Lebensdaten
um 1020 bis 1088
Geburtsort
in Löhningen (Schwaben)
Sterbeort
Bad Iburg
Beruf/Funktion
Bischof von Osnabrück
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 11865554X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Benno von Osnabrück
  • Benno II.
  • Benno von Osnabrück
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Zitierweise

Benno II., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11865554X.html [18.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Vermutlich aus einem Ministerialengeschlecht.

  • Leben

    Auf Grund eines Gelübdes der kinderlosen Eltern für den geistlichen Beruf bestimmt, besuchte B. zunächst die Domschule in Straßburg, Ende der 30er Jahre dann die Klosterschule auf der Reichenau, wo Hermann der Lahme sein Lehrer war. Nach kurzer Vagantenzeit begleitete er Anfang der 40er Jahre Bischof Wilhelm von Straßburg auf einer Pilgerfahrt ins Heilige Land. Zurückgekehrt, wurde er wenig später Mitglied der Domschule in Speyer. 1048 folgte er Heinrich III. nach Goslar und wurde bald darauf Leiter der Hildesheimer Domschule. 1051 zeichnete er sich auf der Heerfahrt gegen die Ungarn durch seine Umsicht und sein organisatorisches Geschick aus. Dann wurde er Dompropst in Hildesheim. Spätestens 1063 übernahm er dazu noch das Amt eines königlichen Vicedominus (Verwalter) der Pfalz Goslar. Eine ähnliche Stellung bekleidete er später (um 1067) kurzfristig auch beim Erzbischof Anno von Köln, den er wohl schon von Goslar her kannte.

    Am 23.11.1068 wurde er von Heinrich IV. zum Nachfolger Bennos (Berengar) von Osnabrück bestellt. Im sächsischen Aufstand (1073) hielt er als Schwabe treu zum König, konnte sich aber auf der von ihm selbst ausgebauten Burg Iburg auf die Dauer nicht halten und mußte (1075?) sein Bistum verlassen. Seitdem weilte er ständig am Hofe Heinrichs IV. Im Investiturstreit war er einer der geschicktesten Helfer des Königs, ohne deshalb bei der Kurie in Ungnade zu fallen. Mit großem diplomatischen Geschick versuchte er, zwischen Gregor VII. und dem König zu vermitteln, so vor allem im Januar 1077 in Canossa und bei seinen Gesandtschaften nach Rom 1078 und 1079. Erst nach dem Tode des Gegenkönigs Rudolf von Schwaben konnte B. Ende 1080 in sein Bistum zurückkehren. Mit Nachdruck betrieb er jetzt die Gründung eines Klosters auf der Iburg. Die ersten Mönche ließ er aus St. Alban in Mainz und aus St. Simeon und Mauritz in Minden kommen, an deren Stelle später solche aus Siegburg traten. Der erste Abt Adalhard wurde am 29.9.1082 geweiht. 1082-84 weilte Benno ein letztes Mal mit dem König in Italien. Nach seiner Rückkehr widmete er sich ganz den Aufgaben seiner Diözese, besonders der Vollendung des Klosters Iburg, wo er auch die letzten Jahre seines Lebens zubrachte. Daneben bemühte er sich um die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse und um die Hebung der Landwirtschaft. Ein besonderes Geschick zeigte er zeitlebens für das Bauwesen. Neben seiner Bautätigkeit in Goslar, Hildesheim (Dombau Bischof Hezilos, 1054) zeugt dafür seine Berufung durch Heinrich IV. nach Speyer zur Sicherung des durch den Rhein bedrohten Domes (um 1080). Weniger rühmenswert sind seine umfangreichen Urkundenfälschungen, durch die er den Streit mit den Klöstern Corvey und Herford um die Zehnten aus großen Teilen der Diözese Osnabrück zu Gunsten seiner Kirche zu beeinflussen versucht hat.

    Der durch geistige Regsamkeit und Zähigkeit, durch Redegewandtheit und einen ausgeprägten Erwerbssinn ausgezeichnete Schwabe B.|gehört zwar nicht zu den Großen seines Jahrhunderts, aber doch zu den denkwürdigen Erscheinungen desselben, besonders wegen der Meisterschaft, mit der er alle Schwierigkeiten seines bewegten Lebens zu bewältigen verstand. Die Treue zu seinem König, dem er seinen Aufstieg verdankte, ist der liebenswerteste Zug seines reichen Charakters.

  • Literatur

    ADB II;
    Vita Bennonis II. episcopi Osnabrugensis auctore Norberto abbate Iburgensi, hrsg. v. H. Bresslau, in: SS rer. Germ., 1902, Übers. v. M. Tangl, in: GDV, Bd. 91, 1911;
    H. Bresslau, Die echte u. d. interpolierte Vita Bennonis secundi episcopi Osnabrugensis, in: NA, Bd. 28, 1902, S. 77-135;
    G. Winter, Stand d. Forschung üb. d. Bennofrage, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. u. Landeskde, v. Osnabrück, Bd. 28, 1904, S. 293-305;
    M. Tangl, Die Vita Bennonis u. d. Regalien- u. Spolienredit, in: NA, Bd. 33, 1908, S. 75-94;
    ders., Fälschungen zu Karolinger-Diplomen, Die Osnabrücker Fälschungen, in: Archiv f. Urkk.-F., Bd. 2, 1909, S. 186-323;
    J. Hindenburg, B. II. Bischof v. Osnabrück als Architekt, Diss. Straßburg 1921;
    B. Schmeidler, Kaiser Heinrich IV. u. seine Helfer im Investiturstreit, 1927;
    D. v. Gladiß, Heinrich IV. u. d. Osnabrücker Zehntstreit, in: Niedersächs. Jb., Bd. 16, 1939, S. 59-89;
    G. Krüger, B. II., Bischof v. Osnabrück, in: Westfäl. Lb. IV, 1933, S. 1-22;
    Wattenbach-Holtzmann I, S. 579-81;weitere L
    b. U. Grotefend, Bücherkde. z. Gesch. d. Reg.Bez. Osnabrück (bis 1908), in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. u. Landeskde. v. Osnabrück, Bd. 55, 1934;
    Enc. Catt. II, 1949.

  • Autor/in

    Josef Prinz
  • Empfohlene Zitierweise

    Prinz, Friedrich, "Benno II." in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 53 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11865554X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Benno II., Bischof von Osnabrück, 1088, zählt unter die großen Männer, an denen das 11. Jahrhundert überhaupt so reich war. Er war in einem Dorfe bei Lüningen in Schwaben von freien, aber armen Eltern geboren, zu Straßburg und im Kl. Reichenau von Hermann „Contractus“ unterwiesen und vollendete, nach einer Reise nach Jerusalem, die Ausbildung für seinen Beruf, bei ungewöhnlichen Anlagen, in der damals berühmten Domschule zu Speier. Kaiser Heinrich IV., der bald ein solches Talent erkannte, zog ihn nach Goslar; dann reformirte er dem Bischof Ezzelin von Hildesheim das Schulwesen in dessen Diöcese. Im Jahre 1051 nahm er Theil an dem Kriegszuge nach Ungarn, wo er durch seine vortrefflichen Proviant-Einrichtungen das Heer vor Hungersnoth rettete. Nach seiner Rückkehr ward er Dompropst zu Hildesheim. Heinrich IV. jedoch zog ihn immer mehr an seine Person, und da er als Schwabe nicht den angeerbten Haß der Sachsen gegen diesen Herrn hatte, so blieb er ihm auch zeitlebens ein treuer Gefährte. Der Kaiser benutzte zunächst seine technischen Kenntnisse beim Bau der Harzburgen, durch welche der ihm feindliche Stamm der Sachsen gebändigt werden sollte, — hatte doch B. seine Befähigung im Baufach kurz zuvor noch dadurch bewährt, daß durch seine zweckmäßigen Anordnungen der Einsturz der Domkirche in Speier, die dem Rhein zu nahe angelegt war, verhindert wurde! Erzb. Anno von Köln suchte ihn damals in seine Dienste zu ziehen, dem jedoch Heinrich IV. durch Bennos Ernennung zum Bischof von|Osnabrück, 1068, vorbeugte. In dieser Stellung hat er bei damals ungewöhnlichen Kenntnissen im Fache der Landwirtschaft für sein Stift viel gethan; er ordnete die bäuerlichen Verhältnisse, namentlich das Zehnt- und Dienst-Wesen, verbesserte die Art des Landbaues, und machte große Haide- und Moorstrecken urbar. Die Traditionen dieserhalb gehen bis auf den heutigen Tag. In dem von ihm besonders geliebten Iburg baute er sich neben dem von ihm gegründeten Kloster einen nach ihm benannten Thurm, der seine liebste Wohnung wurde. In dem ausgebrochenen Kriege der Sachsen gegen Heinrich IV. berief dieser B. wieder zu sich, und wir finden ihn 1069 zu Mühlhausen, 1071 zu Halberstadt und Mainz, 1072 zu Worms und 1073 zu Erfurt im engern Rath des Kaisers, mit dem er nebst dem Erzbischof Liemar von Bremen und dem Bischof Eppo von Zeitz fortan Glück und Unglück als treuer Freund theilte. Als jener Krieg für den Kaiser eine unglückliche Wendung nahm, und dieser in der Harzburg belagert wurde, floh B. freilich mit ihm, konnte jedoch den für seinen Herrn ungünstigen goslarschen Vertrag nicht hindern, dagegen übernahm er eine Mission nach Rom, um den Papst günstig für die kaiserliche Politik in Deutschland zu stimmen. Allein dieser erklärte sich offen gegen Heinrich IV., wogegen dieser wieder eine Versammlung deutscher Bischöfe nach Worms 1074 berief, in welcher B. Vortragender war, und die mit namentlicher Unterschrift der stimmenden Bischöfe im Namen des Kaisers über Absetzung Gregor VII ein öffentliches Document ausgehen ließ. Jedoch ward die Sache des Kaisers dadurch nicht besser, unterlag vielmehr bald in dem hervorgerufenen Kampfe zwischen Staat und Kirche völlig. Zugleich sprach Gregor VII. über alle deutschen Bischöfe, welche bei jenem Schritte betheiligt waren, die Excommunication aus, und B. mußte 1076 nach Italien reisen, um nach ähnlichen Buß-Exercitien, denen sich später auch sein Kaiser zu Canossa unterzog, die Verzeihung des Papstes zu erlangen. Der nun hergestellte Friede dauerte nicht lange. Als die deutschen Fürsten Rudolf von Schwaben zum Gegenkaiser erwählt hatten, mußte B. abermals 1080 als Gesandter nach Italien, um vom Papst Verdammung jenes und Anerkennung des rechtmäßigen Kaisers zu erlangen. Allein Gregor trat wiederum auf Seite Rudolfs, entsetzte Heinrich IV. des Reichs und that mit ihm alle Bischöfe welche von ihm Bisthümer empfangen, also auch B. — in den Bann. Dieser dagegen, damals siegreich gegen seine Feinde in Deutschland, entsetzte in einer Versammlung deutscher und italienischer Bischöfe zu Brixen, bei der wieder B. besonders thätig war, den Papst seines Amtes; und als der Kaiser, nachdem sein Gegner 1080 in der Schlacht von Merseburg geblieben war, nach Italien zog, um Clemens III. zum Papst einzusetzen, war freilich abermals in Deutschland ein Gegenkaiser in Heinrich von Lützelburg aufgestellt, der jedoch keines besonderen Erfolges sich zu erfreuen hatte. Zwar hatten dessen Anhänger namentlich das Stift Osnabrück verheert, und B. ging eilig von Italien in die Heimath, gewann hier durch kluge Unterhandlung den Markgraf Ekbert und den Bischof Udo von Hildesheim aus Feinden zu Freunden des Kaisers, kehrte dann 1082 schnell nach Italien zurück, wo Heinrich IV. mittlerweile Rom belagerte, um neue Unterhandlungen mit dem abgesetzten Gregor VII. im Namen des Kaisers zu führen, welche eine Aussöhnung bezwecken sollten. Bei Gregors bekanntem Charakter konnten solche natürlich zu keinem Resultate führen, und erst als Gregor VII. 1085 zu Salerno starb, ward einigermaßen Friede zwischen Reich und Kirche. Von jetzt an fühlte sich B. auch erst sicher im Besitz seines Bisthums, das er von da an nicht wieder verließ. Er starb am 27. Juli 1088 zu Iburg. Der erste Abt des daselbst von ihm gegründeten Klosters, Norbert, hat eine Lebensbeschreibung dieses großen Mannes hinterlassen. Sie ist abgedruckt in Pertz, Mon. hist. Germ. SS. Tom. XII. p. 60—84.

    • Literatur

      Zu vgl. Wattenbach, Deutschlands Geschichtsquellen, 3. Aufl. Bd. 2, S. 21—24.

  • Autor/in

    Schaumann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Schaumann, "Benno II." in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 339-341 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11865554X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA