Lebensdaten
1881 bis 1972
Geburtsort
Fellin (Estland)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Pflanzengenetikerin
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118754890 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schiemann, Elisabeth
  • Schiemann, Agnes Marie Elisabeth
  • Schiemann, E.

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Zitierweise

Schiemann, Elisabeth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118754890.html [18.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor (s. 1);
    M Caroline v. Mulert; ledig;
    Vt Paul (s. 2).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Töchterschule und einer dreijährigen Ausbildung am Lehrerinnenseminar in Berlin wirkte S. 1899-1902 als Lehrerin in Berlin und studierte anschließend moderne Sprachen in Paris. Wieder in Berlin, schrieb sie sich 1906 als Gasthörerin für Naturwissenschaften an der Universität ein und bereitete sich gleichzeitig auf das Abitur vor. Nach der offiziellen Zulassung von Frauen zum Studium in Preußen (1908) studierte sie u. a. bei Erwin Baur (1875–1933), dem Nestor der modernen Züchtungsforschung, wurde 1912 mit einer Arbeit „Über Mutationen bei Aspergillus niger van Tiegh“ promoviert und legte das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. S. wurde Baurs erste Assistentin an dem 1914 von ihm eingerichteten Institut für Vererbungs- und Züchtungsforschung an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin. Während der kriegsbedingten Abwesenheit Baurs trug S. die Verantwortung für den Aufbau des Instituts und die Organisation des Versuchswesens. Frühzeitig international orientiert, pflegte sie Kontakte mit ausländischen Forschern wie dem Sowjet. Genetiker und Begründer der Theorie der Genzentren, Nikolai I. Vavilov (1887–1943). 1921 Oberassistentin bei Baur, habilitierte sie sich 1924 (Zur Genetik d. Winter- u. Sommertypus bei Gerste) für das Fach Botanik. Sie erweiterte ihr Forschungsspektrum auf die Geschichte der Getreidearten und deren Entwicklung aus Wildformen und hielt Vorlesungen über Samenkunde und Fortpflanzungsbiologie. Die Organisation und Durchführung des V. Internat. Genetikerkongresses 1927 in Berlin lag in ihren Händen. Gleichzeitig war sie maßgeblich am Aufbau des im selben Jahr gegründeten KWI für Züchtungsforschung in Müncheberg b. Berlin beteiligt. Zum Bruch mit Baur kam es, als sie die ihr zugesagte Leitung einer Abteilung für Geschichte und Entstehung der Kulturpflanzen nicht erhielt.

    Nachdem auch die durch Baurs Ausscheiden 1931 vakant gewordene Institutsdirektionsstelle an der Landwirtschaftlichen Fakultät durch den wesentlich jüngeren und weniger bekannten Hans Kappert (1890–1976) besetzt wurde, verließ S. das KWI und ließ sich nach kurzem Studienaufenthalt in England an die phil. Fakultät der Univ. Berlin umhabilitieren, wo ihr ein unbezahlter Arbeitsplatz im Botanischen Museum in Berlin-Dahlem zur Verfügung gestellt wurde. Mit Hilfe von Stipendien der KWG für Biologie und Zuwendungen ihrer Schwester sicherte sie ihren Unterhalt. Angesichts der erheblich eingeschränkten experimentellen Möglichkeiten verlagerte sie ihren Forschungsschwerpunkt von der Genetik auf die Geschichte der Kulturpflanzen, insbes. die Zusammenhänge von Wild- und Kulturformen. Da es ihr als Frau verwehrt war, an botanischen Sammelexpeditionen teilzunehmen, setzte sie sich umso intensiver theoretisch mit deren Erträgen und der Genzentren-Theorie Vavilovs auseinander. Ihr Buch „Entstehung der Kulturpflanzen (1932) wurde zu einem Standardwerk der Nutzpflanzenforschung.

    S. stand dem Nationalsozialismus distanziert gegenüber, kritisierte dessen Rassenpolitik und betonte Mischung und Mannigfaltigkeit als Voraussetzung für Entwicklung. Als Mitglied der Bekennenden Kirche unterstützte sie Verfolgte des Regimes. 1940 wurde ihr die Lehrbefugnis entzogen, Arbeitssituation und Existenzlage verschlechterten sich daraufzunehmend, bis sie 1943 zur Leiterin der Abteilung für Geschichte der Kulturpflanzen am neuen KWI für Kulturpflanzenforschung in Tuttenhof bei Wien ernannt wurde. Erst 1946 erhielt S. eine ao. Professur an der Univ. Berlin. Sie engagierte sich für den Neuaufbau des „Dt. Akademikerinnenbundes“, in dem sie schon vor 1933 aktiv gewesen war, und leitete den Ausschuß für Internat. Beziehungen des „Dt. Frauenbundes“. 1949 wurde ihr die „Forschungsstelle für Geschichte der Kulturpflanzen“ der MPG übertragen, die sie bis zu ihrer Pensionierung 1956 leitete.

    S.s wegweisende Beiträge zur Kulturpflanzenforschung sind im Hinblick auf die Sicherung der globalen Biodiversität immer noch aktuell. Ihr Verdienst war es, für den Erhalt genetischer Ressourcen in Form von Sammlungen noch vorhandener Wildformen und Landsorten eingetreten zu sein.|

  • Auszeichnungen

    BVK (1954); Ehrenmitgl. d. Botan. Ges. Frankreich (1954) u. d. Zoolog.-Botan. Ges. Wien (1960); Mitgl. d. Leopoldina (1956); wiss. Mitgl. d. MPG (1956); Darwin-Med. d. Leopoldina (1960); Dr.-Ing. E. h. (TU Berlin 1962, als erste Frau).

  • Werke

    Die Bedeutung d. experimentellen Genetik f. d. systemat. Botanik, in: Naturwiss. 20, 1932, S. 145-50;
    Bestimmung einiger Pflanzenfunde aus d. Grabe d. Tut-Ench-Amon, in: Englers Botan. Jb. 71, 1941, S. 511-19;
    Weizen, Roggen, Gerste – Systematik, Gesch. u. Verwendung, 1948;
    Die Gesch. d. Kulturpflanzen im Wandel d. biolog. Methoden, in: Svensk Botanisk Tidskrift 51, 1954, S. 308-29;
    Biol., Archäol. u. Kulturpflanzen, in: Jb. d. MPG 1955, S. 177-98;
    Die Pflanzenfunde in d. neolith. Siedlungen Nogetorp, Östra Vrå u. Brokvarn, in: S. Florin (Hg.), Vråkulturen, 1958, S. 253-300;
    Erwin Baur, in: Berr. d. Dt. Botan. Ges. 54, 1934, S. 51-114;
    Georg Schweinfurths Bedeutung f. d. Kulturpflanzenforsch., in: Der Züchter 10, 1938, S. 18-21;
    Tine Tammes z. Gedächtnis, ebd. 19, 1949, S. 181-84;
    Erinnerungen an meine Berliner Univ.j., in: H. Leussink, E. Neumann u. G. Kotowski (Hg.), Studium Berolinense, Gedenkschr. d. westdt. Rektorenkonferenz u. d. FU Berlin, 1960, S. 845-56.

  • Literatur

    P. Hertwig, in: Zs. f. Pflanzenziichtung 36, 1956, S. 129-32 (P);
    P. Hillmann, H. Wackwitz, E. S., Dipl.arbeit Biologie, Oldenburg 1988;
    H. Kuckuck, in: Berr. d. Dt. Botan. Ges. 93, 1980, S. 517-37 (P);
    A. Lang, E. S., Leben u. Laufbahn e. Wiss. in Berlin, in: C. Schnarrenberger u. H. Scholz (Hg.), Gesch. d. Botanik in Berlin, 1990, S. 179-89;
    E. Sassen, in: Koryphäe 21, 1997, S. 54-57 (P);
    E. Scheich, E. S., Patriotin im Zwiespalt, in: S. Heim (Hg.), Autarkie u. Ostexpansion, Pflanzenzucht u. Agrarforsch. im NS, 2002, S. 250-79 (P).

  • Autor/in

    Mathilde Schmitt, Heide Inhetveen
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmitt, Mathilde; Inhetveen, Heide, "Schiemann, Elisabeth" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 744-745 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118754890.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA