Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Adelsfamilie
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118755536 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Stolberg, Fürsten zu (seit 1742)
  • Stolberg-Wernigerode, Grafen zu
  • Stolberg-Gedern, Grafen zu
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Stolberg, Grafen von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755536.html [20.08.2019].

CC0

  • Leben

    Die Geschichte des Hauses S. läßt sich urkundlich bis 1210 zurückverfolgen, als sich Heinrich von Voigtstedt („Vokstete“) erstmals als Graf „de Stalberg“ bezeichnete. Die im Südharz gelegene Stammburg Stolberg blieb bis zur Enteignung durch die Bodenreform 1945 im Besitz der Familie. Als Harzgrafen prägten die S. über 600 Jahre die Geschichte der dortigen Region und zeitweilig auch in der Wetterau sowie im Rhein-Main-Gebiet.

    Aus der Familie S. stammten der 1327 zum Erzbischof von Magdeburg gewählte Gf. Heinrich ( 1344, s. ADB 36; Gatz IV), der sich jedoch gegenüber Lgf. Otto von Hessen (reg. 1328–61) nicht durchsetzen konnte, sowie die zwei gleichnamigen Bischöfe Heinrich von Merseburg (reg. 1341–57 bzw. 1384–93, beide s. ADB 36; Gatz IV).

    1341 erwarben die S. die Gerichts- und Grafschaftsrechte über die Herrschaften Bennungen und Roßla. 1392 begab sich Gf. Heinrich (reg. 1378–1402) mit den drei Burgen Ebersberg, Roßla und Oberröblingen unter Lehnsherrschaft des Lgf. Balthasar von Thüringen, während die Stadt Stolberg bis zum Reichsdeputationshauptschluß 1803 ein Lehen des Erzbistums Mainz blieb. Die Spannungen zwischen den S. und ihren verschiedenen Lehnsherren gipfelten 1730/31 in der Mediatisierung der Gfsch. Stolberg durch das Kurfürstentum Sachsen.

    Gf. Botho (um 1375–1455, s. ADB 36) erwarb zu Beginn des 15. Jh. umfangreiche Besitzungen, von denen die Übernahme der Gfsch. Wernigerode nach dem Tod des Gf. Heinrich von Wernigerode 1429 die bedeutsamste war, da damit u. a. auch die Vogteirechte über mehrere Klöster, darunter Drübeck und Ilsenburg, erworben und der stolberg. Einfluß in den Nordharz ausgedehnt wurden. Daneben erwarb Gf. Botho u. a. 1417/ 39 die Stammburg der Grafen zu Hohnstein und 1427 das spätere Amt Elbingerode. Auf dem Wege nichteingelöster Verpfändungen gelangten mehrere Besitzungen, wie 1430 die Burg Questenberg oder 1448/54 Teile der Gfsch. Beichlingen, in den Besitz des Gf. Botho.

    1433 schlossen die gräfl. Häuser S., Schwarzburg und Hohnstein einen Erbvertrag, der den Eintritt des Erbfalls beim Aussterben eines Adelsgeschlechts in männlicher Linie vorsah. Nachdem die Grafen v. Hohnstein 1593 ausstarben, erbten die S. den Hohnsteinschen Forst. Im gemeinsamen Besitz von S. und Schwarzburg blieben vom 15. bis zum 19. Jh. die beiden Ämter Heringen und Kelbra in der Goldenen Aue.

    Die S. besaßen mehrere Regalien, u. a. das Münzregal, umfangreichen Forstbesitz im Harz, zahlreiche landwirtschaftlich genutzte Güter sowie Berg- und Hüttenwerke. Ihr Herrschaftsschwerpunkt blieb bis zum Spätmittelalter die Stadt Stolberg, wurde dann jedoch durch mehrfache Erbteilungen im 16. Jh. an verschiedene Orte, darunter in das aufstrebende Wernigerode, verlagert. Der nach dem Tod seines Zwillingsbruders Heinrich (1467–1508, s. ADB 36), Statthalter von (West-)Friesland, alleinregierende Gf. Botho (1467–1538, s. ADB 36) konnte durch Heirat der Anna v. Eppstein-Königstein (1481–1538) den Besitz des Hauses S. festigen und erweitern. So erhielt er u. a. 1518 den höchsten Berg des Harzes, den Brocken, als Reislehen. Sein Sohn Ludwig (1505–74, s. ADB 36) erbte nach dem Tod des kinderlosen Gf. Eberhard IV. v. Königstein-Eppstein († 1535) dessen Gfsch. Königstein im Oberrheinischen Reichskreis, zu der zeitweilig auch die Gfsch. Rochefort mit Agimont im heutigen Belgien gehörte, und die nichthess. Hälfte von Eppstein. Königstein konnte jedoch nicht dauerhaft behauptet werden, lediglich die Herrschaften Gedern und Ortenberg blieben im stolberg. Besitz.

    Im 16. Jh. waren die Gräfinnen Anna II. (1504–74, s. ADB I) und Anna III. (1565–1601) Äbtissinnen des ksl. Reichsstiftes Quedlinburg, welches Erstere in ein ev. Stift umwandelte.

    Die Söhne des Gf. Botho führten in den stolberg. Gebieten nach dessen Tod die Reformation ein. Zu seinen Kindern zählten auch Gfn. Juliana (1506–80), die Mutter des Statthalters der Niederlande, Prinz Wilhelm I. von Oranien (1533–84), sowie Gf. Heinrich (1509–72, s. ADB 36), der aufgrund seiner reformatorischen Einstellung 1546 sein Amt als Domdechant in Köln verlor.

    Unter den beiden Brüdern Heinrich Ernst (1593–1676) und Johann Martin (1594–1669) erfolgte 1645 die entscheidende Teilung des Hauses S. in eine ältere und eine jüngere Hauptlinie. Für die Vertreter der älteren Linie setzte sich nach dem Regierungsantritt des Gf. Christian Ernst (1691–1771, s. ADB 36) die Bezeichnung S.-Wernigerode dauerhaft durch. Christian Ernst führte die Primogenitur ein, die 1737 bzw. 1739 von den Linien S.-S. und S.-Roßla übernommen wurde. Er war ein bekannter Förderer des Pietismus sowie Gesangbuch- und Bibelsammler und entfaltete zudem verstärkte Bauaktivitäten in der Gfsch. Wernigerode.|Durch die 1765 erfolgte Schenkung des Gf. Johann Erdmann v. Promnitz (1719–85) fielen die schles. Herrschaften Jannowitz, Kreppelhof und Peterswaldau an S.-Wernigerode und wurden unter den jüngeren Söhnen des regierenden Grafen Christian Friedrich zu S.-Wernigerode (1746–1824, s. ADB 36) aufgeteilt. Dort bildeten sie die Stammgüter dreier weiterer Äste der Hauptlinie S.-Wernigerode. Kreppelhof wurde Sitz des preuß. Generalleutnants Gf. Anton zu S.-Wernigerode (1785–1854, s. ADB 36), der als Staatsminister zum engsten Kreis des Kg. Wilhelm IV. gehörte. Seit 1837 war er Oberpräsident der preuß. Provinz Sachsen. Sein ältester Sohn Gf. Eberhard zu S.-Wernigerode (1810–72, s. ADB 36; Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus II; RT Norddt. Bund) war von 1862 bis zu seinem Tod Präsident des preuß. Herrenhauses. Antons Enkel Udo zu S.-Wernigerode (1840–1910), Sohn von Conrad zu S.-Wernigerode (1811–51), war 1892–95 Oberpräsident der preuß. Provinz Ostpreußen und ab 1907 Präsident des Dt. Reichstages. Antons Tochter Anna (1819–68, s. ADB 36) wurde Oberin zu Bethanien in Berlin und die beiden Söhne Bolko (1823–84) und Theodor (1827–1902) waren Landrat des Kreises Franzburg bzw. Reichstagsmitglied für die Deutschkonservative Partei. Eberhards Sohn Gf. Albrecht (1886–1948) vertrat 1928–30 die DVP im Dt. Reichstag.

    Jannowitz im Riesengebirge wurde Sitz von Gf. Wilhelm zu S.-Wernigerode (1807–98, s. ADB 54), Mitglied des preuß. Herrenhauses und preuß. General der Kavallerie. Sein Sohn Constantin (1843–1905) war 1898–1902 Oberpräsident der preuß. Provinz Hannover und dessen Sohn Otto (1893–1984) Professor für Geschichte an den Universitäten Rostock und München.

    Der Kirchenliederdichter und Pietist Gf. Heinrich Ernst (1716–78, s. ADB 36), dessen Enkel Henrich (1772–1854, s. ADB 36), erster Landtagsmarschall der preuß. Provinz Sachsen sowie Gründer der Henrichshütte in Hattingen, und Urenkel Botho (1805–81, s. ADB 36), der Familienhistoriograph und Burgenforscher, zählen neben dem stellvertretenden Reichskanzler Otto (s. 2) und dessen Schwester, der Kirchenlieddichterin Eleonore Reuß j.-L. (1835–1903, s. NDB IV), zu den bedeutendsten Vertretern der über die Gfsch. Wernigerode herrschenden Linie S.Wernigerode.

    Von der älteren Hauptlinie S.-Wernigerode zweigten sich zu Beginn des 18. Jh. die beiden Linien S.-Gedern und S.-Schwarza ab, die 1804 bzw. 1748 in männlicher Linie ausstarben. 1742 erhob Ks. Karl VII. Gf. Friedrich Carl zu S.-Gedern (1693–1767) und seine Nachkommen sowie seine Schwester Auguste Marie (1702–1768) in den Reichsfürstenstand. Dessen drei Söhne schlugen die Militärlaufbahn ein. Prinz Ludwig Christian (1720–70) wurde Generalfeldwachtmeister, Prinz Gustav Adolf (1722–57, s. ADB 36) fiel als Generalmajor in der Schlacht von Leuthen und Prinz Christian Carl (1725–64, s. ADB 36) wurde Generalfeldzeugmeister und Generalmajor. Die Tochter von Gustav Adolf war Luise Gfn. v. Albany (1752–1824, s. ADB I), die mit dem brit. Thronprätendenten Carl Eduard Stuart (1720–88) verheiratet war.

    Der regierende Gf. Christian Ernst zu S.-Wernigerode (1691–1771, s. ADB 36) verzichtete 1742 mit Rücksicht auf den 1714 mit Preußen geschlossenen Rezeß und aus Kostengründen auf die Erhebung in den Fürstenstand. Darauf Bezug nehmend erreichte Gf. Otto zu S.-Wernigerode (1837–96, s. 2), der 1878–81 stellvertretender Reichskanzler unter Bismarck war, für sich und den jeweils ältesten Nachgeborenen seiner Linie bei Ks. Wilhelm II. 1890 die Führung des Fürstentitels.

    Die jüngere Hauptlinie des Hauses S. wurde von den Brüdern Christoph Friedrich (1672–1738) und Jost Christian (1676–1739) 1706 (modifiziert 1719) in die beiden Linien S.-S. und S.-Roßla geteilt.

    Zu den bedeutendsten Vertretern der Linie S.-S. zählen die Dichter Friedrich Leopold Gf. zu S.-S. (1750–1819, s. 1), der 1800 zum Katholizismus konvertierte, sein älterer Bruder Christian (1748–1821, s. ADB 36) und deren Schwester Katharina (1751–1832, s. ADB 36). Als Lyrikerin betätigte sich auch Gfn. Louise zu S.-S. (1799–1875, s. ADB 36), während Gfn. Sophie Eleonore zu S.-S. (1669–1745, s. ADB 36) etwa 40 000 Leichenpredigten sammelte. Die Grafen Friedrich zu S.-S. (1836–1904) und dessen Bruder Adalbert (1840–85, s. RT-Abg. Zentrum), deren Onkel Cajus (1797–1874, s. RT-Abg. Zentrum) und dessen Sohn Alfred (1835–80, s. Biogr. Hdb. Rhein. Prov.LT; RT-Abg. Zentrum; Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus I) waren Reichstagsabgeordnete für die Zentrumspartei. Christoph Gf. zu S.-S. (1888–1968) wurde im 2. Weltkrieg zum Generalmajor befördert. Gf. Friedrich zu S.-Roßla (1747–1810) war kurmainz. Generalwachtmeister, sein Bruder Wilhelm (1748–1826) wurde durch milde Stiftungen bekannt.

    Während die Gfsch. Wernigerode seit 1449 ohne Unterbrechung unter brandenburg.|Lehnshoheit stand und deren staatsrechtliche Stellung im Rezeß mit Preußen 1714 dauerhaft geregelt wurde, stand die Gfsch. Stolberg seit dem Spätmittelalter unter zunehmendem Einfluß der albertin. Wettiner. Durch persönliche Erklärungen mußten die beiden regierenden Vertreter der Linien S.-S. und S.-Roßla die Lehnsoberherrschaft des Kurfürsten von Sachsen anerkennen. 1806 verloren die Grafen zu S. mit der Auflösung des Alten Reiches die Reichsstandschaft. Nach kurzer Zugehörigkeit der Gfsch. Wernigerode zum Kgr. Westphalen wurden die stolberg. Harzgrafschaften nach dem Wiener Kongreß 1815 in die neugebildete preuß. Provinz Sachsen integriert, ihnen allerdings die Rechte und Pflichten von Mediatisierten (Standesherren) zugesprochen. Die daraus abgeleitete Sonderstellung der drei regierenden Grafen war im Fall von S.-Wernigerode am stärksten ausgeprägt. Im Zuge der Revolution 1848 erloschen die Sonderrechte der gfl. Gerichtsherrschaften in Preußen, 1876 wurde die preuß. Kreisordnung in den stolberg. Harzgrafschaften eingeführt.

    Die Residenzorte der S. mit ihren z. T. bedeutenden Schloßbauten und -gärten (Wernigerode, Ilsenburg, Schwarza, Gedern, Stolberg, Roßla u. Ortenberg) waren kulturelle Zentren mit meist umfangreichen Kunstsammlungen, die teilweise noch erhalten sind. Die drei in den Fürstenstand erhobenen Vertreter der Linien S.-Wernigerode, S.-S. und S.-Roßla gehörten zu den größten Grundbesitzern im Dt. Reich, allerdings entzogen ihnen der preuß. und der hess. Staat immer mehr der verbliebenen Vorrechte wie das Bergregal. Nach dem 2. Weltkrieg wurden die S. 1945 in den sowjetisch besetzten Gebieten entschädigungslos enteignet, wodurch dort deren Entwicklung und langjährige Geschichte abrupt endete.

  • Quellen

    Regesta Stolbergica, Qu.slg. z. Gesch. der Grafen zu S. im MA, bearb. v. Botho Gf. zu S.-Wernigerode, 1885; Stolberger Urkk., Regg. zu d. Urkk.beständen u. Kopiaren d. Fürsten u. Grafen zu S. in Ortenberg, im Hess. StA Darmstadt u. StA Magdeburg 1191–1840, bearb. v. Fr. Battenberg, 1985.

  • Literatur

    Gesch. d. Hauses S. v. J. 1210 bis z. J. 1511, bearb. v. Botho Gf. zu S.-Wernigerode, 1883;
    Stammtafel d. mediatisierten Hauses S., 1887, 21987 (erg. u. berichtigt);
    J. Brückner, Zwischen Reichsstandschaft u. Standesherrschaft, Die Grafen zu S. u. ihr Verhältnis zu d. Landgrafen v. Thüringen u. späteren Herzogen, Kurfürsten bzw. Königen v. Sachsen 1210–1815, 2005;
    Philipp Fürst zu Stolberg-Wernigerode u. Jost-Christian Fürst zu Stolberg-Stolberg (Hg.), S. 1210–2010, Zur achthundertj. Gesch. d. Geschl., 2010;
    GHdA 131, Adelslex. 14, 2003, S. 161–66 (L), ebd. 141, 2007, S. 280–332.

  • Autor/in

    Jörg Brückner
  • Empfohlene Zitierweise

    Brückner, Jörg, "Stolberg, Grafen von" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 405-407 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118755536.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA