Lebensdaten
1910 bis 1989
Geburtsort
Saarbrücken
Sterbeort
Kampen (Sylt)
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118610821 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schröder, Gerhard

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Zitierweise

Schröder, Gerhard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610821.html [23.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus ostfries. Fam.;
    V Jan (1882–1945), Oberreichsbahnrat, S d. Gerd (1857–1912), Kleinbauer, Viehhändler, u. d. Gebkea Bunjets (1858–1919);
    M Antina (1885–1972), T d. Abel Duit (1857–1939), Schmiedemeister, u. d. Maria Oltmanns (* 1858);
    vor 1939 Brigitte (1917–2000), gründete 1963 d. Frauen- u. Fam.dienst im AA u. 1969 d. Arbeitsgemeinschaft Ev. u. Ökumen. Krankenhaus- u. Altenheimhilfe (Vors.), T d. Kurt Landsberg (1878–1938), Bankier, Mitinh. d. J. Dreyfus & Co, Bank in Berlin, Aufsichtsratsvors. d. Sächs.-Thüring. Portland-Cement-Fabrik Prüssing Kt Co., Göschwitz/Saale u. Mitglied weiterer Aufsichtsräte, u. a. d. Schles. Boden-Credit-Aktien-Bank, d. Schles. Portland-Cement-Ind. AG, Oppeln (s. Wenzel), u. d. Dorothea Consbruch (1890–1959);
    1 S Jan (* 1943), Dr. iur., Prof. f. Rechtsgesch. 1982 in Bochum, 1989 in Tübingen (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2005), 2 T Cristina Manig (* 1941), Jur., Antina (* 1945, Michael Gaenssler, Dipl.-Ing., Prof. f. Baukonstruktion u. Entwerfen an d. FH München), Architektin, Prof. in Potsdam.

  • Leben

    S., der überwiegend in Trier aufwuchs, wo er das Abitur ablegte, studierte seit 1929 Jura, Philosophie und Geschichte in Königsberg, Edinburgh, Berlin und Bonn. 1932 und 1936 legte er die beiden jur. Staatsexamina ab, 1934 wurde er an der Univ. Bonn zum Dr. iur. promoviert. Seit 1933 war er am KWI für ausländisches und internat. Privatrecht in Berlin tätig, 1939 ließ er sich hier als Rechtsanwalt nieder. Noch im selben Jahr zum Kriegsdienst verpflichtet, mußte er sich wegen der jüd. Herkunft seiner Frau mit dem Rang eines Obergefreiten begnügen. Nach dem Krieg war S. persönlicher Referent des Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Düsseldorf, Hans Fuchs, dann Referent für Verfassungs- und Wahlrechtsfragen im Innenministerium von Nordrhein-Westfalen. Ende 1947 eröffnete er in Düsseldorf erneut eine Anwaltskanzlei und wirkte gleichzeitig als Abteilungsleiter bei der Stahltreuhändervereinigung.

    Seine politische Karriere begann 1949, als S. den Bundestagswahlkreis Düsseldorf-Mettmann für die CDU erobern konnte. Aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen bei der Neuordnung der Stahlindustrie konnte er sich im Bundestag besonders bei der Entstehung der Montanmitbestimmung profilieren, so daß er bereits 1952 zum stellv. Fraktionsvorsitzenden gewählt wurde. 1953-61 amtierte er als Bundesinnenminister. Seine Amtszeit war durch den kalten Krieg geprägt. 1954 hätte ihn die Affäre John, der Übertritt des Verfassungsschutzpräsidenten nach Ost-Berlin, beinahe sein Amt gekostet; nur weil S. für diese Personalentscheidung nicht verantwortlich war und bereits vorher ein Revirement angekündigt hatte, konnte er die Affäre überstehen. Seitdem rückten Sicherheitsfragen in den Vordergrund, etwa in der Frage des KPD-Verbots 1956, beim Erhalt des Bundesgrenzschutzes, besonders auch beim ersten Entwurf für die Notstandsgesetzgebung. Die dafür erforderliche Verfassungsänderung scheiterte an seiner Kompromißlosigkeit und an der Sperrminorität der SPD-Opposition.

    Als Bundesaußenminister (1961–66) pflegte S. ein kooperatives Verhältnis zur Opposition. Die großen außenpolitischen Kontroversen wurden hauptsächlich innerhalb der Union ausgetragen. Es ging dabei vornehmlich um die Frage, ob an der Priorität des Bündnisses mit den USA festgehalten und, damit eng verbunden, eine etwas flexiblere Haltung gegenüber Osteuropa eingenommen worden solle, was S. befürwortete, oder ob sich die Bundesrepublik stärker an Frankreich anlehnen solle, das unter de Gaulle Europa politisch von der amerik. Hegemonie emanzipieren wollte. Rivalitäten um die Nachfolge erst Adenauers, dann Erhards und konfessionelle Aspekte verschärften den „Atlantiker-Gaullisten-Streit“. In S.s Amtszeit gelang es zwar noch nicht, diplomatische Beziehungen zu den mittelosteurop. Staaten aufzunehmen, aber mit der Einrichtung von Handelsmissionen (in Polen, Rumänien, Ungarn 1963, Bulgarien 1964) wurde ein wichtiger Schritt in diese Richtung unternommen. 1966 unterlag S. in einer fraktionsinternen Abstimmung über die Nachfolge von Bundeskanzler Ludwig Erhard. In der Großen Koalition 1966-69 unter Kurt Georg Kiesinger übernahm er das Verteidigungsressort. 1969 hoffte S., durch seine Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten erneut die Weichen für eine Koalition zwischen Union und FDP stellen zu können, scheiterte aber an der Absicht der FDP, die Koalitionsfähigkeit mit der SPD zu beweisen, so daß schließlich im dritten Wahlgang Gustav Heinemann gewählt wurde. Als Vorsitzender des Außenpolitischen Ausschusses des Dt. Bundestags (1969–80) unternahm S. 1972 eine spektakuläre Reise nach China zu Chou En-lai, die bei der Anbahnung diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der Volksrepublik eine wichtige Rolle spielte. Als er 1973 bei der Abstimmung über den Fraktionsvorsitz seinem früheren Staatssekretär Karl Carstens unterlag, verzichtete er auf das Amt des stellv. Parteivorsitzenden und fand sich in die Rolle eines elder statesman. 1980 schied er aus dem Bundestag aus.

    Obwohl S., der von vornehm-zurückhaltender Art war und über die Fähigkeit zu klarer Analyse verfügte, die höchsten Staatsämter nicht erlangen konnte, war er einer der wichtigsten Repräsentanten des prot. Unionsteils; 1955-78 leitete er den Ev. Arbeitskreis der Union (danach Ehrenvors.).

  • Auszeichnungen

    Präs. d. Dt. Ges. f. Photogr. (1954–78); Gr.kreuz d. BVK (1958); Hermann-Ehlers-Preis (1981); Dr. h. c. (Maryland 1959).

  • Werke

    Wir brauchen e. heile Welt, Pol. in u. f. Dtld., hg. u. bearb. v. A. Rapp, 1963;
    Entscheidung f. Europa, 1964;
    Mission ohne Auftrag, Die Vorbereitung d. dipl. Beziehungen zw. Bonn u. Peking, 1988;
    Mithg.:
    FS f. Ludwig Erhard, 1972;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv f. Christl.-Dem. Pol., Sankt Augustin (I-483).

  • Literatur

    H. Kunst, H. Kohl u. P. Egen (Hg.), Dem Staat verpflichtet, Festgabe f. G. S., 1980 (P);
    K. Dreher, in: SZ v. 3.1.1990 (P);
    E. Wickert, in: Rhein. Merkurv. 5.1.1990 (P);
    F. Eibl, Pol. d. Bewegung. G. S. als Außenmin. 1961-1966, 2001;
    T. Oppelland, G. S. (1910-1989), Pol. zw. Staat, Partei u. Konfession, 2002;
    ders., in: Kanzler u. Min.;
    Munzinger;
    Lex. Christl. Demokratie;
    Trierer Biogr. Lex.;
    Nordrhein-Westfalen.

  • Portraits

    Ölgem. v. A. Aereboe, 1949 (Privatbes.).

  • Autor/in

    Torsten Oppelland
  • Empfohlene Zitierweise

    Oppelland, Torsten, "Schröder, Gerhard" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 562-563 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118610821.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA