Lebensdaten
1911 bis 1990
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Orientalist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118805215 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spuler, Bertold
  • Birtūld Išpūlar
  • Išpūlar, Birtūld
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Zitierweise

Spuler, Bertold, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805215.html [14.12.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Rudolf (1875–1956);
    M Natalena Lindner (1879–1966);
    Gerda Roehrig (1908–2002);
    2 S Christof, Dr. phil., Kunsthist., Dir. d. Internat. Ztg.mus. d. Stadt Aachen, Vf. v. kunst- u. architekturhist. Schrr. z. Bodenseegebiet, Thomas, 1 T Hanna.

  • Leben

    S. studierte seit 1930 Klassische Philologie, Geschichte, Slawistik und Islamkunde in Heidelberg, München, Hamburg und Breslau, u. a. bei Gotthelf Bergsträsser, Rudolf Strothmann und Carl Brockelmann. Mit einer Dissertation über die europ. Diplomatie in Konstantinopel bis zum Frieden von Belgrad (1739) wurde er 1935 in Breslau promoviert. Als Assistent des Iranisten Walther Hinz (1906–92) in Göttingen wandte er sich von 1937 an mehr und mehr der Geschichte islam. Völker und Staaten zu. 1938 habilitierte er sich daselbst mit dem Werk „Die Mongolen in Iran“ für Orientalistik und Islamkunde.

    Während des 2. Weltkriegs war S. Dolmetscher und Übersetzer bei der Wehrmacht bzw. im Auswärtigen Amt in Berlin. 1942 erhielt er einen Ruf auf den Lehrstuhl für Orientalistik an der Univ. München, konnte sein Amt aber kriegsbedingt nicht antreten. Bereits im Herbst 1945 begann er mit einer Lehrtätigkeit als Privatdozent an der Univ. Göttingen. 1948 wurde S. auf den Lehrstuhl für Islamkunde an der Univ. Hamburg berufen, den er bis zu seiner Emeritierung 1980 innehatte. Seit 1953 vertrat er neben der Islamkunde auch das Fach Semitistik. In den ersten Jahren seiner Tätigkeit in Hamburg war er entscheidend daran beteiligt, Professuren für Ägyptologie, Turkologie und Iranistik am dortigen Orientalischen Seminar einzurichten.

    Seit 1948 war S. neben Strothmann zunächst Mitherausgeber, und 1961–80 alleiniger Herausgeber der 1910 von Carl Heinrich Becker gegründeten Fachzeitschrift „Der Islam“. S. war Initiator und seit 1952 Herausgeber der monumentalen Serie „Handbuch der Orientalistik“. International galt S. über viele Jahre als einer der maßgeblichen, angesehensten und vielseitigsten westlichen Islamhistoriker. Gastprofessuren führten ihn u. a. nach Ankara, Istanbul, Bagdad und Los Angeles sowie an das Collège de France. Seine Publikationen zur Geschichte oriental. Völker und Staaten zeichneten sich durch die souveräne Nutzung einer beeindruckenden Fülle von Quellen und Darstellungen aus und wurden in europ. und andere Sprachen (z. B. ins Persische und Türkische) übersetzt. Bahnbrechend wirkten u. a. „Die Mongolen in Iran“ (1939, 41985), „Die Goldene Horde“ (1943) und „Iran in frühislamischer Zeit“ (1952).

    Als Ertrag seines intensiven Interesses an Geschichte und Gegenwart des osteurop. und oriental. Christentums veröffentlichte S. eine Folge von exakt 100 Berichten, die 1939–89 in der „Internationalen Kirchlichen Zeitschrift“ (Bern) erschienen, sowie die Monographie „Gegenwartslage der Ostkirchen in ihrer völkischen und staatlichen Umwelt“ (1948, 21968 u. d. T. Gegenwartslage d. Ostkirchen in ihrer nationalen u. staatlichen Umwelt). Zu S.s Schülern zählen u. a. die Turkologen Barbara Flemming und Klaus Röhrborn sowie der Kunsthistoriker Claus-Peter Haase.

  • Auszeichnungen

    Dr. theol. h. c. (Bern 1962); Dr. ès lettres h. c. (Bordeaux 1965); o. Mitgl. d. Ac. Nat. des Sciences, Belles-Lettres et Arts, Bordeaux (1969) u. d. Dt. Archäol. Inst., Berlin (1970).

  • Werke

    Weitere W Ges. Aufss., 1980;
    Rulers and Governments of the World, hg. v. C. G. Allen, Bd. 2 (1492–1929) u. 3 (1930–1975), 1977;
    W-Verz. zusammengest. v.
    I. Tütschmann u. A. Hartmann, in: FS B. S., Studien z. Gesch. u. Kultur d. Vorderen Orients, hg. v. H. R. Roemer u. A. Noth, 1980, S. 458–77 (P);

  • Literatur

    L Nachrufe: H. Busse, in: Der Islam 67, 1990, S. 199–205 (P);
    B. Flemming, in: UEAI Newsletter, 1990, no. 2, S. 2 f.;
    W. Ende, in: Orient 31, 1990, S. 171 f.;
    H. Göckenjan, in: Zs. d. Dt. Morgenländ. Ges. 142, 1992, S. 1 f.;
    – E. Ellinger, Dt. Orientalistik z. Zeit d. NS 1933–1945, 2006, bes. S. 531;
    A. Rohde, Zur Gesch. d. Abt. f. Gesch. u. Kultur d. Vorderen Orients (Islamwiss.), in: L. Paul (Hg.), Vom Kolonialinst. z. Asien-Afrika-Inst., 100 J. Asien- u. Afrikawissenschaften in Hamburg, 2008, bes. S. 140–43;
    Wi. 1989.

  • Autor/in

    Werner Ende
  • Empfohlene Zitierweise

    Ende, Werner, "Spuler, Bertold" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 769-770 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118805215.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA