Lebensdaten
erwähnt 1101, gestorben nach 1125
Beruf/Funktion
Chronist ; Abt von Aura
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118688529 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ekkehart von Aura
  • Ekkehart
  • Ekkehart von Aura
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Zitierweise

Ekkehart, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118688529.html [18.11.2018].

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  • Leben

    Die ersten sicher bezeugten Lebensdaten des aus Oberdeutschland stammenden E., der vielleicht Domherr und Magister in Worms, nicht aber Mönch in Korvey war, sind sein Aufenthalt in Palästina im August/September 1101 und, auf der Rückreise, in Rom während der Karwoche 1102. Spätestens danach muß E. in ein Kloster eingetreten sein; auf Hirsau und Tegernsee weisen lebenslange Beziehungen E.s. Jedenfalls lebte er 1105 im Bamberger Kloster Michelsberg. Er nahm im Mai 1105 an der Synode von Nordhausen teil, zog (wohl im Februar) 1106 mit Bischof Otto von Bamberg nach Italien, kehrte aber nach kurzer Gefangenschaft bei kaiserlichen Anhängern in Trient bereits im März wieder zurück. Im Oktober 1106 besuchte er die Synode zu Guastalla; auch an der Lateransynode im März 1116 hat er wohl teilgenommen. E. wurde in dem 1108 von Otto von Bamberg gegründeten, 1113 geweihten Kloster Aura als erster Abt eingesetzt.– Nachdem erst G. Waitz und G. H. Pertz das vorher sogenannte Chronicon Urspergense E. zuschreiben konnten, ist dessen Bedeutung als Geschichtsschreiber lange überschätzt worden, obwohl H. Breßlau 1895 nachwies, daß der Hauptteil jener Weltchronik von Frutolf stammte. E. setzte sie in mehreren Fassungen allmählich bis 1125 fort. Unbestritten ist heute nur seine Verfasserschaft für die Rezensionen D, die er vielleicht erst um 1110 Heinrich V. widmete und ab 1117 bis 1125 fortsetzte, und E , aus der er die auch gesondert überlieferten Geschichten Alexanders des Großen, der Franken, Goten, Hunnen, Langobarden und Sachsen herausnahm; er widmete die Rezension E 1116 Abt Erkenbert von Korvey (1107–28) als Vorbereitung für dessen Pilgerfahrt nach Jerusalem (1117), weswegen E. die Geschichte des 1. Kreuzzugs als „Hierosolymita“ hier an den Schluß stellte. Daß die Rezension B , die im Autograph Frutolfs redigiert und zum Teil auf Rasur bis Anfang 1106 fortgesetzt ist, von E. stammt, kann als wahrscheinlich gelten. Dagegen rührt die nach Stil, Wertung und übrigens auch in den Abbildungen von D beziehungsweise E abweichende Rezension C, die sogenannte Kaiserchronik, nicht von E. her; es spricht viel dafür, daß ihr Verfasser der Iroschotte David ist. – Trotz diesen Einschränkungen, trotz der starken päpstlichen Tendenz und trotz manchen Ungenauigkeiten (nicht nur in Datierungen) sind die von E. anschaulich und mit lebhafter Anteilnahme geschriebenen Teile der Chronik eine Hauptquelle für die Geschichte Heinrichs V. Außer ihnen soll E. eine „Laterna monachorum“ im Stile des Boëthius verfaßt haben.

  • Werke

    VI, 1844 (Neuausg. in Vorbereitung), Übers. in: Gesch.schreiber d. dt. Vorzeit 51, 21893, gesondert auch: Ekkehardi … Hierosolymita, m. Erl. u. e. Anh. hrsg. v. H. Hagenmeyer, 1877.

  • Literatur

    ADB V (überholt);
    III, S. 140;
    Jaffé, Bibl. rer. Germ. 5, 568;
    G. Buchholz, E. v. A., Unters. z. dt. Reichsgesch. unter Heinr. IV. u. Heinr. V., 1. (einziger) T., 1888;
    H. Breßlau, Bamberger Stud., in: NA 21, 1895/96, S. 197-234;
    Jbb. d. Dt. Gesch., Heinr. IV. u. Heinr. V., 3. Bd., S. 22, Anm. 26, 1, 6. Bd., S. 7, Anm. 2, 1 (nach Mitt. H. Breßlaus), 288 f., 370 f., 7. Bd., S. 355 ff.;
    O. Holder-Egger, in: NA 32, 1907, S. 521 f.;
    K. Gold, Einheitl. Anschauung u. Abfassung d. Chronik E.s v. A., nachgewiesen auf Grund d. Zeitanschauungen, Diss. Greifswald 1916 (dazu H. Breßlau, in: NA 41, 1917, S. 329);
    Hauck III, S. 955 ff.;
    H. Breßlau, in: Die Gesch.wiss. d. Gegenwart in Selbstdarst. II, 1926, S. 64;
    P. E. Schramm, Die dt. Kaiser u. Könige in Bildern ihrer Zeit, 1928, S. 144 f., 211, 216, Abb. 112, 122-24;
    ders., Umstrittene Kaiserbilder a. d. 9.-12. Jh., in: NA 47, 1928, S. 487-90;
    K. Pivec, Stud. u. F z. Ausg. d. Cod. Udalrici II: Der Cod. Udalr. u. d. Kanzlei Heinr. V., in: MIÖG 46, 1932, S. 264 f., 284-89;
    Wattenbach-Holtzmann I, S. 491-95, 498-506;
    K. Hallinger, Gorze-Kluny, = Studia Anselmiana 22-25, 1950/51, S. 350 f.;
    I. Schmale-Ott, in: Vf.-Lex. d. MA V, Sp. 185-91;
    dies., Die Rezension C d. Weltchronik E.s, in: DA 12, 1956, S. 363-87.

  • Autor/in

    Joachim Leuschner
  • Empfohlene Zitierweise

    Leuschner, Joachim, "Ekkehart" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 431-432 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118688529.html#ndbcontent

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  • Leben

    Ekkehart, Chronist, lebte noch 1125. Von seinem Leben wissen wir sehr wenig; er hat die Bibliothek des Bamberger Klosters Michelsberg fleißig benutzt und ist vielleicht dort Mönch gewesen. Aber auch in Corvey hat er sich aufgehalten und mag, wie viele lernbegierige Cleriker des 11. Jahrhunderts, verschiedene Lehrer aufgesucht und sich in der Welt umgesehen haben. Sicher ist, daß er 1101 an einer Pilgerfahrt nach Jerusalem Theil nahm; sein Rückweg führte ihn nach Rom, 1106 war er bei dem Concil von Guastalla und zu Heinrich V. ist er in nahe Beziehung getreten. Der Bischof Otto von Bamberg erhob ihn 1108 zum Abt des neugestifteten Klosters Aura an der fränkischen Saale unweit Kissingen. Schon vor 1100 finden wir E. beschäftigt mit der Ausarbeitung einer großen Weltchronik, welche er unermüdlich immer wieder umgeformt, erweitert und fortgesetzt hat, bis zum J. 1125. Es ist die sorgfältigste, am besten durchgearbeitete Weltchronik, welche wir aus dem Mittelalter haben, wahrhaft bewunderungswerth, wenn man die Mangelhaftigkeit der Hülfsmittel berücksichtigt. Mit der annalistischen Aufzählung verband er ausführliche|Erzählung, ganze Volksgeschichten der Gothen, Hunnen, Franken etc. Dann sonderte er diese wieder aus zu einem besonderen Werke, ebenso die Geschichte des ersten Kreuzzuges, um besseres Ebenmaß herzustellen. Den Schluß bildete die ausführliche Erzählung der Zeitgeschichte, für uns der werthvollste Theil. Hier nun spiegelt sich uns die verworrene Zeit, in welcher es so schwer war, einen sicheren Standpunkt zu gewinnen, da die Häupter der Christenheit mit einander in Kampf gerathen waren. Wiederholt wechselnd, war E. zuerst auf der Seite Heinrichs IV., setzte dann seine ganze Hoffnung auf Heinrich V., in dessen Auftrag er eine Umarbeitung seiner Chronik ausführte. Endlich aber wandte er sich doch auch von Heinrich V. ab und schloß mit einem harten Urtheil über ihn. Lange Zeit war Ekkeharts Werk nur unter dem Namen der „Ursperger Chronik“ bekannt, in welcher es bis 1229 fortgesetzt ist. Erst G. Waitz hat es in seiner ursprünglichen Gestalt Mon. Germ. SS. VI herausgegeben. Vgl. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen IV. §. 27.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Ekkehart" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 793-794 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118688529.html#adbcontent

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