Lebensdaten
1914 bis 2001
Geburtsort
Freiburg (Breisgau)
Sterbeort
Bad Wiessee (Oberbayern)
Beruf/Funktion
Schauspieler ; Regisseur
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118743848 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Regnier, Karl Friedrich Anton Hermann
  • Regnier, Charles
  • Regnier, Karl Friedrich Anton Hermann
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Zitierweise

Regnier, Charles, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118743848.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Anton ( 1924 Freitod), aus St. Joseph (Missouri, USA), Arzt, später in Heidelberg, Straßburg u. B., S d. Nikolaus, Franzose in Bingen/Rhein, wanderte nach St. Joseph aus u. gründete e. Porzellanfabrik, später in Heidelberg;
    M Emilie Harrer (1887–1974), T e. Hoteliers in B., später Davos u. Berlin; 3 jüngere B Axel (* 1916), Sendeleiter b. BR, Henri, Unterhaltungschef b. NDR, Georg, Vers.-kaufm.: – 1) 1941 Pamela (1906–66, 1] 1930 [o/o] Carl Sternheim, 1878–1942. Schriftst., s. Kosch, Lit.-Lex.3; Killy), Schausp., Chansonsängerin (s. Munzinger), T d. Frank Wedekind (1864–1918), Schriftst. (s. Kosch, Lit.-Lex.3; Killy), E d. Jakob Friedrich Kammerer (1796–1857), Zündhölzerfabr. (s. NDB XI), u. d. Mathilde (Tilly) Newes (1886–1970), Schausp., 2) 1989 Sonja (* 1926, 1] 1951 [⚮] Rudolf Hambach. Fabr., 2] 1961 [⚮] 1969 Marek Hlasko, poln. Schriftst.), Schausp., erhielt d. Goldene Bambi 1950 u. d. Filmband in Gold 1984 (s. Munzinger; L), T d. Steuerberaters Otto Ziemann u. d. Alice Hoffmann;
    1 S aus 1) Anatol (* 1945), Schriftst., Musiker, 2 T aus 1) Carola (* 1943), Schausp., Adrienne (* 1946), Violinlehrerin.

  • Leben

    R. wuchs in Straßburg, Badenweiler, wo seine Großeltern ein Luxushotel besaßen, Heidelberg, Davos und, nach dem Tod seines Vaters, im französischsprachigen Montreux (Schweiz) auf. Nach der Realschule nahm er Schauspielunterricht in Berlin. 1933 aufgrund von Studioaufführungen als politisch anstößig verhaftet und fast ein Jahr im KZ Lichtenburg bei Wittenberg interniert, wich er nach Portofino (Italien) aus. 1938 trat R. sein erstes Theater-Engagement in Greifswald an. 1941 wurde er mit seiner Frau Pamela von Otto Falckenberg (1873–1947) als Darsteller, Regie-Assistent, Regisseur und|Schauspiel-Lehrer an die Münchner Kammerspiele geholt. Dort blieb er auch nach dem Krieg unter Hans Schweikart (1895–1975) bis 1958 und brachte zahlreiche moderne Klassiker mit zur Aufführung, etwa Dürrenmatts „Ehe des Herrn Mississippi“ (1952). Fritz Kortner vermittelte 1949 R.s Filmdebüt in „Der Ruf (Regie: J. v. Baky). Fortan viel beschäftigt, mußte er v. a. Schurken und Ehrenmänner in Abenteuer- und Kriminalfilmen verkörpern; spät erst wurde er als Charakterdarsteller eingesetzt. R. arbeitete mit so namhaften Regisseuren wie Gustav Ucicky, Wolfgang Liebeneiner, Peter Zadek oder Margarethe v. Trotta zusammen. In Fernsehadaptionen von Bühnenstücken, teils in eigener Regie, vermittelte R. einem breiten Publikum aktuelle Dramatik, so als Protagonist von Heinar Kipphardts „In Sachen J. Robert Oppenheimer“ (1964) oder als Marquis de Sade in Peter Weiss' „Die Verfolgung u. Ermordung J. P. Marats“ (1967). Seine undurchsichtigen Gestalten und abgründigen Kommissare, wie in der wöchentlichen ZDF-Serie „Mordkommission“ (zweimal 13 Folgen 1973–75), bildeten eine Konstante der dt. Fernsehunterhaltung.

    Trotz rund 100 Kino- und Fernsehfilmen blieb das Theater R.s eigentliches Metier. Er spielte und inszenierte u. a. an den großen Häusern in Zürich, Köln, Hamburg, Bonn und Basel sowie an Privattheatern in München, Frankfurt und Berlin. Seit den 80er Jahren sorgte sein gehobener Boulevardstil auf Gastspielen und Tourneen – meist mit Sonja Ziemann – für volle Säle. R. pflegte mit Sorgfalt, Intelligenz und Können die franz. Tradition eines unterhaltsamen Konversationstheaters, einer nuancierten psychologischen Auslotung von Bühnenfiguren über ihre Sprache. Dieses Gespür zeigte er auch als Übersetzer von Stücken und Romanen aus dem Französischen und Englischen, u. a. von Colette, Jean Cocteau, Georges Simenon und Agatha Christie.|

  • Auszeichnungen

    Dt. Kritikerpreis (1955).

  • Rollen

    Regie u. a.: Unsere kl. Stadt, 1959/60; Frühlingserwachen, 1960/61; Endstation Sehnsucht, 1973; Die Glasmenagerie, 1991. – Bühnenrollen u. a.: Emilia Galotti (Regie: O. Falckenberg, München 1943); Minna (Regie: H. Kortner, ebd. 1951); Millers Nach d. Sündenfall (mit S. Ziemann, Zürich 1966); Gr. Liebe (auch Regie, Tournee 1987–91). – Filmrollen u. a.: Der Kaplan v. San Lorenzo (1953); Canaris (1954); Kgn. Luise (1956); Anastasia, d. letzte Zarentocher (1956); Zeit zu leben u. Zeit zu sterben (USA 1958); Nick Knattertons Abenteuer (1958); Die Ehe d. Herrn Mississippi (1961); Das Testament d. Dr. Mabuse (1962); Der schwarze Abt (1963); Angélique (I u. II, Frankreich 1965/66); Der Schnüffler (1982); Die wilden Fünfziger (1983); Rosa Luxemburg (1986); Der Passagier – Welcome to Germany (1988); Cascadeur, Die Jagd nach d. Bernsteinzimmer (1997); Die Unberührbare (2000). – Fernsehfilmrollen u. a.: Emilia Galotti (1960); Lady Windermeres Fächer (Buch u. Regie, 1965); Babeck (3 T., 1968); Das Messer (3 T., 1971); Der Kommissar: Das Komplott (1973) u. Rudeck (Regie, 1973); Der Alte: Mord nach Plan (1980) u. Der Selbstmord (1985); Kir Royal (1986).

  • Literatur

    theater heute 3, 1964, S. 55 (P);
    A. Bauer, Dt. Spielfilm Alm., II, 1981;
    H. J. Huber, Langen Müller's Schauspieler-Lex. d. Gegenwart, Dtld.Österr. – Schweiz, 1986 (W, P);
    S. Ziemann, Ein Morgen gibt es immer. Erinnerungen, 1998;
    Nürnberger Nachrr. v. 21.7.1999 (P);
    D. Bartetzko, in: FAZ v. 15.9.2001 (P);
    H. Jacobi, in: NZZ v. 17.9.2001;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Kosch, Theaterlex.;
    Schweizer Lex.;
    Lex. d. dt. Film- u. TV-Stars;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Jörg Hahn
  • Empfohlene Zitierweise

    Hahn, Jörg, "Regnier, Charles" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 274-275 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118743848.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA