Lebensdaten
1857 – 1936
Geburtsort
Leitomischl (Böhmen)
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Agrikulturchemiker ; Mikrobiologe ; Pflanzenphysiologe
Konfession
-
Normdaten
GND: 117674087 | OGND | VIAF: 22498985
Namensvarianten
  • Stoklasa, Julius

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Zitierweise

Stoklasa, Julius, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd117674087.html [08.08.2022].

CC0

  • Genealogie

    V Adalbert (Vojtěch) (* 1827), Barbier in L.;
    M Frantiska Strnadová verw. Vondráčková (* 1820).

  • Biographie

    S. besuchte 1863–71 Grundschule und Gymnasium in Leitomischl und nach Abbruch des Gymnasiums bis 1875 die dortige Realschule. Er hospitierte 1876 kurz bei František Štolba (1839–1910) am Chemischen Institut der TH Prag und besuchte 1875–78 die Landwirtschaftliche Landes-Lehranstalt in Tetschen-Liebwerda (Děčin-Libverda) zum Studium der Landwirtschaft. 1878 setzte er sein Studium an der 1872 gegründeten Univ. für Bodenkultur (Boku) in Wien fort. Zugleich war er Mitarbeiter der Agrikulturchemiker Philipp Zöller (1832–85) und Hugo Weidel (1849–99) im Chemischen Institut, sowie zeitweilig auch des Pflanzenphysiologen Josef Böhm (1831–93) im Botanischen Institut. 1890 veröffentlichte S. mehrere bodenchemische und pflanzenphysiologische Arbeiten und schloß sein Studium 1891 als Diplomlandwirt ab. Danach war er kurz Assistent an der Landwirtschaftlich-Chemischen Versuchsstation in Wien und Inspektor einer Düngemittelfabrik in Petschek (Pečky). Von dort aus beantragte er 1892 mit mehreren Veröffentlichungen bei der Univ. Leipzig die Promotion (die Boku erhielt erst 1906 Promotionsrecht) und wurde 1893 unter dem Agrarwissenschaftler Wilhelm Kirchner (1848–1920) mit der überarbeiteten Publikation „Pedologische Studien I“, in der eigene Untersuchungen zur Chemie und Biologie des Bodens zusammengefaßt sind, zum Dr. phil. promoviert. Es folgten kurze Aufenthalte bei Louis Pasteur (1822–95) in Paris und bei Robert Koch (1843–1910) in Berlin, die ihn zur Boden-Mikrobiologie führten. 1894 habilitierte er sich an der TH Prag für Agrochemie, 1897 auch für Pflanzenproduktion. Seit 1898 war er dort ao. Professor und 1901–27 o. Professor für Allgemeine Pflanzenproduktion. 1906 erreichte S. die Gründung einer landwirtschaftlichen Fakultät an der TH, deren Dekan er 1907/ 08, 1910/11 und 1917/ 18 war. 1898 gründete er die mit der TH verbundene „Chemisch-physiologische Versuchsstation des Landeskulturrates zur Förderung der Landwirtschaft in Böhmen“, deren Direktor er bis 1927 war. Zudem gehörte er bis 1918 diversen Fachkommissionen beim Ministerium für Ackerbau, dem Technischen Versuchsamt und dem Patentamt in Wien an. Als Mitherausgeber der „Internationalen Bodenkundlichen Mitteilungen“ (1913–24) und Mitorganisator der 3. Internat. Bodenkundlichen Konferenz in Prag 1922 gehörte S. 1924 zu den Gründern der „Internat. Bodenkundlichen Gesellschaft“ (IBG); 1924–29 war er Präsident und danach Ehrenpräsident der „Kommission für Bodenbiochemie und -bakteriologie“ der IBG. S. war ein äußerst engagierter, ideenreicher Forscher. Sechs Bücher und über 400 Zeitschriftenbeiträge decken ein breites Spektrum ab. Arbeiten über die Physiologie von (teilweise in Böden künstl. eingetragenen) Bodenbakterien und deren Assimilation des elementaren Stickstoffs begründeten seinen Ruf als Bodenbiologe. Umfangreichen Studien zum Verhalten von Düngerphosphaten in Böden folgten entsprechende Untersuchungen über das Kalium, wobei er dem natürlichen radioaktiven 40 K-Isotop eine physiologische Wirkung beimaß. Bereits als Student der Boku hatte er 1890 die Untersuchung von Düngemitteln mit standardisierten Verfahren in Österreich mitorganisiert. Seine Arbeiten über Verwitterung, Tonbildung, Säurestatus, Verbreitung und Klassifikation von Böden sowie Nutz- und Schadwirkungen des Aluminiums auf Wild- und Kulturpflanzen wurden 1926 in dem Buch „Aluminium in der Natur“ zusammengefaßt. Zahlreiche Arbeiten waren der Physiologie, dem Anbau und der Düngung der Zuckerrübe sowie deren Schädlingen gewidmet. Ferner erforschte S. die Atmung und deren Fermentsteuerung bei Kulturpflanzen und Haustieren. 1926 publizierte er mit Ernst G. Doerell (1892–1963) das „Handbuch der biophysikal. und biochem. Durchforschung des Bodens“, in dem v. a. die Bakterien des Stickstoffkreislaufes im Naturhaushalt, die Eiweißsynthese im Boden, die biologische Absorption und die Bodenatmung wegweisend dargestellt wurden.

  • Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften

    A Ehrenmitgl. d. serb. Landwirtschaftsges. in Belgrad (1909) u. d. tschechoslowak. Ak. d. Wiss., Prag (1927);
    Komturkreuz d. serb. Savaordens (1909);
    Rr. d. Franz-Joseph-Ordens (1913);
    Dr.-Ing. h. c. (Land- u. forstwirtschaftl. Hochschule Brünn 1928);
    österr. HR (1909);
    Goldene Medaillen d. Rep. Frankr. b. d. Weltausst. in Paris (1900) u. d. l`Association des Chemistes in Paris (1907).

  • Werke

    u. a. Die chem. Vorgänge bei d. alkohol. Gärung, 1904;
    Biochem. Kreislauf d. Phosphations im Boden, 1911;
    Beschädigungen d. Vegetation durch Rauchgase u. Fabriksexhalationen, 1916;
    Das Brot d. Zukunft, 1917;
    Biologie d. Radiums u. Urans, 1932 (mit J. Pěnkava).

  • Literatur

    P. Krische, J. S. u. d. Chem.-Physiol. Versuchsstation d. K. K. Böhm. TH Prag, in: Die Ernährung d. Pflanze 7, 1911, S. 181–85 (W-Verz., P);
    E. G. Doerell, ebd. 23, 1927, S. 328–31 (P);
    ders. u. E. Reich, FS f. J. S., hg. v. J. Křiženecký, 1928 (W-Verz., P);
    E. Reich u. B. Vláčil (Hg.), Památce Profesora Julia Stoklasy, 1937;
    Biogr. Hdb. Pflanzenbau;
    Gerber, Persönlichkeiten Land- u. Forstwirtsch.;
    Pogg. IV, VI, VII b;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Hans-Peter Blume, Ellen Kandeler
  • Zitierweise

    Blume, Hans-Peter; Kandeler, Ellen, "Stoklasa, Julius" in: Neue Deutsche Biographie 25 (2013), S. 403-404 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd117674087.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA