Lebensdaten
1439 bis 1501
Sterbeort
Blutenburg bei München
Beruf/Funktion
Herzog von Bayern-München
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118797166 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sigmund

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Zitierweise

Sigmund, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797166.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Wittelsbacher;
    V Albrecht III., Hzg. v. B.-M. (1401–60), Gf. v. Vohburg (s. NDB I), S d. Ernst, Hzg. v. B.-M. (1373–1438, s. NDB IV);
    M Anna (um 1420–74), T d. Erich I., Hzg. v. Braunschweig-Grubenhagen (1380–1427, s. ADB IV);
    B Johann IV., Hzg. v. B.-M. (1437–63), Albrecht IV., Hzg. v. B.-M. (1447–1508, s. NDB I), Christoph, Hzg. v. B.-M. (1449–93, s. ADB IV), Wolfgang, Hzg. v. B.-M. (1451–1514, s. ADB 44); – ledig; aus Verbindung mit Margarethe Pfättendorfer 2 unehel. S Hans, Sigmund, 1 unehel. T Margarete, aus Verbindung mit e. T d. Konrad v. Freyberg zu Kammerberg 1 unehel. T Margarete ( 1] Hans Hund v. Lauterbach, 2] Christoph v. Pienzenau zu Zinneberg).

  • Leben

    Beim Tod Hzg. Albrechts III. von Bayern-München am 29.2.1460 waren von den fünf überlebenden Söhnen erst die beiden ältesten, Johann IV. und S., volljährig, die nach dem Willen des Vaters gemeinschaftlich die Regierung übernahmen. Johann IV. starb jedoch schon am 18.11.1463, worauf S. die nächsten vier Jahre allein regierte.

    Im Gegensatz zu seinem als tatkräftig und politisch ambitioniert geschilderten Bruder Johann war S. geprägt von großer Liebe zu allem Schönen und den Künsten, insbesondere der Musik. In jungen Jahren hatte er am Hof der Ksn. Eleonore (1434/36–67) einige Zeit als Kämmerer gedient; eine 1456 verabredete Ehe S.s mit Margarethe, der Tochter Kf. Friedrichs II. von Brandenburg, kam wegen hoher Mitgiftforderungen nicht zustande. S. blieb in der Folge ledig, scheint aber jahrelang mit Margarethe Pfättendorfer zusammengelebt zu haben, mit der er zwei Söhne und eine Tochter hatte, für die er finanziell standesgemäß sorgte. Eine weitere Tochter entstammte einer Verbindung mit einer Tochter des Konrad von Freyberg zu Kammerberg.

    Die wenigen Jahre der Alleinregierung S.s waren beherrscht von Versuchen, die Bemühungen seines jüngeren Bruders Albrecht, ebenfalls Anteil an der Regierung zu erhalten, zurückzuweisen. Verglichen mit diesem, der sich, obwohl noch nicht bzw. gerade eben volljährig geworden, als kluger und tatkräftiger Politiker profilierte, erschien S.s Verhalten als schwach und ziellos. Zwar rühmten alle Chronisten sein umgängliches Wesen, seine Milde und Freigebigkeit, doch geriet der Staatshaushalt v. a. aufgrund der künstlerischen Vorlieben S.s in immer größere Schwierigkeiten. So gelang es Albrecht, die auf Sparsamkeit achtenden Landstände allmählich auf seine Seite zu ziehen. Auf deren Druck mußte S. schließlich am 10.9.1465 Albrecht als Mitregenten anerkennen. Zwei Jahre später, am 3.9.1467, trat S. – gegen eine stattliche finanzielle Abfindung – die Regentschaft ganz an Albrecht ab. In der Abtretungsurkunde nannte S. zur Begründung neben gesundheitlichen Problemen seine geringe Neigung „mue und arbait ze tragen“, darüber hinaus aber auch die Erkenntnis, daß eine Alleinregierung für Land und Leute erhebliche Vorteile biete. Das in der Urkunde mehrfach angesprochene gute Einvernehmen mit Albrecht hielt tatsächlich über 40 Jahre bis zum Tod S.s an; v. a. suchten sie gemeinsam die Mitregentschaftsansprüche insbesondere des jüngeren Bruders Christoph abzuwehren.

    An den Planungen für den von der Münchner Bürgerschaft betriebenen Neubau der Frauenkirche war S. sehr wahrscheinlich in hohem Maße beteiligt. Am 9.2.1468 nahm er zusammen mit dem Freisinger Bf. Johann Tulbeck die Grundsteinlegung vor; umfangreiche Stiftungen folgten. Außerdem stattete S. sein Lieblingsschloß Blutenburg ganz im Geiste der Spätgotik aus und ließ seit 1478 die Kirche in Pipping (nahe der Blutenburg) neu erbauen. 1488 ließ er in der Blutenburg eine Schloßkapelle errichten und überaus reich ausstatten. Offensichtlich zeichnete ihn eine über das zeitübliche Maß hinausgehende Frömmigkeit aus: So kümmerte er sich auffallend um Priester und Gottesdienste und ließ sich, wohl als einziger Wittelsbacher, bei seinem Tod im Habit der Franziskaner beerdigen. Die Münchner Barfüßer gedenken seiner und der vielen Wohltaten, die er dem Kloster erwies, in ihrem Stifterbuch.

  • Quellen

    Qu Bayer. HStA, Geh. Hausarchiv, Hausurkk.; – Chroniken: Veit Arnpeck, Sämtl. Chroniken, hg. v. G. Leidinger, 1915; Ulrich Füetrer, Bayer. Chronik, hg. v. R. Spiller, 1909; Johannes Turmair's genannt Aventinus sämmtl. Werke, 6 Bde., 1881–1908; Ladislaus Suntheim, Familia ducum Bavariae ex comitibus de Schewrn, e quibus moderni Bavariae principes processerunt, in: F. A. Oefele, Rerum Boicarum Scriptores, Bd. 2, 1763, S. 562–75.

  • Literatur

    ADB 34;
    S. v. Riezler, Gesch. Baierns, Bd. 3, 1889, S. 458–70;
    Blutenburg, Btrr. z. Gesch. v. Schloß u. Hofmark Menzing, hg. v. Haus d. Bayer. Gesch., 21985 (P);
    G. Eckardt, Hzg. S. u. sein Namenspatron, Zum 500. Todestag d. frommen u. kunstsinnigen Wittelsbachers, in: Amperland 37, 2001, S. 487–503 (P);
    H. Czerny, Der Tod d. bayer. Herzöge im SpätMA u. in d. frühen Neuzeit 1347–1579, 2005, S. 227–31 (P).

  • Portraits

    P u. a. Öl/Holz, v. J. Polack (?), um 1480 (München, Alte Pinakothek), Abb. in: Alte Pinakothek München, 1983, S. 395, u. in: Eckardt (s;
    L), S. 491;
    S., vom Hl. Bartholomäus empfohlen, Stifterbild v. J. Polack, Öl/Holz, um 1491 (Blutenburg, Schloßkapelle, rechtes Außenbild d. Hochaltars), Abb. in: Blutenburg, Farbtafel IV;
    S., vom Hl. Sigismund empfohlen, Glasgem., 1499 (St. Martin, Untermenzing), Abb. in: Blutenburg, S. 21.

  • Autor/in

    Joachim Wild
  • Empfohlene Zitierweise

    Wild, Joachim, "Sigmund" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 361-362 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797166.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Sigmund, Herzog von Baiern-München, geboren als zweiter Sohn Herzog Albrecht's III. am 26. Juli 1439, im Jagdschlosse Blutenburg (Obermenzing) bei München am 1. Februar 1501. Nach dem Tode des Vaters (29. Februar 1460) übernahmen, wie dessen letzter Wille angeordnet, die zwei ältesten Söhne Johann und Sigmund gemeinsam die Regierung; nachdem aber Johann früh (18. November 1463) die Pest dahingerafft hatte, waltete S. kurze Zeit als Alleinregent. Der Fürsorge des Vaters, der in Prag Sinn für ideale Bestrebungen eingesogen hatte, dankte er, daß die an Fürstenhöfen damals noch nicht ganz verschwundene Einseitigkeit einer rein ritterlichen Erziehung ihm erspart blieb. Noch sind Auszüge aus dem Buche des Aegidius von Rom de regimine principum erhalten, die der als Erzieher der älteren Prinzen bestellte Magister Ulrich Greimolt von Weilheim im Dienste seines Berufes abfaßte oder abfassen ließ. Als Kämmerer im Hofbienst der Kaiserin Eleonore lernte S., ein schöner Jüngling mit krausem Haar, ein Stück Welt kennen. Worauf die Eigenthümlichkeit gründete, daß er sich sein Leben lang in die Farben schwarz, roth, weiß kleidete, ist nicht überliefert. Ein 1456 verabredetes Ehebündniß mit Margarete, Tochter des Kurfürsten Friedrich II. von Brandenburg, kam nicht zu Stande, da des früh verschuldeten Sigmund's Ansprüche auf Mitgift am brandenburgischen Hofe zu hoch befunden wurden. S. blieb dann unvermählt, erzeugte aber mit Margarete Pfättendorferin, die (später?) als Ehefrau des Lienhart Hartwein bezeichnet wird, zwei Söhne und eine Tochter.

    Was uns von Sigmund's Wesen erzählt wird, läßt Anlagen erkennen, wie sie im wittelsbachischen Hause und im ganzen bairischen Stamme nicht selten sind: eine milde, freigebige, empfängliche, aber auch sinnliche, leichtfertige und bequeme Natur, mehr für heiteren Lebensgenuß als für die ernsten Angelegenheiten des Staates geschaffen. Selbstverständlich war bei einem Fürsten dieser Zeit die Liebe zur Jagd; seltener schon die Freude an der Musik, die S. wie seinen Vater Albrecht bis ins Alter begleitete; gute Sänger mußten stets in seiner Umgebung weilen. „Ihm war wohl mit schönen Frauen“, sagt ein zeitgenössischer Chronist, „mit weißen Tauben, Pfauen, Meerschweinchen, Vögeln und allerlei seltsamen Thierlein, auch mit Saitenspiel.“ Was die bildenden Künste betrifft, so eröffnet S. die lange Reihe wittelsbachischer Fürsten, die durch deren Pflege zugleich eigene Befriedigung fanden und dem Gemeinwohl dienten.

    Nach Johanna's Tode erhob der dritte Bruder Albrecht (IV.), der bisher in Italien studirt hatte und dem geistlichen Stande bestimmt war, Anspruch auf Mitregierung. Zu seinen Gunsten sprach nicht nur die väterliche Bestimmung über die Erbfolge, sondern auch die Art, wie S. das Regiment führte. Schon hatte sein unverhältnißmäßiger Aufwand und der große Einfluß, der zwei mächtigen Günstlingen, im Niederlande dem Erbhofmeister Hans v. Degenberg, im Oberlande Hans dem Frauenberger zum Haag, eingeräumt und von diesen willkürlich ausgebeutet ward, die Mehrheit der Landschaft gegen S. eingenommen. Nach längerem Sträuben gegen Albrecht's Forderung bequemte sich S. endlich doch zur Einberufung der Stände nach München und auf deren Rath, wie es scheint, willigte er dann in des Bruders Begehren. Entweder der fürstliche Rath oder der Landschaftsausschuß empfahl damals den Brüdern eine neue Ordnung des Hofhaltes und andere Maßregeln der Sparsamkeit. S. aber wirthschaftete fort wie vordem, glaubte auch als älterer Bruder ein gewisses Vorrecht auf die Einkünfte geltend machen zu dürfen. Ein eigenthümliches Mittelding zwischen getheilter und gemeinsamer Regierung, wonach die Finanzen der beiden Fürsten geschieden, ihr Regiment im übrigen gemeinsam blieb, vermochte die Lage nicht dauernd zu verbessern. Da trat S. (3. September 1467) in rühmlicher Selbsterkenntniß, aber auch unter Einwirkung früh erschütterter Gesundheit von der Regierung zurück. Infolge der Blödigkeit seines Leibes — so lautet seine eigene Motivirung — nicht gern Mühe und Arbeit tragend und mehr geneigt, sich ein geruhiges Wesen ohne alle Bekümmerniß zu machen, stelle er das Regiment in eine Hand, unter der für Land und Leute besser gesorgt würde. Ein Zug, der dieses Selbstporträt vervollständigt, ist, daß er kurz darauf einen Gefangenen des Münchener|Stadtrathes gewaltsam aus der Schergenstube befreite. Bei seiner Entsagung behielt sich der Fürst nur ein jährliches Einkommen von baaren 4000 fl. vor, ferner die Vergebung der geistlichen Lehen und die Nutznießung mehrerer zum Teil von ihm selbst gebauten oder verschönerten Schlösser in der Umgebung Münchens: Dachau, Nanhofen, Blutenburg (Obermenzing), Starnberg, Grünwald, die Jagd l. d. Isar und im Grünwalder Forst. Später (1485) vertauschte er Starnberg und Grünwald mit der Schwaige Lauszorn gegen Baierbrunn, einige Höfe und die Jagd im jetzigen Englischen Garten und der Hirschau. Eifrige Kunstpflege nach der Thronentsagung sichert S. eine historische Bedeutung, die man ihm auf Grund seiner Regierung nicht einräumen kann. Einen großen Theil seines Einkommens widmete er fortan kirchlichen Bauten und deren Ausschmückung. Eine Reihe von kleineren, aber hübschen gothischen Kirchen in der Umgebung Münchens, von deren reichem plastischen und malerischen Schmucke noch manches bewahrt ist, dankt ihm ihre Gründung, so Pipping (1478), Blutenburg (um 1490), Untermenzing (1492), Aufkirchen (1499). In München selbst gab er, wie man nach der Inschrift am Südostportal der Kirche (vgl. die Reproduction mit dem Bildniß des knieenden Herzogs in den „Alterthümern und Kunstdenkmalen des bairischen Herrscherhauses") annehmen muß, die Anregung (construi cernit) zu dem Bau der neuen Pfarr-, jetzt Domkirche Unserer Lieben Frau, zu dessen Kosten er wohl auch reichlich beisteuerte. 1468 hat er dazu den Grundstein gelegt. Von Malern beschäftigte er besonders den geschickten Hans Olmdorfer, von dessen Werken in Schleißheim und Blutenburg Proben erhalten sind.

    • Literatur

      Häutle, Genealogie des Hauses Wittelsbach, S. 34. — Riezler, Gesch. Baierns III.

  • Autor/in

    Riezler.
  • Empfohlene Zitierweise

    Riezler, Sigmund Ritter von, "Sigmund" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 282-284 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118797166.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA