Lebensdaten
1653 bis 1704
Sterbeort
Passau
Beruf/Funktion
Komponist ; Orgelmeister
Konfession
katholische Familie
Normdaten
GND: 118735144 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muffat, Georg

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Zitierweise

Muffat, Georg, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118735144.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Vorfahren sollen aus konfessionellen Gründen unter Kgn. Elisabeth aus Schottland od. England nach Savoyen ausgewandert sein, wo d. Name seit Anfang d. 17. Jh. vorkommt. – V Andreas;
    M Margarita Orsy;
    Anna Elisabeth N. N.;
    7 S, 2 T, u. a. Franz Maximilian Joseph (1680–1745), Hofkontrollor in Wien, Franz Georg Gottfried (1681–1710), Hof- u. Kammermusiker in Wien (s. Riemann), Friedrich Sigmund (1684–1723), Stabkammerdiener u. Hofmusiker in München, Johann Ernst (1686–1746), Hofviolinist in Wien (s. Wurzbach; Riemann), Gottlieb (s. 2);
    E Ignaz Berhandtsky v. Adlersberg (* 1720), Jurist, Vf. v. „Aechte Einl. z. Übung im Gerichts- u. Urbarwesen“ (1767);
    Ur-E Placidus Berhandtsky (1735–1813), Benediktiner in Salzburg, Vf. v. „Auszug d. neuesten Chron. v. St. Peter“ (1782), Josef Berhandtsky v. Adlersberg ( 1789), Beamter, zählte z. Bekanntenkreis W. A. Mozarts in Salzburg, Vf. v. „Gedanken e. Patrioten bey d. … Jubelfeyer Salzburgs“ (1782).

  • Leben

    Wohl schon als Kind kam M. ins Elsaß, danach nach Paris, wo er seine musikalische Grundausbildung von besten Meistern erhielt und den Stil J. B. Lullys kennenlernte. 1669 läßt er sich am Schlettstadter und 1671 am Jesuitengymnasium in Molsheim nachweisen, wo er auch das befristete Organistenamt an der Pfarrkirche übernahm. Kriegswirren zwangen ihn schließlich zur Flucht. 1674 immatrikulierte er sich an der Univ. Ingolstadt, um Jura zu studieren. Über Wien, wo er sich vergeblich um eine besoldete Anstellung bei Hofe bemühte, kam er schließlich nach einem Aufenthalt in Prag 1677 spätestens im Dezember 1678 nach Salzburg. Hier trat er als Hoforganist und Kammerdiener in die Dienste des Erzbischofs Max Gandolph Gf. Kuenburg, in dessen Kapelle bereits seit 1670 Heinrich Ignaz Franz Biber tätig war. Hochrangige Patenschaften für seine in Salzburg geborenen sieben Kinder zeugen von der Protektion, die vermutlich über seinen Gönner, den Salzburger Domherrn Maximilian Ernst Gf. Scherffenberg, zustandegekommen war. Aufgrund von dessen Empfehlung gewährte der Erzbischof seinem Hoforganisten einen Studienaufenthalt in Rom, wo dieser bei Bernardo Pasquini „die Welsche Manier auff dem Clavier erlernet“ und in Arcangelo Corellis Haus die „mit grosser Anzahl Instrumentisten auffs genaueste producirten Concerten… mit grossem Lust und Wunder gehört“ hat. Die Früchte seiner röm. Eindrücke und Studien legte M. 1682 im „Armonico tributo“ vor, einer Sammlung von „Sonate di camera comodissime a pocchi ò a molti stromenti“, die unter Corellis Einfluß entstanden waren. Einige Concerti aus dieser Sammlung übernahm M. in erweiterter Form später in seine „Instrumental=Music“ (1701), deren 12 „Concerten“ teils in Rom, teils in Salzburg entstanden und aus einer organischen Vereinigung von Elementen der franz. Suite, der ital. Kirchensonate, der venezian. Orchesterkanzone und der deutschen Fugentechnik hervorgegangen waren.

    Mißgunst und Neid, vermutlich aber auch fehlende Aufstiegschancen bewogen M., den Salzburger Dienst zu quittieren. Im Januar 1690 reiste er nach Augsburg, um anläßlich der Krönung Erzhzg. Josephs Kaiser Leopold I. den „Apparatus musico-organisticus“ persönlich zu überreichen und vorzutragen. Diese bei Johann Baptist Mayr in Salzburg in erster Auflage erschienene Sammlung von 12 Tokkaten nebst anderen Orgelwerken widmete M. dem Kaiser, obgleich die Kosten noch der Salzburger Erzbischof Johann Ernst Gf. Thun getragen hatte. Ob M. damit abermals versuchen wollte, Aufnahme in kaiserl. Dienste zu erwirken, läßt sich nicht nachweisen. Unmittelbar darauf traf M. in München mit Fürstbischof Johann Philipp Gf. Lamberg zusammen, der ihm das Amt des Hofkapellmeisters und Pagenoberhofmeisters in Passau anbot. Noch vor Ostern 1690 traf M. samt Familie in Passau ein. Zunächst nur für die Musik bei Hof verantwortlich, übernahm er 1693 auch das Amt des Domkapellmeisters, wenngleich er nach dem Zeugnis seines Nachfolgers Benedikt Anton Aufschnaiter für die Kirche offenbar kaum etwas geschrieben hatte. Sein einziges erhaltenes Vokalwerk, die „Missa In labore requies“ zu 23 Vokal- und Instrumentalstimmen, war noch in Salzburg entstanden. Von M.s musikdramatischem Schaffen ist nichts erhalten. Nachweislich schrieb er jedoch in Salzburg für das Universitätstheater die Musik zu zwei Schuldramen und das Dramma per musica „La fatali felicita di Plutone“ (1687) für das Hoftheater; für Passau ließ sich bisher nur die Huldigungskomposition „Il volo perpetuo della fama verace“ zur Inthronisation von Fürstbischof Johann Philipp Gf. Lamberg im Mai 1690 nachweisen. Neben der „Instrumental=Music“ publizierte M. in Passau noch zwei weitere umfangreiche Sammlungen unter dem Titel „Florilegium primum“ (1695) bzw. „Florilegium secundum“ (1698); beide enthalten fünfstimmige, mit Programmtiteln versehene Ballettsuiten, die durchwegs franz. Stileinflüssen verpflichtet sind; in den viersprachigen Vorreden zu beiden Sammlungen vermittelt M. außerdem wichtige Zeugnisse zur franz. Aufführungspraxis seiner Zeit.

  • Werke

    Drucke: Armonico tributo, Salzburg 1682, neu ed. E. Schenk, DTÖ 89, 1953, Nachdr. 1970;
    Apparatus musico-organisticus, Salzburg 1690 (spätere Aufl. Passau u. Wien zw. 1704 u. 1709 bzw. um 1721), mehrere Neueditionen;
    Suavioris harmoniae instrumentalis hyporchematicae Florilegium primum, Augsburg 1695, neu ed. DTÖ 1/2 (2), 1894, Nachdr. 1959;
    Suavioris harmoniae instrumentalis hyporchematicae Florilegium secundum, Passau 1698, neu ed. DTÖ II/2 (4), 1895, Nachdr. 1959 (e. angekündigtes Florilegium III ist nicht mehr erschienen);
    Exquisitoris harmoniae instrumentalis gravi-jucundae selectus primus (= Außerlesener mit Ernst= u. Lust=gemengter Instrumental=Music Erste Versamblung), Passau 1701, neu ed. DTÖ IX/2 (23), 1904, Nachdr. 1959. – Hss.: Missa In labore requies f. 8 Vokal- u. 16 Instrumentalstimmen (Autograph, Széchényi-Nat.bibl., Budapest), ed. Denkmäler d. Musik in Salzburg 5, 1994, 21995;
    Sonata Violino solo (Prag 1677;
    Autograph, Kremsier, Musikslg. d. Olmützer EB), ed. Diletto musicale 474, 1977 u. Denkmäler d. Musik in Salzburg, Faks.-Ausgg. 4, 1992;
    Regulae concentuum partiturae (Abschr. 1699, Minoritenkonvent Wien, I B 7), ed. v. H. Federhofer, A Treatise on Thorough-bass by G. M., 1960;
    Präludien u. Tanzsätze (sehr wahrscheinl. M. zuzuschreiben, in e. Abschr. 1707–09, Minoritenkonvent Wien, XIV 743).

  • Literatur

    ADB 22;
    E. Hintermaier, G. M.s „Missa In labore requies“, in: De editione musices, FS f. G. Croll, 1992, S. 261-84;
    G. Haberkamp, Ein neu aufgefundener Text zu e. Huldigungskomp. v. G. M., in: FS f. H. Leuchtmann, 1993, S. 207-51;
    MGG;
    Riemann mit Erg.bd.;
    New Grove.

  • Autor/in

    Ernst Hintermaier
  • Empfohlene Zitierweise

    Hintermaier, Ernst, "Muffat, Georg" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 566 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118735144.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Muffat: Georg M., der größte süddeutsche Orgelmeister in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts. Geburtsort und Geburtsjahr desselben haben bis jetzt nicht festgestellt werden können, doch dürfte letzteres um 1640 anzunehmen sein. Die Nachrichten über sein Leben verdankt man größeren Theils den Vorreden seiner Werke, außerdem dem Kirchenarchive zu Passau. M. kam jung nach Paris, wo er sich sechs Jahre aufhielt und Lully's Instrumentalmusik fleißig studirte. Er ist vielleicht der erste gewesen, der den Lully'schen Stil in Süddeutschland bekannt machte. Von Paris scheint er nach Straßburg gegangen zu sein, jedenfalls war er eine Zeit lang Organist am Münster. Kriegsunruhen Vertrieben ihn von dort; dies dürfte sich um 1674 zugetragen haben. Er begab sich nach Wien und trat dann als Organist und Kammermusikus in den Dienst des Erzbischofs von Salzburg, der ihm Urlaub gab zu einer Reise nach Rom, wo er bis zum Herbst 1682 verweilte. Die Vorrede seines Werks „Armonico tributo cioè Sonate di camera commodissime a pocchi ò a molti stromenti“ ist vom 4. September 1682 aus Rom dalirt, das Werk selbst dagegen erschien bei Johann Baptist Mayr in Salzburg, wohin M. jedenfalls vor dem 18. October 1682 zurückgekehrt war. Der Erzbischof Gandolph zeigte sich ihm besonders gewogen; nachdem derselbe 1687 gestorben war, wild auch des Künstlers Aufenthalt in Salzburg nicht mehr lange gewährt haben. Im Frühjahr 1690 findet man ihn schon in Passau, wo er als Kapellmeister des Fürstbischofs am 23. Februar 1704 gestorben ist. — Muffat's berühmtestes Werk ist der „ApparatusMusico-Organisticus“, welcher 1690 schön in Kupfer gestochen herauskam und dem Kaiser Leopold I. gewidmet ist. Derselbe enthält außer einem Anhang von Clavierstücken zwölf große Orgeltoccaten, welche das Vollendeteste sind, was in dieser, von Claudio Merulo festgestellten Gattung in Süddeutschland componirt worden ist. Durch die nordländischen Orgelmeister des 17. Jahrhunderts sowie durch Sebastian Bach wird M. zwar an Glanz und Großartigkeit übertroffen, nicht aber an musikalischem Reichthum und stilvollem Wesen. Seine Toccaten dürfen immerhin als classische Muster gelten. Aber auch als Componist von Orchestermusik im französischen und Kammermusik im italienischen Stile ist M. von hervorragender Bedeutung. Außer dem obengenannten Armonico tributo ist von ihm noch bekannt geworden ein „Suavioris harmoniae instrumentalis hyporchematicae florilegium primum“, welches 1695 in Augsburg erschien und dem Fürstbischof von Passau gewidmet ist. Ein zweiter Theil des Elorilegium kam 1698 zu Passau heraus. Ersterer enthält 50, letzterer 62 Stücke für Streichinstrumente und Generalbaß.

    • Literatur

      Vgl. Utto Kornmüller in den Monatsheften für Musikgeschichte, 1871, S. 127 ff. — A. G. Ritter, Zur Geschichte des Orgelspiels. Leipzig 1884, 1. Bd., S. 159 f.

  • Autor/in

    Spitta.
  • Empfohlene Zitierweise

    Spitta, "Muffat, Georg" in: Allgemeine Deutsche Biographie 22 (1885), S. 442-443 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118735144.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA