Lebensdaten
1877 bis 1958
Geburtsort
Langenthal Kanton Bern
Sterbeort
Bern
Beruf/Funktion
Romanist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118775707 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jaberg, Karl
  • Jaberg, Carolus
  • Jaberg, K.

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Zitierweise

Jaberg, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118775707.html [24.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (1849–1911), Lehrer, S d. Bendicht (1815–77) u. d. Anna Jaberg;
    M Magdalena (1842–1916), T d. Abraham Sautschi u. d. Magdalena von Gunten;
    Langenthal 1913 Emma (* 1889), T d. Johannes Herzig u. d. Emma Uebersax; kinderlos.

  • Leben

    J. studierte an der Univ. Bern, wo er 1901 bei E. Freymond mit einer Dissertation über „Pejorative Bedeutungsentwicklung im Französischen“ (Zs. f. roman. Philol. 25, 1901, S. 561-601, 27, 1903, S. 25-71, 29, 1905, S. 57-71) promoviert wurde. Entscheidend für seine wissenschaftliche Entwicklung waren die Eindrücke, die er in einem Studienjahr in Paris 1900/01 empfing, wo er an der École des Hautes Études die Vorlesungen von Jules Gilliéron, dem Schöpfer des franz. Sprachatlasses, hörte. 1901-06 war J. Lehrer an der Kantonschule in Aarau, 1906-07 an der Höheren Töchterschule in Zürich. 1906 habilitierte er sich an der Univ. Zürich mit der Arbeit „Über die assoziativen Erscheinungen in der Verbalflexion einer südostfranz. Dialektgruppe“ (1906). 1907 wurde J. an die Univ. Bern berufen, wo er bis 1945 den Lehrstuhl für roman. Philologie, ital. Sprache und Literatur innehatte. Wie in seiner Dissertation, seiner Habilitationsschrift und seiner Zürcher Antrittsvorlesung (Wie Wörter untergehen, 1907), so suchte er auch in seinen späteren Aufsätzen stets das Grundsätzliche der sprachgestalterischen Kräfte zu erhellen, das Irrationale, das Akzidentell-Individuelle als sprachverändernde Triebkraft erkennbar zu machen. Wer nicht im speziellsten Sonderproblem das Allgemeine sehe, der sei kein echter Wissenschaftler, schrieb J. in seinem Nachruf auf H. Schuchardt (1927), den Gelehrten, der neben Gilliéron sein Denken am tiefsten beeinflußt hat. Sein eigenstes Forschungsgebiet waren die französischen, besonders die frankoprovenzal. Mundarten der Schweiz und die nordwestital. und die rätoroman. Mundarten. Seine frühen Arbeiten sind vorwiegend sprachgeographische Studien, auf eigener Feldforschung beruhend, über die er Wesentliches in Aufsätzen berichtet hat (jetzt in: Romanica Helvetica VI, 1937). Im Gefolge seiner kritischen Auseinandersetzung mit den sprachgeographischen Studien Gilliérons erwuchs der Plan zur Schaffung des monumentalen „Sprach- und Sachatlas Italiens und der Südschweiz“ (AIS, 8 Bde., 1928 ff.), dessen Verwirklichung in langjähriger Zusammenarbeit mit J. Jud gelang. Es entstand ein bahnbrechendes Forschungsinstrument, das methodisch über den Atlas Gilliérons hinausführte durch die sachkundliche Ausrichtung (fußend auf der von H. Schuchardt u. a. dargetanenen Untrennbarkeit der Erforschung von „Wörtern und Sachen“), ferner durch die Einbeziehung von Flexion und Syntax, die Registrierung sozial bedingter Unterschiede der Sprachformen, schließlich die Anordnung des Materials nach Sach- und Begriffskreisen. Ziel und Anlage des Werks wurden von J. und Jud dargelegt in dem gemeinsam verfaßten Werk „Der Sprachatlas als Forschungsinstrument“ (1939). Die methodische Bedeutung des onomasiologischen Charakters des AIS hatte J. in einer 1932 am Collège de France gehaltenen Vortragsreihe veranschaulicht (Aspects géographiques du langage, 1936). Der AIS war für alle späteren Sprachatlanten Vorbild. Methodisch steuerte J. Neues in seinen Aufsätzen anläßlich des Erscheinens des rumän. und des katalan. Sprachatlasses sowie der französischen regionalen Sprachatlanten bei. Während der Arbeit am Sprachatlas entstanden grundlegende Interpretationen von Sprachkarten des franz. Sprachatlasses von Gilliéron und des AIS (S'asseoir, 1911; Soif und die sprachliche Expansion in Nordfrankreich, 1911; Die Bezeichnungsgeschichte des Begriffs, Anfangen', 1925; Escalier, 1930); das Wirken volkstümlichen Denkens bei der metaphorischen Benennung behandeln die Studien über „Krankheitsnamen“ (1951) und „The birthmark in folkbelief“ (1957). Auch die Gedanken der Genfer Schule der Linguistik suchte J. fruchtbar zu machen, nicht ohne die Grenzen der Saussure'schen Konzeption kenntlich zu machen (1916; in Romanica Helvetica VI). Andere Arbeiten galten dem Rumänischen, dem Katalanischen, dem Portugiesischen sowie den Großen der ital. Literatur. J. war Mitarbeiter der Zeitschrift „Vox Romanica“, er wirkte mit in den beratenden Ausschüssen des schweizer. Volkskundeatlasses, des rät. und des tessin. Mundartwörterbuchs; 1942-48 war er der Direktor des „Glossaire des patois de la Suisse romande“. Auch in seinen für eine breitere Öffentlichkeit bestimmten Vorträgen und Zeitungsartikeln wahrte er stets die Forderung einer wissenschaftlichen Betrachtungsweise.

  • Werke

    Weitere W Sprache als Äußerung u. Sprache als Mitt., 1917;
    Spiel u. Scherz in d. Sprache, 1931;
    Sprachtradition u. Sprachwandel, 1932;
    Sprachwiss. Forschungen u. Erlebnisse, hrsg. v. s. Schülern u. Freunden, 1937, Neudr. 1965 (enth. d. wichtigsten veröffentl. Aufsätze u. a. Unveröffentlichtes, Bibliogr. bis 1937) = Romanica Helvetica VI; Bibliogr.
    in: Vox Romanica 17, 1958, S. 9-18.

  • Literatur

    S. Heinimann, in: Vox Romanica 17, 1958, S. 1-8;
    B. M. de Paiva Boleo, A vida e a obra de K. J. (1877-1958), in: Revista Portuguesa de Filologia 10, 1960, S. 419-49;
    B. Terracini, in: Archivio glottologico italiano 44, 1959, S. 84-100;
    HBLS.

  • Autor/in

    W. Theodor Elwert
  • Empfohlene Zitierweise

    Elwert, W. Theodor, "Jaberg, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 210 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118775707.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA