Lebensdaten
1868 bis 1944
Geburtsort
Richtersdorf (Rychtářov, Bezirk Wischau, Vyškov, Mähren)
Sterbeort
Otryby (Neuhof, Bezirk Böhmisch-Sternberg, Český Štemberk)
Beruf/Funktion
Orientalist ; Forschungsreisender ; Historiker ; Geograph ; Diplomat ; katholischer Theologe
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 118747649 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Musil, Alois

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Zitierweise

Musil, Alois, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118747649.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (František) (1843–1930), Bauer in R., S d. Jan Tomáš (* 1808), Bauer in R., u. d. Barbara Voáčová (* 1808);
    M Marie (1846–1929), T d. Vincenc Plhal u. d. Veronika Sochorová; – ledig; Verwandte Alfred (s. 1), Robert (s. 2).

  • Leben

    M. besuchte die Gymnasien in Kremsier, Brünn und Hohenmaut und immatrikulierte sich 1887 an der Theologischen Fakultät in Olmütz. Nach der Priesterweihe 1891 war er zunächst Katechet in Mährisch-Ostrau. 1895 wurde er in Olmütz zum Dr. theol. promoviert und ging im selben Jahr an die École Biblique der Dominikaner nach Jerusalem. Hier führten ihn seine biblischen Studien zur Ethnographie und Geographie. 1897 und 1898 reiste er von Beirut (Université St. Joseph) aus u. a. nach Gaza, Petra, Damaskus, Palmyra und in das Nusairi-Gebirge sowie nach ʿAkaba, Kerak und Madaba und zu den Wüstenschlössern Kusair ʿAmra, al-Tuba, Muaʿakkar und Bayir. Ende 1899 berichtete er zuerst in Wien über seine Entdeckungen, welche zunächst angezweifelt wurden. Nach Studien in London und Cambridge besuchte er im Sommer 1900 erneut Kusair ʿAmra und brachte eine ausführliche Dokumentation der aufgefundenen Inschriften nach Wien mit. Seit Okt. 1900 war M. als Supplent für alttestamentliche Studien an der Theologischen Fakultät in Olmütz tätig; gleichzeitig arbeitete er an den Materialien aus Kusair cAmra, die sich als Entdeckung ersten Ranges erwiesen und ihm rasch allgemeine Anerkennung sowie die nötige Unterstützung für weitere Forschungen einbrachten. 1901 hielt er sich mit dem Maler Alphons Mielich (1863–1929, auch Mielichhofer) in Kusair ʿAmra auf und reiste über Moab und Südpalästina nach Jerusalem. Nach Olmütz zurückgekehrt, erhielt er im April 1902 ein Extraordinariat für Studien des Alten Testaments und der oriental. Sprachen. Von September bis Dezember 1902 sammelte er in Südjordanien topographische und historische Daten für seine „Arabia Petraea“ und erstellte hierzu eine Karte. 1904 siedelte er nach Wien über, im Dezember desselben Jahres wurde er zum Ordinarius an der Theologischen Fakultät in Olmütz ernannt. Nach der Veröffentlichung von „Arabia Petraea“ (3 Bde., 1907–08) erhielt er 1909 das Ordinariat für die biblischen Hilfswissenschaften und arab. Sprachen an der Wiener Universität (1916/17 Dekan, 1917/18 Prodekan der Theol. Fakultät) und stand hier in engem Kontakt u. a. mit David Heinrich Müller und Joseph v. Karabaček.

    Seit 1908 unternahm M. vier weitere Forschungsreisen nach Nordarabien und Mesopotamien. Die erste (1908/09, mit Unterstützung der Gelehrten Gesellschaft in Prag) führte zu den Rwala-Beduinen. Im Auftrag der osman. Regierung untersuchte M. 1910 topographisch und geologisch den nördlichen Bereich der Hedschaz-Bahn. 1912 begleitete er den Prinzen Sixtus von Bourbon-Parma bei dessen Palmyra- und Mesopotamien-Reise. Eine weitere Reise 1914/15 diente auch politischen Zielen des Wiener Hofes, der die Differenzen zwischen den|arab. Führern und dem osman. Reich beilegen und diese zur Neutralität im 1. Weltkrieg bewegen wollte. Auf Anordnung Kaiser Karls wurde M. im Frühling 1917 als Mitglied einer von Erzhzg. Hubert Salvator geleiteten Delegation berufen mit dem Zweck, engere Kontakte zu den im Orient lebenden Angehörigen des Kaiserreiches herzustellen. Nach Gründung der Tschechoslowak. Republik wurde M. trotz Widerständen wegen seiner engen Kontakte zum Wiener Hof im Jan. 1920 an die Philosophische Fakultät der Karls-Univ. in Prag als o. Professor für oriental. Hilfswissenschaften und modernes Arabisch berufen. Seine wissenschaftsorganisatorische Tätigkeit führte 1922 zur Gründung des Oriental. Instituts in Prag. Nach seiner Emeritierung 1938 beschäftigte er sich auf seinem Gut in Otryby vorwiegend mit Gartenbau.

    Die während seiner Reisen 1908-15 gesammelten neuen Erkentnisse veröffentlichte M. in 6 Bänden sowie auf 3 Karten, die er nach Studien in den USA (1923/24, 1926-28) mit Hilfe der American Geographical Society erstellte. Seine bahnbrechenden, teilweise bis heute unübertroffenen, gründlichen Studien, darunter vor allem die Reihe „Dnešní Orient“ und etwa 1250 Aufsätze, sowie die dazugehörigen Karten bilden wegen der reichhaltigen, neuen Materialien bis heute eine wertvolle Fundgrube zur Geschichte, zur materiellen und geistigen, besonders zur literarischen Kultur, zur Ethnographie und Kulturanthropologie der Beduinen sowie zur Geographie und Topographie der von ihm erforschten Gebiete. In einer Serie von Reisebüchern schilderte M. auch eigene Erlebnisse und versuchte, durch historische Abenteuerromane bei jugendlichen Lesern Interesse für die Geschichte und Kultur der arab. Länder zu wecken.|

  • Auszeichnungen

    korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in Wien (1906); Orden d. Eisernen Krone (1908); Dr. h. c. (Bonn, 1910); o. Mitgl. d. Böhm. Gel. Ges. (1907), d. Tschech. Ak d. Wiss. (1907), d. Tschechoslowak. Forschungsrates, d. Oriental. Inst. in Prag (1922), d. American Geographical Society; Ehrenmitgl. d. Dän. Geograph. Ges. (1911), d. Geograph. Ges. in Wien, d. Arab. Ak. d. Wiss. in Damaskus; Hofrat (1917); Mitgl. d. Höchsten Islam. Rates in Jerusalem; Gr. Goldmedaille Charles D. Daly d. American Geographical Society (1927); Konsistorialrat d. Erzbistums Prag (1933).

  • Werke

    Weitere W u. a. Kusejr Amra, 2 Bde., 1907;
    Zur Zeitgesch. v. Arabien, 1918;
    The Northern Heǧaz, 1926;
    The Middle Euphrates, 1927;
    Arabia Deserta, 1927;
    Palmyrena, 1928;
    Northern Neǧd, 1928;
    The Manners and Customs of the Rwala Bedouins, 1928;
    In the Arabian Desert, 1931;
    Reihe: Dnešní Orient (Der neue Orient, 11 Bde., 1934-41);
    Reisebücher, Jugendbücher;
    Aufsätze u. a. in: Anz. d. Österr. Ak. d. Wiss., phil.-hist. Kl., 1901–13, Österr. Mschr. f. d. Orient, 1914-18;
    Karten:
    Map of the Northern Heǧaz according to the original investigations, 1926;
    Map of Northern Arabia according to the original investigations, 1927;
    Map of Southern Mesopotamia according to original investigations, 1927. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Mus. Vyškovska, Vyškov; Lit. Abt. d. Nat.mus., Prag.

  • Literatur

    J. Rypka, in: Archiv Orientální 10, 1938, S. 1-34;
    ders., ebd. 15, 1946, S. I-VIII;
    A. Grohmann, in: Alm. d. Wiener Ak. d. Wiss., 1944, S. 233-51;
    A. M., Kat. výstavy ke 100. výročí narození (Kat. d. Ausst. z. 100. Geb.tag), 1968 (W-Verz., P);
    Th. Procházka Sen., A. M. and Prince Nuri b. Shaclan, in: Proceedings of the Seminar for Arabian Studies, London, XII, 1982, S. 61-66;
    ders., A. M. – Czech Scholar in the Orient, in: Kosmas, Journal of Czechoslovak and Central European Studies, 6, 1987, S. 61-96;
    E. Feigl, M. v. Arabien, Vorkämpfer d. islam. Welt, 1988 (P);
    K. J. Bauer, A. M., Der Wahrheitssucher in d. Wüste, 1989 (Auswahlbibliogr., P);
    A. M., český vědec světového jména, Materialien d. Musil-Konferenz (Prag 1994), 1995;
    Archiv Orientální. IV, 1995 (im Druck);
    Wi. 1905-35;
    Enc. Jud. XII;
    ÖBL;
    LThK;
    Biographisches Lexikon Böhmen;
    BBKL.

  • Autor/in

    Rudolf Veselý
  • Empfohlene Zitierweise

    Veselý, Rudolf, "Musil, Alois" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 636 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118747649.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA