Lebensdaten
1895 - 1944
Geburtsort
Sabuntschi bei Baku (Aserbaidschan)
Sterbeort
Tokio
Beruf/Funktion
sowjetischer Agent ; Journalist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118615734 | OGND | VIAF: 51715274
Namensvarianten
  • Ramsay (Codename)
  • Sorge, Richard
  • Ramsay (Codename)
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Zitierweise

Sorge, Richard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118615734.html [16.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    V Richard (1852–1907), aus Wettin/Saale (preuß. Prov. Sachsen), Erdöltechnol. in d. USA, errichtete seit 1877 in S. f. d. Masch.fabr. Otto Lenz e. Werkstatt f. Bohrtechnik, gründete 1881 e. Fa. in B., d. f. d. Dt. Petroleum-AG u. f. d. Kaukas. Öl-Kompagnie d. Nobelkonzerns tätig war, seit 1898 in Hildesheim, dann in Koblenz, München u. seit 1912 in Berlin, Dir. d. Disconto-Ges., S d. Wilhelm (* 1825), aus Schildau b. Torgau (Sachsen), Dr. med., prakt. Arzt u. Chirurg, u. d. Magdalena Natalie Müller;
    M Nina Kobeleff (1867-n. 1944), aus B., T e. Eisenbahnarbeiters u. e. Fabrikarbeiterin;
    Ur-Gvv Wilhelm (1797–1887), Pfarrer, Kantor u. Rektor in Bethau u. Naundorf b. Torgau;
    Gr-Ov Friedrich Adolf (1828–1906), aus Bethau, Musiklehrer, kommunist. Revolutionär, pol. Theoretiker, floh 1849 in d. Schweiz, seit 1852 in d. USA, 1867 Mitgründer d. Internat. Arbeiterassoziation, Sekr. d. I. Internationale, Briefpartner v. Karl Marx u. Friedrich Engels (s. Gesch. d. dt. Arbeiterbewegung, 1970; BJ XI, Tl.; DAB; ANB);
    1) 1921 Christiane gesch. Gerlach, 2) Moskau 1933 Jekaterina Alexandrowna Maximowa (1905–43), aus Petrosawodsk; kinderlos.

  • Leben

    S. wuchs seit 1898 in Berlin-Lichterfelde (Lankwitz) auf, besuchte die dortige Oberrealschule (Notabitur 1915), leistete an der West- und an der Ostfront Kriegsdienst und wurde schwer verwundet. Unter dem Eindruck des Krieges und dem Einfluß seines Kieler akademischen Lehrers Kurt Gerlach (1886–1922) trat er 1919 der KPD bei. Im Aug. 1919 nach Studien in Berlin und Kiel in Hamburg zum Doktor der Staatswissenschaften promoviert, folgte er seinem Lehrer Gerlach an die TH Aachen, wo er im März 1920 wegen kommunistischer Tätigkeit als Assistent entlassen wurde. 1922 wirkte er mit bei der Gründung der Gesellschaft (seit 1924 Institut) für Sozialforschung in Frankfurt/M. und lebte seit 1924 als Mitglied der KPdSU und des Geheimdienstes der Komintern meist in Moskau (1925 sowjet. Staatsbürger). 1930 wurde er als Agent des Vierten Büros der Roten Armee mit einem dt. Paß nach China abbeordert; seine Spionagetätigkeit tarnte er als Mitarbeiter seriöser dt. Zeitungen, u. a. der Frankfurter Zeitung. In Shanghai kam er in Kontakt mit dem linksgerichteten japan. Journalisten Hotsumi Ozaki (1901–44), seinem künftig wichtigsten Informanten. Anfang 1933 kehrte S. nach Moskau zurück und erhielt Japan als zukünftiges Tätigkeitsfeld zugewiesen. Im Mai 1933 reiste er nach Berlin, dann mit dt. Paß und Empfehlungen an die dt. Botschaft in Tokio über Nordamerika nach Japan. Trotz seiner aktenkundigen kommunistischen Tätigkeit fiel er weder damals noch später der Gestapo auf. Auf Anraten seiner sowjet. Auftraggeber trat er am 1.10.1934 in Tokio in die NSDAP ein. Als gut informierter Fachmann und Journalist genoß er das Vertrauen der dt. Botschaft und besonders des Militärattachés und (seit 1938) dt. Botschafters General Eugen Ott (1889–1977). In der dt. Botschaft, in der S. ein Arbeitszimmer hatte, bekam er Zugang zu geheimen Akten und gab deren Inhalt weiter, lieferte aber auch wichtige Informationen, die bis zum dt. Sicherheitsdienst (SD) gelangten, so daß S. später in den Ruf eines Doppelagenten kam. Gleichzeitig baute er seinen Spionagering aus (sein Funker war Max Clausen). Besonders seit Kriegsbeginn lieferte er über Funk und durch Kuriere wichtige Informationen an die Sowjets, u. a. das Datum des dt. Angriffs auf die Sowjetunion (das er am 20.5.1941 vom durchreisenden neuen dt. Militärattaché in Thailand, Friedrich Scholl erfuhr), das Stalin, der S. als Provokateur ansah, auch aus anderen Quellen bekannt war. Weitere wichtige Informationen, die er von Ozaki aus dem Kabinett Konoe erhielt, betrafen die amerik.-japan. Verhandlungen in Washington und besonders seit Mitte Juli 1941 die japan. Entscheidung, die Sowjetunion nicht anzugreifen, was Stalin den Abzug von Eliteeinheiten aus Fernost zur sowjet. Winteroffensive ermöglichte. Die Sprengung des Spionagerings durch die japan. Polizei führte am 18.10.1941 zur Verhaftung S.s. Da er nur Spionage für die Komintern, nicht aber für die Rote Armee zugab, entging er den brutalen Verhören der japan. Militärpolizei (Kempetai) und des Militärs und fiel in die Kompetenz des Justizministeriums. Am 29.9.1943 wurde er vom Strafgerichtshof des Distrikts Tokio zum Tode verurteilt. Die UdSSR tat nichts, um ihn vor der Hinrichtung zu bewahren, die am 7.11.1944, dem Jahrestag der Oktoberrevolution, durch den Strang erfolgte; auch Ozaki wurde hingerichtet. 1964 ehrte das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR S. als „Helden der Sowjetunion“.

  • Literatur

    Gendai shi Shiryo, Zorunge Jiken (Materialien über neuere Gesch., Der Fall S.), hg. v. T. Obi, 3 Bde., 1962;
    Ch. Johnson, An Instance of Treason, Ozaki Hotsumi and the S. Spy Ring, 1964;
    F. W. Deakin u. G. R. Storry, The Case of R. S., 1966 (P);
    P. Herde, Pearl Harbor, 7. Dez. 1941, 1980;
    G. W. Prange, Target Tokyo, The Story of the S. Spy Ring, 1984 (P);
    J. Mader, An geheimer Front, Ber. über R. S., 1987 (DDR-Propagandaschr., aber mit wichtigen Informationen v. a. aus sowjet. Quellen, W-Verz. S. 539–43, P);
    R. Whymant, Stalin's Spy, R. S. and the Tokyo Espionage Ring, 1997, dt. u. d. T.: R. S., Der Mann mit d. drei Gesichtern, 1999;
    Y. V. Georgiev, R. S., 2 Bde., 2002 (russ.);
    Spionage, Ideologie, Mythos, Der Fall R. S., hg. v. H. Timmermann, S. A. Kondraschow u. H. Shirai, 2005;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Peter Herde
  • Empfohlene Zitierweise

    Herde, Peter, "Sorge, Richard" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 600-601 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118615734.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA