Lebensdaten
1915 bis 1997
Geburtsort
Trier
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Orientalist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118601911 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Roemer, Hans Robert

Quellen(nachweise)

Verknüpfungen

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Zitierweise

Roemer, Hans Robert, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601911.html [12.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Maximilian (1883–1942), 1920-33 Bgm. in Blankenheim (Eifel), S d. Robert (1849–93), Dir. d. Handwerkerschule in Steinfeld (Eifel), u. d. Maria Hammenstede (1858–1940);
    M Margaretha (1880–1959), T d. Johann Kaufmann (1849–1922), Winzer in Lösnich, u. d. Catharina Orthmann (1849–1935);
    Mainz 1951 Ursula (* 1923). Archivarin, T d. Hans Wirtz (1894–1957), Justizsekr. in Berlin, u. d. Anna Ode (1893–1979), Sekr.;
    5 T Irene Linssen (* 1944), Lehrerin in Southend (England), Manuela (* 1952), Krankenschwester in F., Cordula R.-Pergher (* 1953), Dr. med., Ärztin in F., Andrea (* 1959), Lehrerin in Stuttgart, Bettina (* 1961), Krankengymnastin in F.

  • Leben

    R. begann 1934 mit dem Studium der Jurisprudenz in Bonn und ging 1936 nach Berlin, wo er neben Jura auch oriental. Sprachen (Persisch, Arabisch, Türkisch) belegte. Der Iranist Walther Hinz (1906–92) gewann ihn für die Mitarbeit an der Übersetzung des 1. Buches der „Amoenitates exoticae“ von Engelbert Kaempfer (1651–1716) aus dem Lateinischen. Die kulturgeschichtliche Diskussion der Übersetzergruppe, an der einige später berühmte Iranisten wie Wilhelm Eilers, Wolfgang Lentz und Bertold Spuler teilnahmen, veranlaßte R. zum Studium der Orientalistik. Mit Hinz wechselte er 1937 nach Göttingen und wurde bei ihm mit der Arbeit „Der Niedergang Irans nach dem Tode Ismā'īls des Grausamen (1577–81)“ 1938 promoviert.

    Im 2. Weltkrieg wurde R. in die Türkei abkommandiert und 1944 zunächst im dt. Generalkonsulat in Istanbul und nach dem Rücktransport (bis Okt. 1946) in Neumünster interniert. 1949-56 war er Direktor der Akademie der Wissenschaft und Literatur in Mainz. An der Univ. Mainz habilitierte er sich 1950 mit der Studie „Staatsschreiben der Timuridenzeit, Das Šaraf-nāma des ἉAbdallāh Marwārīd in kritischer Auswertung“ (1954 apl. Prof.). Als erster übernahm er die orientalistische Referentenstelle am Dt. Archäologischen Institut (DAI) in Kairo 1956–60. Die Dt. Morgenländische Gesellschaft (DMG), für die er schon in Mainz als Geschäftsführer gewirkt hatte, beauftragte R. 1960, einen von der Bundesregierung finanzierten Forschungsstützpunkt für Orientalisten im Nahen Osten zu suchen. 1961 wurde er zum Gründungsdirektor des neuen Orient-|Instituts der DMG in Beirut (Libanon) gewählt, 1963 auf den neugegründeten Lehrstuhl für Islamkunde und Geschichte der islam. Völker nach Freiburg (Br.) berufen (em. 1983).

    R.s Forschungsschwerpunkte lagen in der bis dahin vernachlässigten Geschichte des spätmittelalterlichen, frühneuzeitlichen Iran (Timuriden, Turkmenen, Safawiden) und des ägypt.-syrischen Mamlukenstaats. Sein Hauptaugenmerk richtete er auf die Edition und Erschließung handschriftlicher narrativer, auch volkskundlicher Quellenwerke und die Sammlung und Auswertung von Urkunden als Basis der historischen Darstellung. Hierbei wirkte er anregend nicht nur auf seine zahlreichen Freiburger Schüler (z. B. Shiro Ando, Erika Glassen, Ulrich Haarmann, Birgitt Hoffmann, Tunca Kortantamer, Hans Müller, Hasan Özdemir, Klaus Schwarz, Martin Strohmeier, Udo Steinbach, Kerim Yavuz u. Abbas Zaryab), sondern auch international in den nah- und fernöstlichen Ländern. Viele wichtige kritische Editionen und Studien gehen auf seine Anregung zurück. R. setzte sich als einer der ersten Orientalisten für eine gegenwartsbezogene Orientforschung ein (Denkschr. d. DMG über dt. Orientalistik, 1972) und entwickelte wissenschaftspolitische Initiativen, um jungen Fachkollegen den lebendigen Kontakt mit den Sprachen und Ländern des Orients zu ermöglichen. Hierzu gehören die Einrichtung orientalistischer Referentenstellen 1956 am DAI (Kairo u. Istanbul) und v. a. die Gründung des Orient-Instituts der DMG, für das er als Erster Vorsitzender der DMG 1971-64 während des libanes. Bürgerkriegs verantwortlich war. Die noch von R. eingerichtete Istanbuler Ausweichstelle des Orient-Instituts (seit 1987) ist inzwischen als Filiale für Turkologen fest etabliert.|

  • Auszeichnungen

    Zedern-Orden (Beirut 1963); BVK (1980); o. Mitgl. d. DAI (Berlin 1976) u. d. Inst. d'Egypte (Kairo 1976); Ehrenmitgl. d. Soc. Iranologica Europea (Rom 1983), d. Soc. Asiatique (Paris 1985) u. d. DMG (1987); Vizepräs. d. Union Internat, des Etudes Orientales et Asiatiques (Paris 1991); Dr. h. c. (Bamberg 1992).

  • Werke

    Vollst. Bibliogr. bis 1979 in: Die islam. Welt zw. MA u. Neuzeit, FS f. H. R. Roemer z. 65. Geb.tag, hg. v. U. Haarmann u. P. Bachmann, 1979, S. 691-702 (P);
    danach: Forschungsberr. d. Univ. Freiburg, Phil. Fak. II, 1979-97;
    – The Cambridge History of Iran, VI, The Timurid and Safavid Periods, hg. v. P. Jackson u. L. Lockhart, 1986, S. 1-350, erw. dt. Fassung u. d. T: Persien auf d. Weg in d. Neuzeit, Iran. Gesch. v. 1350-1750, 1989;
    Philologiae Turcicae Fundamenta 3/1 (History of the Turkic peoples in the pre-islamic period), 2000 (postum, mit W.-E. Scharlipp);
    Übers. d. Timuridenchronik v. Niẓāmuddīn Šāmī (in Vorbereitung) (mit M. Gronke);
    u. a. zur eigenen Biogr.:
    Nachruf auf Walther Hinz (1906–1992), in: Zs. d. DMG 143, 1993, S. 241-47 (mit H. Koch);
    Ein Übermittlungsfehler u. d. Folgen, in: Das ksl. Palais in Istanbul u. d. dt.-türk. Beziehungen, hg. v. Gen.konsulat d. BRD, 1989, S. 55-65;
    Hg.:
    Zs. d. DMG. 1952-56;
    Abhh. z. Kunde d. Morgenlandes, 1952-56;
    Abhh. d. DAI Kairo: Qu. z. Gesch. d. islam. Ägyptens, 1960-97 (seit 1994 mit U. Haarmann), darin Bdla-i, Die Chronik d. Ibn ad-Dawādārī, 9 T., 1960-94;
    Bibliotheca Islamica, 1961-63;
    Beiruter Texte u. Studien, 1961-63;
    Freiburger Islamstudien, 1968-97 (seit 1993 mit W. Ende).

  • Literatur

    B. Hoffmann, in: Iranian Studies 30, S. 1997, S. 417-19;
    U. Haarmann, in: Welt d. Islams 38, 1998, 1-8 (P);
    E. Glassen, in: Zs. d. DMG 148, 1998, 1-6 (P).

  • Autor/in

    Erika Glassen
  • Empfohlene Zitierweise

    Glassen, Erika, "Roemer, Hans Robert" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 725-726 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601911.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA