Lebensdaten
1763 bis 1848
Geburtsort
Walldorf bei Heidelberg
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Unternehmer ; Kaufmann
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118650777 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Astor, Johann Jakob

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Zitierweise

Astor, Johann Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118650777.html [11.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob Astor, Metzger;
    M Maria Magdalena (* 1730), T des Johann Dietrich vom Berg, Kronenwirt;
    Ur-Gvm Johann David vom Berg aus Halle, lutherischer Pfarrer in Ittlingen;
    Sarah Todd;
    S Johann Jakob Astor (schwachsinnig), William Backhouse Astor (1792–1872); 3 T; E Johann Jakob Astor (1822–1890).

  • Leben

    A. wuchs in unerfreulichen, durch den Vater verschuldeten Familienverhältnissen auf. Mit 16 Jahren ging er nach England, wo sein Bruder George eine Musikalienhandlung besaß. 1783 hatte er sich so viel Geld gespart, daß er die Überfahrt nach Amerika antreten konnte. Während der Reise, auf der das Schiff in Eis geriet, lernte er einen mit den amerikanischen Verhältnissen vertrauten Deutschen kennen, der ihn auf die großen Möglichkeiten des Pelzhandels hinwies. Nach seiner Ankunft in den Vereinigten Staaten setzte sich A. bald durch, wohl durch seinen Bruder Henry zunächst unterstützt, der sich später selbst ein großes Vermögen erwarb. Er handelte getreu seinem Gelübde, fleißig zu sein, nicht zu trinken und nicht zu spielen. Bis zur Jahrhundertwende hatte er teils durch Pelzhandel, teils durch den Verkauf von Musikinstrumenten ein solches Kapital angehäuft, daß er an den planmäßigen Aufkauf von Grundstücken in Manhattan denken konnte. Er legte damit den Grundstock zum A.vermögen, da der Wert dieses Besitzes sich sprunghaft steigerte. Im übrigen war A. im Pelzhandel überaus erfolgreich; bereits 1808 konnte er seine vielfachen Unternehmungen in der American Fur Company vereinigen. Aus diesem Pelzhandel, der sich nach dem Fernen Osten hin erstreckte, erwuchs sein großartigstes Projekt: 1811 begründete er an der Mündung des Columbia-Flusses eine Niederlassung mit dem Grundgedanken, den direkten Handelsaustausch zwischen Kanton und New York von diesem Platz aus zu vermitteln. „Astoria“ und seinen Schöpfer hat Washington Irving verherrlicht. Allerdings stand das Unternehmen von Anfang an unter keinem glücklichen Stern. Die weite Entfernung, mehr noch die Indianer bereiteten große Schwierigkeiten, als dann im Krieg von 1812 das dortige Land in die Hände der Engländer überzugehen drohte, hat A. seine Interessen an die Northwest Company verkauft. 1814 konnte er sein Vermögen durch Anleihen erheblich vermehren, die er der in großer Bedrängnis befindlichen Bundesregierung gewährte. Im Pelzgeschäft erreichte er die führende Stellung im oberen Mississippital unter Ausschaltung aller anderen Rivalen und stieß bis zum Missouri vor; weniger günstig verlief der Rivalitätskampf mit der Rocky Mountains-Company; die Enttäuschung darüber und das beginnende Alter veranlaßten ihn, sich 1834 ganz aus dem Pelzgeschäft zurückzuziehen und sich zusammen mit seinem Sohn William der Bewirtschaftung des Grundbesitzes zu widmen.

    A.s Persönlichkeit ist umstritten. Zweifellos besaß er alle die Qualitäten, die die großen amerikanischen Wirtschaftsführer ausgezeichnet haben, unbändigen Fleiß, Willenskraft und Intuitionsgabe, aber auch einen schrankenlosen Machtegoismus, der ihn vor der Anwendung zweifelhafter Methoden nicht zurückschrecken ließ. Es fehlte ihm nicht an humanitärer Gesinnung: von dem ungeheuren, noch vor dem industriellen Zeitalter erworbenen Vermögen von 20 Millionen Dollar stiftete er 400 000 Dollar für die A.-Bibliothek, die William aufbaute, und für seinen Geburtsort Walldorf 50 000 Dollar, die für die Errichtung eines Erziehungs- und Altersheims verwendet wurden.

  • Literatur

    ADB I;
    P. M. Irving, The life and letters of Washington Irving, London 1862–64;
    J. Parton, Life of J. J. A., New York 1865;
    Berühmte dt. Vorkämpfer f. Fortschritt, Freiheit u. Friede in Nordamerika, Cleveland/Ohio, 1888, S. 135-45 (P);
    G. Myers, History of the great American fortunes, Chikago 1910;
    E. Gebhard, The life and ventures of the original J. J. A., New York 1915;
    S. Diamond, in: Explorations in Entrepreneural History, Bd. 4, 1951/52, Nr. 1;
    DAB I, 1928 (L).

  • Portraits

    Holzschnitt in: LIZ 10, 1848, S. 322.

  • Autor/in

    Otto Graf zu Stolberg-Wernigerode
  • Empfohlene Zitierweise

    Stolberg-Wernigerode, Otto Graf zu, "Astor, Johann Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 1 (1953), S. 423-424 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118650777.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Astor: Joh. Jakob A., Kaufmann zu Walldorf, einem damals kurpfälzischen Dorfe in der Nähe von Heidelberg als Sohn eines wenig bemittelten Fleischers, geb. 17. Juli 1763, zu New-York 30. März 1848. Er entzog sich den ärmlichen Verhältnissen seiner Heimath, indem er 1777 nach London wanderte, wo einer seiner Brüder lebte; von da ging er 1783 nach New-York, wo ein anderer seiner Brüder Unterkommen und guten Erwerb gefunden hatte. Mit großer Energie und rastlosem Fleiße warf er sich auf den Pelzhandel, und erwarb sich ein colossales Vermögen. Seine großartigste Unternehmung, die Begründung einer Handelsniederlage am stillen Ocean und die Verbindung derselben einerseits mit New-York, andererseits mit China ist durch Washington Irving's „Astoria“ verherrlicht worden. Die Mängel seiner Erziehung, eine durch seinen Entwicklungsgang erklärliche Engherzigkeit und ein unverhüllter Egoismus blieben zeitlebens charakteristische Merkmale seines Wesens. Er hinterließ etwa 20 Millionen Dollars. Durch zwei Stiftungen hat er sich ein gutes Gedächtniß bei der Nachwelt gesichert, die Astor-Bibliothek in New-York und eine Stiftung für|Arme und Unterrichts-Bedürftige in seinem Heimathsdorfe, dem er, trotz aller seiner Seltsamkeiten, doch ein warmes Herz bewahrt hatte.

    • Literatur

      James Partow, Life of J. J. Astor, New-York 1865.

  • Autor/in

    v. Weech.
  • Empfohlene Zitierweise

    Weech, Friedrich von, "Astor, Johann Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 1 (1875), S. 628-629 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118650777.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA