Lebensdaten
1893 bis 1961
Geburtsort
Schwandorf (Oberpfalz)
Beruf/Funktion
Jesuit
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118745751 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rösch, Augustin
  • Rösch, Augustinus

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Zitierweise

Rösch, Augustin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118745751.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Philipp (1859–1915), aus Bayreuth, Lokomotivführer, S d. Andreas (1821–95), aus Forst (Pfalz), bayer. Bez.feldwebel, Wachtmeister im 5. Chevaulegers-Rgt. in Leiningen, u. d. Katharina Tuchmann (1822–61, ev., seit 1856 kath.);
    M Franziska (1870–1920), T d. Anton Auböck (1822–83), Mühl- u. Sägewerkbes. in Langwies (Oberösterr.), später Gastwirt in Vöcklamarkt (Oberösterr.), u. d. Franziska Roidinger (Roithinger) (1833–70);
    3 B, 2 Schw.

  • Leben

    Nach Schulbesuchen in Schwandorf und Rosenheim war R. Schüler des bfl. Knabenseminars in Freising (Abitur 1912). Seine spätere Entwicklung wurde deutlich geprägt durch seinen Eintritt in den Jesuitenorden (Noviziat in Tisis, Vorarlberg 1912–14) und das Erlebnis des 1. Weltkriegs, aus dem er, dreimal verwundet und mit dem EK II und EK I ausgezeichnet, als Oberleutnant der Reserve und Kompagnieführer heimkehrte. Nach dem Krieg absolvierte er ein phil. und theol. Studium an der Ordenshochschule Ignatiuskolleg in Valkenburg (Niederlande), wo er 1925 zum Priester geweiht wurde. Nach dem großen theol. Examen und der Promotion zum röm. Dr. theol. 1927 war R. Studentenseelsorger in Zürich, 1928-35 Generalpräfekt, später Rektor des Kollegs und Internats Stella Matutina in Feldkirch (Vorarlberg). 1935 wurde er Provinzial der Oberdt. Provinz der Jesuiten in München. In dieser Funktion nahm R. eine wichtige Stellung im Kirchenkampf ein und setzte sich nicht nur für die Rechte der Kirche, sondern ebenso für die Rechte jedes Menschen auf Freiheit und Ehre ein. 1941-45 engagierte er sich im „Ausschuß für Ordensangelegenheiten bei der Dt. Bischofskonferenz“, der versuchte, die dt. Bischöfe in öffentliche Konfrontation gegen das „Dritte Reich“ und sein Unrechtssystem zu bringen. Er entwarf den „Menschenrechtshirtenbrief“ vom Nov. 1941, der jedoch nicht verlesen wurde, und – neben weiteren Hirtenworten – den von allen Kanzeln verlesenen „Dekaloghirtenbrief“ vom Herbst 1943. Seit 1941 gehörte R. neben seinen Mitbrüdern Alfred Delp (1907–45) und Lothar König (1906–46) zu den Widerstandskämpfern des „Kreisauer Kreises“ um Helmuth James Gf. v. Moltke (1907–45). Durch die Jesuiten flossen die Ideen der Päpstl. Soziallehre (Quadragesimo anno, 1931) in die Überlegungen des Kreisauer Kreises zu einem „anderen Deutschland“ ein. R. fungierte als Kontaktmann zu weiteren Widerstandsorganisationen, zum Vatikan und zu dt. Bischöfen, wie Michael Kard. Faulhaber (München), Konrad v. Preysing (Berlin) und Conrad Gröber (Freiburg). Nach dem 20. Juli 1944 steckbrieflich von der Gestapo verfolgt, mußte R. untertauchen, wurde am 11.1.1945 festgenommen und blieb bis zum 25. April in Berlin in Haft. Nach dem Krieg engagierte er sich 1947-61 beim Wiederaufbau als Landescaritasdirektor von Bayern und als Mitglied des Bayer. Senats. Von Moltke als „einer unserer besten Leute“ gewürdigt, gehört R. zu den herausragenden Vertretern des kath. Widerstands gegen den Nationalsozialismus.

  • Werke

    Kampf gegen d. NS, hg. v. R. Bleistein, 1985. – Zahlr. Aufss. in: Aus d. Prov., 1915-17. – Archivalien: Archiv d. Oberdt. Prov. d. SJ, München.

  • Literatur

    W. E. Winterhager u. F. W. Euler, in: Moltke-Alm. 1, 1984, S. 76-80 (P);
    Der Kreisauer Kreis, bearb. v. W. E. Winterhager, 1985, S. 75-77 (P);
    R. Bleistein, in: SZ Nr. 163 v. 19./20.7.1986 (P);
    ders., Die Jesuiten im Kreisauer Kreis, 1990;
    ders., A. R., Leben im Widerstand, 1998 (mit Dok. aus d. Nachlaß);
    A. Leugers, „Gegen e. Mauer bfl. Schweigens“, Der Ausschuß f. Ordensangelegenheiten u. seine Widerstandskonzeption 1941 bis 1945, 1996;
    Lex. Widerstand.

  • Autor/in

    Roman Bleistein , SJ
  • Empfohlene Zitierweise

    Bleistein SJ, Roman, "Rösch, Augustin" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 737 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118745751.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA