltkrieg auf dem Gebiet des Büro- und Hochhausbaues in westdeutschen Großstädten. Ohne ein besonderes Studium entwickelte er aus seinen pragmatischen Anfängen heraus nicht nur planerisch, sondern auch bauorganisatorisch und bautechnisch ungewöhnliche Fähigkeiten, die ihn auch bei der Finanzierung der neuartigen und großen eigenen Projekte in den schweren Nachkriegsjahren auszeichneten. Der unternehmerische Elan, der ihm den Ruf eines Finanzgenies einbrachte, wurde von den Zeitgenossen als Singulär empfunden. K. vermochte es, in der Präzision des Bauablaufes und der Kürze der Bauausführung mit den Amerikanern zu konkurrieren. Mit Ausnahme von “Haus Grenzwacht“ in Aachen (1930), das er in Stahlskelett als Rohbau von einem Vorgänger übernahm und vollendete, sind K.s Großbauten Stahlbetonskelettbauten, die unter Mitwirkung des mit ihm befreundeten Statikers Josef Pirlet, Aachen, entstanden. Meist ist das Untergeschoß für Läden ausgenutzt. Bei Hochhäusern wird immer ein Lichtspieltheater eingeplant. Wie schon im Wohnbau bevorzugt K. auch für Geschäftshäuser Tuffsteinverkleidung und geht nur in besonderen Fällen zur Klinkerverblendung über, wie beim Kölner Hansa-Hochhaus, dem damals höchsten Haus Europas (1924/25), wegen der Nähe der Eisenbahn. Formal lassen sich Einflüsse der mit ihm freundschaftlich verbundenen Architekten Fritz Höger und Erich Mendelsohn feststellen. Doch ist der Stil K.s immer primär vom Gebrauchswert des Gebäudes geprägt und von seiner inneren Organisation, die in dieser Zeit für große Büro- und Hochhäuser noch in der Entwicklung begriffen ist. Er suchte die knappe sachliche Formel für den neuen Bautyp, der in seinem Verständnis auch repräsentativ, ja von monumentaler Wirkung sein sollte. Damit distanzierte er sich von den radikalen prinzipiellen Lösungen des Bauhauses.

  • Auszeichnungen

    Dr.-Ing. E. h. (Braunschweig 1926).

  • Werke

    Weitere W u. a. Köln, Städt. Kaiserin-Augusta-Lyzeum, um 1905;
    Köln, Schwerthof, 1921 f. (mit Th. Veil);
    Köln, Industriehof, 1922 f.;
    Düsseldorf, Europahaus, 1928 (zerstört);
    Dortmund, Westfalenhaus, 1929;
    Essen, Dtld.haus, 1929;
    Köln, Westboden-Kreditanstalt, 1930.

  • Literatur

    R. Klapheck, Die Stadt Cöln a. Rh. in ihrer neuen baul. Entwicklung, 1914, S. 249-312;
    Das Kölner Hochhaus, in: Beton u. Eisen 24, 1925, S. 297-99, 359;
    G. Lampmann, in: Wasmuths Mhh. f. Baukunst 10, 1926, S. 81-89 (mit Abb.);
    ders., in: Köln, Baul. Entwicklung 1888-1927, 1927, S. 164;
    Der Hansahof in Köln, in: Cbl. d. Bauverwaltung 46, 1926, S. 357-59;
    G. L., Nachruf, ebd. 50, 1930, S. 857;
    V. Fuhrmann, Die Hochhäuser d. westdt. Städte (Aachen, Essen, Dortmund, Köln), Dem Gedenken K.s, in: Der Westbau, Bauen Wohnen Bilden 5, 1931, S. 3;
    ThB.

  • Autor/in

    Catrin Menne-Thomé
  • Empfohlene Zitierweise

    Menne-Thomé, Catrin, "Koerfer, Jacob" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 376 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118824287.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA