Lebensdaten
1792 bis 1861
Geburtsort
Mahlberg
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
badischer Staatsmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118659065 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Blittersdorff, Friedrich Landolin Karl Freiherr von
  • Blittersdorff, Friedrich Freiherr von
  • Blittersdorff, Friedrich Landolin Karl Freiherr von
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Zitierweise

Blittersdorff, Friedrich Freiherr von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118659065.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (1748–98), markgräflicher badischer Hofrat und Landvogt;
    M Franziska Freiin von Vischpach (1758–1835, evangelisch);
    Frankfurt/Main 1824 Maximiliane (1802–1861), T des Franz Brentano di Tremezzo, Schöffe und Senator, Enkelin des österreichischen Beamten Johann Melchior von Birckenstock ( 1809).

  • Leben

    Die diplomatische Laufbahn, die B. nach Abschluß seines juristischen Studiums in Heidelberg und Freiburg (1809–12) einschlug, enthält nächst der Stelle des badischen Geschäftsträgers in St. Petersburg vornehmlich den badischen Gesandtschaftsposten am Bundestag (1821–35 und 1843-48). B., ein entschiedener und konsequenter Gegner der badischen Verfassung von 1818, gehört in den Kreis jener für die Bundespolitik vor 1848 charakteristischen Diplomaten, die mit der Stärkung des Bundes am besten der einzelstaatlichen Souveränität und der monarchischen Idee dienen zu können glaubten. Als er 1835 Minister der Auswärtigen Angelegenheiten wurde und sehr rasch den Mittelpunkt der Staatsregierung zu bilden verstand, nahm er den Kampf mit der 2. Kammer sogleich auf und führte ihn ebenso leidenschaftlich wie gewandt und aus tiefer Abneigung gegen die Vorherrschaft des bürgerlichen Beamtentums. Nach Auflösung der 2. Kammer im Verlauf des „Urlaubsstreits“ (um die Urlaubsverweigerung, durch die oppositionelle Beamte an der Ausübung ihrer Abgeordnetenpflichten verhindert wurden) 1841 ging die Opposition verstärkt aus den Neuwahlen hervor. In dem sich zuspitzenden Konflikt, den B. eventuell durch Anrufung von Bundeshilfe zu lösen gedachte, verlor er schließlich die Unterstützung des Großherzogs und kehrte im November 1843 auf seinen alten Posten nach Frankfurt zurück. Die letzten Jahre seiner diplomatischen Tätigkeit, die 1848 ihren Abschluß fand, sind von vergeblichen Versuchen ausgefüllt, eine rechtzeitige Reform des Deutschen Bundes herbeizuführen.

  • Werke

    Einiges aus d. Mappe d. Frhr. v. B., 1849.

  • Literatur

    ADB II;
    H. Baier, EB Ignaz Demeter u. Staatsminister Frhr. v. B., in: Freiburger Diözesan-Archiv, Bd. 61, 1933/34, S. 165-77;
    F. Schnabel, Dt. Gesch. im 19. Jh., Bd. 2, 21949, S. 230-32, 271 f.;
    F. v. Weech, in: Bad. Biogrr. I, 1875, S. 87-95.

  • Portraits

    Gem. v. M. v. Schwind (Moderne Gal. Wien).

  • Autor/in

    Walter Bußmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Bußmann, Walter, "Blittersdorff, Friedrich Freiherr von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 305 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118659065.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Blittersdorff: Friedrich Landolin Karl Freih. v. B., geb. zu Mahlberg, wo sein Vater Landvogt war, am 10. Febr 1792, 1861, besuchte nach Vollendung seiner Gymnasialbildung zu Karlsruhe in den Jahren 1809—1812 die Universitäten Heidelberg und Freiburg und widmete sich der diplomatischen Laufbahn, deren erster wichtigerer Posten die Stelle eines badischen Geschäftsträgers zu St. Petersburg war. Von da 1821 zum Bundesgesandten befördert, bekleidete er diese Stelle bis zum Jahre 1835. Hochbegabt, vielseitig gebildet, von energischer Gesinnung und von streng conservativen Anschauungen durchdrungen, wurde er, als in Baden die kurze liberale Aera des Anfangs der dreißiger Jahre unter dem Druck des reactionären Einflusses der Großmächte zu raschem Ende ging, als Minister der auswärtigen Angelegenheiten in das Staatsministerium berufen, in welchem er bald eine dominirende Stellung einnahm. Wie er als Bundestagsgesandter an dem Zustandekommen aller freiheitsfeindlichen Beschlüsse des Bundestags eifrigsten Antheil genommen, so war auch jetzt sein Hauptaugenmerk auf Schmälerung der Wirksamkeit der Landstände gerichtet. Mit eben so großer Energie wie Geschäftskenntniß trat er der Kammermehrheit gegenüber und setzte, als der vielberufene Urlaubsstreit die Opposition nur vermehrte, im J. 1841 die Auflösung der badischen zweiten Kammer durch. Der mit verstärkten Kräften auftretenden Opposition des Landtags von 1842 trat er mit nicht geminderter Energie entgegen, doch weigerte sich der wohlwollende und durchgreifenden Maßregeln abgeneigte Großherzog Leopold, die von B. gewünschten extremen Maßregeln zu genehmigen. Im November 1843 nahm B. seinen Abschied als Minister und kehrte in seine Stellung am Bundestage|zurück, die er bis 1848 inne hatte. Von da an lebte er, vergrämt und verbittert, völlig zurückgezogen in Frankfurt, wo er am 16. April 1861 starb. — B. war ein Mann von großer Begabung und es ist für die Entwicklung seines Lebensganges ein Unglück gewesen, daß es ihm nicht gegönnt war, in einem größeren Staatswesen seine Kräfte zu erproben. Vergebens arbeitete er auf eine Ausdehnung der Bundescompetenz in einem mehr unitarischen Sinne hin. Ueber seine Tendenzen findet sich manche interessante Aufklärung in der Schrift: „Einiges aus der Mappe des Freiherrn von Blittersdorff“, Frankfurt 1849.

  • Autor/in

    v. Weech.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weech, Friedrich von, "Blittersdorff, Friedrich Freiherr von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 706-707 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118659065.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA