Lebensdaten
1875 bis 1948
Geburtsort
Borna bei Leipzig
Sterbeort
Berlin-Wilmersdorf
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelische Familie
Normdaten
GND: 118725114 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Külz, Wilhelm
  • Külz, Wilhelm Friedrich Leopold

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Zitierweise

Külz, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118725114.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto (1839–1921), Dr. phil., Pfarrer, S d. Friedrich, Lehrer u. Kantor in Deetz (Anhalt), u. d. Christiane Friedrich;
    M Anna (1849–1914), T d. Friedrich Paschasius, Brauherr u. Tuchmachermeister in Raguhn, u. d. Amalie Wetzel;
    Schw Käthe ( Ernst Zinsser, 1878–1924, Pfarrer u. Anstaltsdir. d. Inneren Mission in Dresden);
    B Ludwig (1875–1938), Dr. med., 1902-14 Tropenarzt;
    - Leipzig 1901 Erna (1881–1963), T d. Textilkaufm. Adam Freymond u. d. Catharine Kretschmer; Gvm d. Ehefrau Robert Kretschmer (1818–72), Maler, Afrikareisender, Illustrator v. Brehms „Tierleben“ (s. ThB);
    1 S Helmut (*|1903), Prof., Vizepräs. d. Bundesverwaltungsgerichts Berlin.

  • Leben

    K., aus konservativ-nationalem Elternhaus stammend, studierte Rechtswissenschaften an der Univ. Leipzig. Nach Absolvierung seiner Militärdienstzeit (Reserveleutnant) wurde er 1901 an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Univ. Tübingen mit einer Arbeit über die Friedenspräsenzstärke des Heeres promoviert. Er entschied sich für den Verwaltungsdienst und wurde, nach Tätigkeiten an verschiedenen Amtsgerichten und als Stadtrat (Leipzig, Hainichen, Zittau, Meerane) 1904 Bürgermeister von Bückeburg und Landtagspräsident im Fürstentum Schaumburg-Lippe. Auf seine Fähigkeiten als Verwaltungsfachmann aufmerksam geworden, berief ihn das Reichskolonialamt 1907/08 als Reichskommissar in die deutsche Kolonie Südwestafrika und beauftragte ihn, eine Selbstverwaltungs-Ordnung zu entwerfen. Auf seinen Posten nach Bückeburg zurückgekehrt, kandidierte er 1912 erfolglos als Nationalliberaler für den Reichstag, wurde aber im selben Jahr zum Oberbürgermeister von Zittau gewählt, ein Amt, das er bis zu seiner Wahl zum 2. Bürgermeister von Dresden (1923) behielt. Die Erfahrung vor allem in der Endphase des Weltkrieges, den er als Hauptmann und Kompanieführer mitmachte, führte ihn 1919 in die Deutsche Demokratische Partei, für die er in der Nationalversammlung und, 1922-32, im Reichstag als Abgeordneter tätig war. 1926/27 war er Reichsminister des Innern (Kabinette Luther II und Marx III). 1931 wurde er zum Oberbürgermeister von Dresden gewählt, aber im März 1933 aufgrund seiner Weigerung, die Hakenkreuzflagge auf dem Rathaus zu hissen, vom Reichskommissar für Sachsen seines Amtes enthoben. Bis 1945 war er in Berlin unternehmerisch tätig. Im Juni 1945 war K. führendes Gründungsmitglied der Deutschen Demokratischen Partei, die am 5. Juli als Liberaldemokratische Partei Deutschlands (LDPD) an die Öffentlichkeit trat. Seit Nov. 1945 war er Parteivorsitzender, im März 1947 mit Theodor Heuss gleichberechtigter Vorsitzender der (kurzlebigen) Demokratischen Partei Deutschlands, im Dez. 1947 und März 1948 Sprecher der LDPD auf den beiden, auf Initiative vor allem von Sowjet. Besatzungsmacht und SED zusammengetretenen Deutschen Volkskongressen, deren Ziel es war, den politischen Zerfall Deutschlands aufzuhalten. – K. ist ein Repräsentant jenes kleineren Teiles des deutschen Bürgertums, der – aus den Katastrophen von Kaiserreich und Drittem Reich lernend – die schmerzhaften und im einzelnen widersprüchlichen Konsequenzen hin zu einer radikal-demokratischen Position zog. Bereit zu einem echten Neubeginn 1945, auch zu Kompromissen mit sozialistischen und kommunistischen Kräften, akzeptierte K. gesellschaftsstrukturelle Veränderungen als notwendig, z. B. die Bodenreform. Seine Zusammenarbeit mit der Sowjet. Besatzungsmacht, die ihm seitens seiner westdeutschen Parteigenossen bittere Kritik und den Vorwurf der Schwäche oder auch der politischen Blindheit eintrug, ergab sich sowohl aus moralischen (deutsche Kriegsschuld) als auch aus realpolitischen Überlegungen: Die Sowjet. Präsenz in Mitteleuropa bzw. auf deutschem Boden war für ihn eine langfristige Realität, mit der man sich abzufinden habe, die aber liberal-demokratisch modifizierbar sei. Sein Eintreten zugunsten der Erhaltung der deutschen Einheit um jeden Preis basierte auf der Überzeugung, daß nur die gemeinsame Anstrengung aller deutschen bürgerlich-antifaschistischen Kräfte eine antidemokratische Verhärtung in Ost- und eine gesellschaftliche Restauration in Westdeutschland verhindern könne. K., in der Bundesrepublik heute weitgehend unbekannt, gilt in der DDR als Vorbild des aufrechten Bürgers, der den Weg zum Sozialismus gefunden habe, und damit als einer der Gründungsväter der DDR.

  • Werke

    u. a. Die Selbstverwaltung f. Dt.-Südafrika, 1909;
    Dt.-Südafrika im 25. J. dt. Schutzherrschaft, 1909;
    Dt. Wiedergeburt, 1947. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Bundesarchiv Koblenz.

  • Literatur

    E. Krippendorff, Die Liberal-Demokrat. Partei Dtld.s in d. Sowjet. Besatzungszone 1945/48, 1960, S. 45-54;
    H. Krieg, LDP u. NDP In d. „DDR“, 1965;
    A. Behrendt, W. K., Aus d. Leben e. Suchenden, 1968 (P);
    W. Hofmann, Zwischen Rathaus u. Reichskanzlei, Die Oberbgm. in d. Kommunal- u. Staatspol. d. Dt. Reiches 1890-1933, 1974.

  • Autor/in

    Ekkehart Krippendorff
  • Empfohlene Zitierweise

    Krippendorf, Ekkehart, "Külz, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 13 (1982), S. 210 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118725114.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA