Lebensdaten
1876 bis 1939
Geburtsort
Öhringen (Württemberg)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chemiker ; Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118601830 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Röhm, Otto
  • Röhm, Otto Karl Julius

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Zitierweise

Röhm, Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601830.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Gustav Adolf (1829–93), Ger.notar in Blaubeuren (Württ.), S d. Schulmeisters Martin;
    M Julie (1843–84), T d. Rentamtmanns Paul Kohler;
    B Hermann, Bez.amtmann in Duala (Kamerun), Geh. Rat, Gustav, Reg.rat, Alfred;
    Dresden 1909 Elisabeth (1880–1936), T d. Adalbert Soyka, kaufmänn. Leiter, u. d. Marie Pick;
    1 S Otto (* 1912), Untern., Ehrenvors. d. Aufsichtsrats d. Röhm GmbH, Ehrensenator d. TH Darmstadt (s. Klimesch), 1 T Maria Anna (1910–91, Ferdinand Gf. v. Thun-Hohenstein, 1898–1978, Ind.-kaufm.).

  • Leben

    R. absolvierte eine Apothekerlehre in Blaubeuren und studierte dann Pharmazie in München sowie Pharmazie und Chemie in Tübingen. Nach seiner Dissertation 1901 (Über Polymerisationsprodukte d. Akrylsäure) bei Hans v. Pechmann (1850–1904) trat er 1902 in die Fa. E. Merck in Darmstadt ein, wurde dann u. a. Assistent im chem. Labor der Stadt Stuttgart und legte dort 1904 die Hauptprüfung als Nahrungsmittelchemiker ab. Als Chemiker im Stuttgarter Gaswerk untersuchte er die Nutzung des anfallenden Gaswassers zur Ledergerbung. Schließlich entwickelte er aus dem Extrakt von Pankreasdrüsen ein wirksames Beizmittel für tierische Häute und gründete 1907 mit dem Bankkaufmann Otto Haas die Fa. „Röhm u. Haas“ in Esslingen. 1909 verlegte das rasch wachsende Unternehmen den Firmensitz nach Darmstadt. Haas ging nach Philadelphia und gründete eine Filiale, aus der 1917 die selbständige „Rohm u. Haas Company“ entstand. Beide Firmen pflegten in den 20er und 30er Jahren eine technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit. In Darmstadt erfolgte der Ausbau der Enzymproduktion für die Lederindustrie und für weitere Einsatzgebiete wie Waschmittel („Burnus“, 1914), Textilherstellung (1914), Kosmetika (1920), pharmazeut. Präparate zur Wundbehandlung und Verdauungsförderung (1920). Außerdem fanden die Enzyme Verwendung bei der Herstellung von Fruchtsäften (1934), zur Verarbeitung von Traubenmaische (1951) und zur Backwarenherstellung (1958).

    Anknüpfend an seine Dissertation, forschte R. seit 1911 auch auf dem Gebiet der Acrylchemie. Zunächst entstand dabei ein Kleber für Verbundglasscheiben. 1928 wurden die ersten Methacrylate im Labor synthetisiert, die 1933 zur Erfindung von gegossenem Plexiglas führten, einem klar durchsichtigen, biegsamen und bruchfesten Acrylglas. Auf der Pariser Weltausstellung 1937 erhielt Plexiglas den Grand Prix und die Goldmedaille. Für den neuen Kunststoff ergaben sich später zahlreiche Anwendungsgebiete, z. B. im Bau- und Verkehrswesen, im Sanitärsektor und in der Lichtwerbung. Die Weiterentwicklung der Polymerisate als Formmassen für die Kunststoffindustrie, als Rohstoffe für Zahnprothesen, als Dispersionen und Lackrohstoffe schuf eine breite Basis für die enorme Geschäftsausweitung, die jedoch erst nach dem 2. Weltkrieg unter R.s Sohn Otto zum Tragen kam, der das Unternehmen 1945 nach der völligen Kriegszerstörung übernahm. R. ist in über 70 Patenten als Erfinder oder Miterfinder genannt. Als er 1939 starb, beschäftigte sein Unternehmen 1800 Mitarbeiter, der Umsatz betrug 22 Mio. Reichsmark.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenbürger d. TH Darmstadt (1922); Präsidiumsmitgl. d. Dt.-Brit. Ges. (1935).

  • Werke

    u. a. Methylenglutarsäure, ein Polymerisationsprodukt d. Akrylsäure. in: Berr. d. Dt. Chem. Ges. 34, 1901, S. 427-29 (mit H. v. Pechmann);
    Über d. Darst. v. Acrylsäuremethylester, ebd., S. 573 f.;
    Aus d. Fabrikation d. Leuchtgases, in: Zs f. angew. Chemie 19, 1906, S. 1585-87;
    Zum Nachweis d. Trypsins im Hundekot, in: Central-Organ d. Internat. Ver. d. Leder-Ind.-Chemiker 1911, S. 265-71 (mit M. Goldmann);
    Ein neues Eisensalz, ebd. 1921, S. 282-84;
    Maßanalyse, 1904, 21912 (Neudr. 1922);
    Die Bewertung v. Waschmitteln, in: Der Seifenfabr. 38, 1918, S. 49-51;
    Das Wasser in d. Wasserwerkstatt, in: Der Gerber 51, 1925, S. 16-18;
    Anorgan. u. organ. Glas, in: Die Chem. Ind. 59, 1936, S. 152 f.;
    Organ. Glas, in: Plast. Massen in Wiss. u. Technik 6, 1936, S. 351, ferner in: Chem. Fabrik 9, 1936, S. 529 f.;
    Angew. Chemie 49, 1936, S. 591;
    Glashütte 66, 1936, S. 651 f.

  • Literatur

    W. Schlink (Hg.), Die TH Darmstadt 1836-1936, 1936, S. 242;
    Nachrr. aus Chemie u. Technik 4, 1956, S. 66;
    K. Edschmid, In memoriam O. R., Zum 50-jg. Bestehen d. Chem. Fabrik Röhm & Haas,|1957;
    E. Trommsdorff, O. R., Chemiker u. Untern., 1976, 21984;
    Rhdb.;
    Wenzel.

  • Autor/in

    Rainer Klitzsch
  • Empfohlene Zitierweise

    Klitzsch, Rainer, "Röhm, Otto" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 715-716 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601830.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA