Lebensdaten
1618 bis 1695
Geburtsort
(vermutlich Köln)
Sterbeort
Paris
Beruf/Funktion
Kaufmann ; internationaler Kunstsammler ; Kunsttauschpartner von Mazarin ; Mäzen ; Kunsthändler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 122266994 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Jabach, Everhard
  • Jabach, Eberhard der Jüngere
  • Jabach, Eberhard (IV)
  • mehr

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Zitierweise

Jabach, Eberhard (IV), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd122266994.html [21.05.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Eberhard III (s. 1);
    - Köln 1648 Anna Maria (1624–1701), T d. Heinrich de Groote (1585–1651), Großkaufm., Weinmeister u. Senator, u. d. Maria Sibilla Duisterloe;
    2 S, 3 T (1 früh †), u. a. Eberhard V (1656–1721), Ratsherr in K., Mitgl. d. Münzerhausgenossenschaft, ordnete d. väterl. Nachlaß in P., Heinrich (1659–1703), Bankier u. Dir. d. Manufakturen in Corbeil;
    N Franz (* 1632) u. Bernhard Albert v. Imstenraedt (* 1634), beide Kunstsammler, verk. 1673 ihre Slg. an Karl Gf. v. Liechtenstein, Bischof v. Olmütz, der sie im Schloß v. Kremsier aufstellte;
    E Gerhard Michael (1688–1751), Franz Anton (1695–1761) u. Joh. Engelbert (1697–1747), Dr. iur., Domherr, Univ.kanzler u. Präs. d. Hofgerichts in K., alle 3 Kunstfreunde u. -sammler.

  • Leben

    J. wurde durch seine Kunstliebe und seinen grenzenlosen Sammeleifer berühmt. Auch er war Mitglied der Kölner Münzerhausgenossenschaft. 1638 ließ er sich in Paris nieder und wurde 1647 dort eingebürgert, sein Kölner Bürgerrecht behielt er aber bei. An die Spitze des J.schen Handelshauses in Köln trat sein Schwager Johann Honthum. – Nach Gründung der Ostind. Compagnie in Paris durch Colbert 1664 wurde J. deren Direktor. 1667 eröffnete er in Corbeil eine Büffelfellgerberei, die durch Heereslieferungen schnell zu einem großen Unternehmen wurde; 1671 war er Direktor der königl. Manufaktur in Aubusson, und noch 1691 zählte man ihn zu den großen Bankiers von Paris.

    Hier entwickelte sich J. zu einem der größten europ. Privatsammler und Mäzene. Er stand in Verbindung zu den bedeutendsten Kunstliebhabern seiner Zeit; mit Mazarin verband ihn ein ständiger Tausch von Kunstwerken. Sein von Bullet in der Rue Neuve St. Merri in Paris erbautes Haus wurde zu einem künstlerischen Mittelpunkt. Berühmte Zeitgenossen suchten seine Sammlungen auf. Er unterhielt lebhaften Umgang mit namhaften Künstlern der Zeit: A. van Dyck u. a. porträtierten ihn, L. de Boullogne schuf für sein Haus Kopien nach ital. Gemälden, Ch. Le Brun malte das berühmte Familienbild und fertigte Entwürfe und Zeichnungen zur Ausstattung des Hauses, P. Mignard, H. Rigaud, N. de Largillière und A. F. van der Meulen arbeiteten für ihn. Seine Gemäldekäufe tätigte J. teilweise in England; viele Werke stammen aus engl. Privatsammlungen (u. a. aus der Sammlung Arundel). 1650 beim Verkauf der Kunstsammlungen des engl. Königs Karl I. in London gelang es J., die namhaftesten Kunstliebhaber aus Europa zu überbieten. Er war der bedeutendste Sammler von Handzeichnungen seiner Zeit; erst so berühmte Sammler des 18. Jh. wie P. Crozat, J. Mariette oder Albert von Sachsen-Teschen wären ihm hierin vergleichbar. Die Handzeichnungen ließ er in Kupferstichen vervielfältigen, die Künstler Corneille, Pesne, Rousseau und Massé arbeiteten an diesem Vorhaben („Recueil des 283 estampes, gravées à l'eau forte par les plus habiles Peintres du tems, d'après les desseins de grands Maîtres, que possédoit autrefois Mr. Jabach, et qui depuis on passé au Cabinet du Roi“, 1754).

    Durch geschäftliche Rückschläge, sicher auch durch seine unersättliche Sammelleidenschaft, kam J. in finanzielle Schwierigkeiten und sah sich gezwungen, 1671 den größeren Teil seiner Handzeichnungen und Gemälde zu veräußern. Durch Vermittlung Colberts gingen 5 542 Handzeichnungen und 101 Gemälde an Kg. Ludwig XIV. über und bilden seitdem einen wesentlichen Bestandteil des Louvre. Von der Gemäldesammlung besitzen wir kein Inventar, das Verzeichnis der Handzeichnungen, die in den Louvre gelangten, ist erhalten (F. Reiset, Notice des dessins au Musée du Louvre, 1. T., 1866, S. VI ff.). Nach Ordnung seiner finanziellen Verhältnisse sammelte J. von Neuem, diese zweite Sammlung hat aber nicht die Bedeutung der ersten erreicht, obwohl sie so bedeutende Kunstwerke wie den Flügelaltar Jan van Eycks (unter dem Namen Dürers) enthielt (seit 1754 Gemäldegalerie Dresden). Der größere Teil dieser Sammlung kam in die Hände seines Sohnes Eberhard, der aber nicht das große Kunstverständnis und Kunstinteresse J.s besaß. 1753 fand in Amsterdam eine Versteigerung von Gemälden und Zeichnungen aus dem Besitze seines Enkels Gerhard Michael aus Livorno statt (die Jabachs besaßen eine bedeutende Zweigniederlassung in Livorno). Ein großer Teil dieser|Kunstwerke entstammt der berühmten Sammlung J.s.|

  • Auszeichnungen

    J.-Medaille d. Stadt Köln seit 1966 als Auszeichnung besonders hervorragender Förderer der städt. Museen.

  • Portraits

    Verz. in: H. Vey, Die Bildnisse E. J.s, in: Wallraf-Richartz-Jb. 29, 1967;
    Fam.bild v. Ch. Le Brun, um 1660, ehem. 2 Fassungen, Original ist seit 1816 verschollen, 2. Fassung seit 1837 in Berlin im späteren Kaiser-Friedrich-Mus., 1945 im Flakturm Friedrichshain in Berlin verbrannt (Abb. b. Baumeister, s. L, u. H. Vey).

  • Literatur

    z. Gesamtfam.: ADB 13;
    J. J. Merlo, Die Fam. J. zu Köln u. ihre Kunstliebe, in: Ann. d. hist. Ver. f. d. Niederrhein 9, 1861 (P);
    L. Ennen, Die Kreuzigung Petri v. P. P. Rubens in d. Kirche St. Peter in Köln, ebd. 25, 1873;
    L. Clement de Ris, Les Amateurs d'autrefois, 1877, S. 135;
    E. Bonnaffé, Dict. des amateurs français du XVIIe siècle, 1884, Neudr. 1966, S. 142;
    Vicomte de Grouchy, E. J. collectionneur parisien (1695), in: Mémoires de la Societé de l'Hist. de Paris et de l'Ile de France 21, 1894;
    F. Lugt, Les Marques de collections de dessins d'estampes, 1921, Neudr. 1956, S. 550-53;
    H. F. Secker, in: Wallraf-Richartz-Jb. 1, 1924, S. 118 (P);
    W. Baumeister, Zur Gesch. d. Lebrunschen J.bildes, ebd. ¾ , 1926/27, S. 211 ff. (P);
    ders., Das J.sche Fam.-bild im Berliner Mus., ebd. 10, 1938 (P);
    O. H. Förster, Kölner Kunstsammler, 1931, S. 46-55 (P);
    P. P. Trippen, J., d. Fugger-Fam. d. Westens, 1938 (P. Stammtafel);
    F. Großmann, Holbein, Flemish Paintings and E. J., in: Burlington Mgz. 93, 1951, S. 16 ff. (P).|

  • Quellen

    Qu.: Hist. Archiv d. Stadt Köln, Chron. u. Darst. 248; J. J. Merlo, Kölner Kunst u. Alterthumsfreunde, ihre Slgg. u. Stiftungen (Ms.), 1879; Abt. 1061: v. d. Ketten, Kölner Stamm- u. Wappenbuch 4.

  • Autor/in

    Gudrun Calov
  • Empfohlene Zitierweise

    Calov, Gudrun, "Jabach, Eberhard (IV)" in: Neue Deutsche Biographie 10 (1974), S. 209 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd122266994.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA