Lebensdaten
1914 bis 2002
Geburtsort
Neuhausen/Rheinfall (Schweiz)
Sterbeort
Veitshöchheim
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11860404X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ruh, Kurt Adolf
  • Ruh, Kurt
  • Ruh, Kurt Adolf

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Zitierweise

Ruh, Kurt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860404X.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf (1885–1961), Lehrer u. Organist in N.;
    M Gertrud Klee, adoptierte Bremi (1887–1969);
    1944 Wilma Käser (* 1917);
    4 S, 1 T.

  • Leben

    Nach dem Besuch der humanistischen Abteilung der Kantonsschule Schaffhausen studierte R. 1933-39 in Zürich, Berlin und Rom Dt. und Ital. Philologie, Geschichte und Philosophie und wurde hier 1939 bei Rudolf Hotzenköcherle (1903–76) promoviert (Der Passionstraktat d. Heinrich v. St. Gallen, 1940). 1942-60 war er Deutschlehrer an der gymnasialen Abteilung der Ev. Mittelschule in Schiers (Kt. Graubünden), anfangs neben dem Schweizer Wehrdienst (1940–45), später neben Habilitationsvorbereitung und Privatdozentur. Die Habilitation erfolgte 1954 an der Univ. Basel (Bonaventura dt., Ein Btr. z. dt. Franziskaner-Mystik u. -Scholastik, 1956). 1958/59 vertrat er in München den Lehrstuhl Hugo Kuhns (1909–78). Seit 1960 war er Professor für Dt. Philologie an der Univ. Würzburg (1964/65 Dekan, em. 1980). Rufe nach Innsbruck, Kiel und Bern lehnte er ab.

    In Würzburg entfaltete R. eine fruchtbare Lehr- und Forschungstätigkeit, die in ungewöhnlichem Ausmaß auch Forschungen anderer anregte und bündelte. Er betreute 25 Dissertationen und 7 Habilitationen, war 1968-74 erster Vorsitzender der Wolframvon-Eschenbach-Gesellschaft nach deren Neukonstituierung, 1969-85 Herausgeber der „Zeitschrift für dt. Altertum“, 1973-82 Gründer und Leiter der Forschergruppe „Prosa des dt. Mittelalters“, 1973-92 Hauptherausgeber, 1993-2002 Mitherausgeber des „Verfasserlexikons“. Seit etwa 1985 konzentrierte er sich zunehmend auf seine große „Geschichte der abendländischen Mystik“ (4 Bde., 1990–99, ital. I 1995, II 2002).

    R.s weit ausgreifendes Œuvre hat seine Schwerpunkte in sensiblen, aher griffig formulierten Interpretationen und Gattungsskizzen zur höfischen Dichtung des Mittelalters und in der umfassenden Erschließung der Textzeugnisse mittelalterlicher Mystik und franziskanischer Spiritualität. Den strukturalistischen und hermeneutischen Ansätzen seiner Zeit verpflichtet, behielt R. die ideen-, frömmigkeits- und sozialgeschichtlichen Bedingungen der Texte immer im Blick. Im Feld der geistlichen Prosa war ihm die handschriftliche Überlieferung nicht nur Mittel zur Rekonstruktion eines Originals, sondern historisches Zeugnis eigenen Rechts. So etablierte er mit seinen Schülern und der Würzburger Forschergruppe die überlieferungsgeschichtliche Prosaforschung als bedeutenden Zweig des Fachs. Den darin implizierten erweiterten Literaturbegriff setzte R. – den theoretischen Forderungen Kuhns entsprechend – durch das „Verfasserlexikon“ in ganzer Breite durch. Trotz solchen Ausgreifens in Materialmengen blieb er allem „schlichtweg Beiläufigen“ abhold und den großen Texten, Gestalten und Bewegungen des dt. und europ. Mittelalters verpflichtet.|

  • Auszeichnungen

    o. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1979); Ehrenmitgl. d. Koninkl. Ac. voor Nederlands Taal en Letterkunde Gent (1984); Brüder-Grimm-Preis (1981); Dr. theol. h. c. (Uppsala 1986 u. Tübingen 1994); BVK (1986).

  • Werke

    Weitere W Franziskan. Schr.tum, 2 Bde. 1965/85 (Hg.);
    Höf. Epik d. dt. MA, I, 1967, 21977, II, 1980;
    Kl., Schrr., hg. v. V. Mertens, 2 Bde., 1984;
    Meister Eckhart, Theologe, Prediger, Mystiker, 1985, 21989, ital. 1989, frz. 1997;
    Die dt. Lit. d. MA., Vf.lex., 10 Bde., 1993-2002 (Hg. mit G. Keil, W. Schröder, B. Wachinger u. F. J. Worstbrock);
    Bibliogr.:
    K. R., Schrr.verz. 1940-1999, 1999;
    Zum Gedenken an K. R. (s. L).

  • Literatur

    Unterss. z. Lit. u. Sprache d. MA, K. R. z. 60. Geb.tag, hg. v. P. Kesting, 1975;
    Medium aevum dt., FS f. K. R. z. 65. Geb.tag, 1979 (P);
    Überlieferungsgeschichtl. Edd. u. Stud. z. dt. Lit. d. MA, K. R. z. 75. Geb.tag, hg. v. K. Kunze, 1989 (P);
    V. Mertens, Strukturen, Texte, Textgesch., Zum wiss. Werk v. K. R., in: E. C. Lutz (Hg.), Das MA u. d. Germanisten, 1998, S. 49-62;
    W. Haug, in: ZDA 132, 2003, S. 145-47 (P);
    B. Wachinger, in: Jb. d. Bayer. Ak. d. Wiss. 2003 (P);
    Zum Gedenken an K. R. (1914-2002), 2004 (Reden d. akad. Gedenkfeier, W, P);
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W);
    Internat. Germanistenlex. (W, L).

  • Autor/in

    Burghart Wachinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Wachinger, Burghart, "Ruh, Kurt" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 240-241 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11860404X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA