Lebensdaten
1888 – 1951
Geburtsort
Kützbrunn bei Grünsfeld (Baden)
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Geograph ; Wirtschaftsgeograph ; Geograf ; Zoologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118770829 | OGND | VIAF: 30332786
Namensvarianten
  • Waibel, Leo
  • Waibel, Leo Heinrich

Objekt/Werk(nachweise)

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Zitierweise

Waibel, Leo, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118770829.html [15.07.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig, Lehrer in K., seit 1900 in H.;
    M Theresa Kraus;
    Berlin 1922 Else Michaelis (jüd.), Sekr.;
    kinderlos.

  • Biographie

    Nach dem Besuch des humanistischen Gymnasiums in Heidelberg 1900–07 studierte W. bis 1911 Geographie und Naturwissenschaften in Heidelberg und 1909 in Berlin. 1911 bei Alfred Hettner (1859–1941) in Heidelberg zum Dr. phil. promoviert, nahm er bis 1912 als Assistent an der wiss. Expedition der Dt. Kolonialgesellschaft nach Kamerun teil. 1914 forschte W. mit Fritz Jäger (1881–1966) in Dt.-Südwest-Afrika und trat bei Kriegsbeginn in die Schutztruppe ein. In der Kriegsgefangenschaft forschte er bis zu seiner Rückkehr 1919 weiter. Seit 1920 Assistent bei Franz Thorbecke (1875–1945) in Köln, habilitierte er sich 1922 hier, ehe er nach Berlin wechselte. Bereits 1923 erhielt W. einen Ruf als Ordinarius für Geographie und Direktor des Geographischen Instituts in Kiel. 1929 wechselte er nach Bonn, wo er 1937 wegen seiner „nichtarischen“ Ehefrau entlassen wurde. Es folgten 1937 / 38 Forschungen in Mexiko, Guatemala und Costa Rica und 1939 auf Einladung|seines Schülers Karl J. Pelzer (1909–80) die Emigration in die USA (1945 US-amerik. Staatsbürger). 1941–43 und 1944–46 beteiligte sich W. am Projekt „M“ der US-Regierung, bei dem Siedlungsmöglichkeiten in Mittelamerika für Flüchtlinge aus Europa nach dem Ende des 2. Weltkriegs untersucht wurden. Gleichzeitig nahm er 1941–44 eine Gastprofessur an der Univ. of Wisconsin in Madison wahr. 1946–50 war W. wiss. Berater des Conselho Nacional de Geografia in Rio de Janeiro und seit 1950 Professor an der Univ. of Minnesota in Minneapolis. 1951 reiste er zur Wahrnehmung von Wiedergutmachungsansprüchen nach Deutschland; Rufe nach Bonn und Heidelberg 1948 lehnte er ab.

    W. gehörte zu den wenigen Geographen mit Forschungserfahrungen in Afrika sowie in Mittel- und Südamerika und war einer der führenden dt. Geographen mit internationalem Renommee. Nach seiner biogeographischen Dissertation über die Tierwelt im tropischen Afrika widmete sich W. klimatologischen, geomorphologischen und landeskundlichen Themen auf Grundlage seiner Aufenthalte in Afrika und Mexiko (1925 / 26). Unter Einfluß nationalökonomischer Erkenntnisse wurde die Agrargeographie zu seinem zentralen Forschungsbereich. In Mexiko entwickelte er das Konzept der Wirtschaftsformationen, das den räumlichen Zusammenhang zwischen physiognomischen und funktionalen Faktoren einer Wirtschaftslandschaft darstellt. In Costa Rica wandte er die v. Thünensche Theorie der Landnutzung in räumlicher Abhängigkeit von den Transportkosten zum Absatzmarkt (v. Thünensche Ringe) auf die Raumordnung des Landes an. In der Tropenforschung befaßte er sich allgemein mit der Plantagenwirtschaft sowie den Rohstoffgebieten des tropischen Afrika. Als er auf Einladung des brasilian. Conselho Nacional de Geografia 1946 nach Rio de Janeiro ging, war – in offiziellem Auftrag – die Agrarkolonisation europ. Einwanderer und deren Nachkommen sein Hauptthema. Er war auch an einer der Expeditionen zur Findung eines Standorts der neuen Hauptstadt Brasília in Zentralbrasilien beteiligt. Es gelang ihm, auch in Brasilien erfolgreiche Geographen heranzubilden, z. B. Orlando Valverde, Lysia Cavalcanti Bernardes und Nilo Bernardes.

  • Werke

    |Urwald, Veld, Wüste, 1921, Nachdr. 1965;
    Btrr. z. Landeskde. v. Südwestafrika, 1921 (mit F. Jäger);
    Winterregen in Dt.-Südwest-Afrika, 1922;
    Die Inselberglandschaft v. Arizona u. Sonora, 1928;
    Die wirtsch.geogr. Gliederung Mexikos, in: Geogr. Zs. 35, 1929, S. 416–39;
    Probleme d. Landwirtsch.geogr., 1933;
    Die Sierra Madre de Chiapas, in: Mitt. d. Geogr. Ges. Hamburg 43, 1933, S. 12–162;
    Die Rohstoffgebiete d. trop. Afrika, 1937;
    White Settlement in Costa Rica, in: Geographical Review 29, 1939, S. 529–60;
    Vegetation and Land Use in the Planalto Central of Brazil, ebd. 38, 1948, S. 529–54;
    European Colonization in Southern Brazil, ebd. 40, 1950, S. 529–47;
    Europ. Kolonisation Südbrasiliens, in: Colloquium Geographicum 4, 1955 (postum, bearb. v. G. Pfeifer);
    Capítulos de Geografia Tropical e do Brasil, 1958 (postum, hg. v. Conselho Nacional de Geografia, Ausw. v. 12 Arbb. W.s);
    L. W. als Forscher u. Planer in Brasilien, Vier Btrr. aus d. Forsch. tätigkeit 1947–1950 in Übers., hg. v. G. Pfeifer u. G. Kohlhepp, 1984 (W-Verz.).

  • Literatur

    |G. Pfeifer, Das wirtsch.geogr. Lebenswerk v. L. W., in: Erdkde. 6, 1952, H. 1, S. 1–20;
    J. Schmithüsen, in: Die Erde 4, 1952, S. 99–107;
    J. O. M. Broek, in: Geographical Review 42, 1952, S. 287–92;
    St. Bell, Prelude to Brazil, L. W.s American Career as a Displaced Scholar, ebd. 106, 2016, H. 1, S. 5–27;
    N. Bernardes, in: Revista Brasileira de Geografia 14, 1952, H. 2, S. 199–201;
    H. Schmitthenner, in: Petermanns Geogr. Mitt. 97, 1953, S.161–69;
    G. Pfeifer, Symposium z. Agrargeogr. z. 80. Geb.tag v. L. W., 1971;
    ders., in: T. W. Freeman (Hg.), Geographers, Biogr. Studies, Bd. 6, 1981, S. 139–47;
    W. Schenk (Hg.), L. W., Zur Rezeption seiner Arbb. in Brasilien, Afrika u. Dtld., 2013 (P);
    G. Kohlhepp, A importância de L. W. para a geografia brasileira e o início das relações científicas entre o Brasil e a Alemanha no campo da geografia, in: Revista Brasileira de Desenvolvimento Regional 1, 2013, H. 2, S. 29–75;
    Bad. Biogrr. NF II.

  • Autor/in

    Gerd Kohlhepp
  • Zitierweise

    Kohlhepp, Gerd, "Waibel, Leo" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 264-265 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118770829.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA