Lebensdaten
1924 bis 1975
Geburtsort
Wölch, Sankt Gertraud im Lavanttal (Kärnten)
Sterbeort
bei Bruck/Mur (Steiermark)
Beruf/Funktion
Agrarpolitiker ; österreichischer Verteidigungsminister ; Landwirtschaftsminister
Konfession
katholisch,konfessionslos
Normdaten
GND: 118759329 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schleinzer, Karl Ernst
  • Schleinzer, Karl
  • Schleinzer, Karl Ernst
  • mehr

Porträt(nachweise)

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Schleinzer, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759329.html [11.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (1877–1929), Landwirt;
    M Therese Jehart (* 1897, 1940 N. N.);
    1 Halb-Schw Maria (* 1917);
    1946 Margarethe Morak (* 1924);
    1 S Karl Dietrich (* 1946), RA in Wien, 4 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch von Volks- und Hauptschule absolvierte S. 1938/39 eine Landarbeitslehre in Rheinhessen, anschließend die Landwirtschaftsschule in St. Andrä im Lavanttal. 1941 trat er als Kreisjugendwart der Kreisbauernschaft Wolfsberg zurück, um|bis 1943 ein „Langemarckstudium“ (Begabtenförderungsprogr. z. Erwerb d. Hochschulreife) in Stuttgart und Königsberg zu durchlaufen. In der HJ hatte er den Grad eines Oberjungzugführers inne. Im Frühjahr 1943 zur Wehrmacht einberufen, wurde S. bis zum Leutnant d. Res. befördert. Von Mai bis Sept. 1945 befand er sich in brit. Kriegsgefangenschaft. Von dort kehrte er zunächst auf den elterlichen Hof zurück, begab sich jedoch 1948 für ein Studium an der Hochschule für Bodenkultur nach Wien. 1952 wurde er mit der Dissertation „Das Bergbauerngebiet Limberg“ zum Dr. nat. tech. promoviert.

    Zunächst bei der Landwirtschaftskammer in Klagenfurt tätig, engagierte sich S. bald im zur (bündisch strukturierten) ÖVP zählenden Bauernbund. 1954 wechselte er zum Agrarreferat der Kärntner Landesregierung, 1957 übernahm er die Geschäftsführung des Kärntner Bauernbundes. Seine Karriere als Landespolitiker führte ihn 1956 in den Landtag. Ende 1959 erfolgte seine einstimmige Wahl zum Obmann der Kärntner Volkspartei, die er zehn Jahre leitete. Bei den Landtagswahlen im März 1960 gelang mit 33,3% ÖVP-Stimmen das beste je erzielte Ergebnis.

    S. übernahm in der Konzentrationsregierung nur für kurze Zeit das Agrarwesen, denn im Frühjahr 1961 berief ihn der (designierte) Bundeskanzler Alfons Gorbach (1898–1972) als Verteidigungsminister und bis dahin jüngstes Regierungsmitglied der 2. Republik in die großkoalitionäre Bundesregierung. In Kärnten wie in der Bundespolitik stand S.s Eintritt in Spitzenfunktionen für Verjüngung, Reform und Modernisierung der Volkspartei sowie für eine Versachlichung des politischen Stils. Anfang 1964 kehrte er mit dem Wechsel in das Amt des Landwirtschaftsministers, ebenfalls im Rahmen einer Kabinettsumbildung unter dem neuen Kanzler Josef Klaus (* 1910), in sein eigentliches Fachgebiet zurück. Zunehmender Überproduktion und Absatzschwierigkeiten suchte S. mit der Verbesserung der Agrarstruktur, marktgerechterer Erzeugung, einkommensausgleichenden Lösungen sowie der Intensivierung der Beziehungen zum EWG-Raum zu begegnen. 1970 zwang das Ergebnis der Nationalratswahlen die ÖVP jedoch erstmals seit 1945 in die Opposition. Obwohl S. aus keinem Kernland der Volkspartei stammte, als „Nationaler“ galt und somit auch nicht zur ideologischen Kerngruppe zählte, wurde er 1970 Generalsekretär und 1971 Bundesparteiobmann der ÖVP (beide Male als Nachfolger Hermann Withalms, * 1912). In letzterer Funktion gelangen S. zwei bleibende Leistungen: 1972 verabschiedete der Bundesparteitag in Salzburg ein neues Grundsatzprogramm sowie ein Parteistatut, das die Frauen- und die Jugendbewegung zu gleichberechtigten Teilorganisationen der Partei neben den drei (berufsständisch ausgerichteten) Bünden machte. S. bewährte sich als ausgleichende Integrationsfigur für die ÖVP, die in der ungewohnten Oppositionsrolle nur mühsam Tritt faßte. Während der Vorbereitungen zu den Nationalratswahlen Anfang Okt. 1975, für die sich die ÖVP angesichts günstiger Ergebnisse bei regionalen und kommunalen Wahlen wieder Chancen ausrechnete, verunglückte S. Neuer Parteiobmann wurde Josef Taus (* 1933).

  • Auszeichnungen

    Gr. Goldenes Ehrenzeichen am Bande f. Verdienste um d. Rep. Österr.

  • Literatur

    G. Heindl u. H. Magenschab, Für Österr., Das Vermächtnis v. K. S., 1975;
    H. Bacher u. a., K. S., Der Mann u. d. Werk, 21984 (P);
    E. Lebensaft u. Ch. Mentschl, Feudalherren – Bauern – Funktionäre, Österr.s Agrarelite im 20. Jh., Ein biogr. Hdb., 2003;
    Die Politiker, Karrieren und Wirken bedeutender Repräsentanten der Zweiten Republik (P);
    Munzinger; |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv d. Karl v. Vogelsang-Inst., Wien.

  • Autor/in

    Ingrid Böhler
  • Empfohlene Zitierweise

    Böhler, Ingrid, "Schleinzer, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 58-59 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118759329.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA