Lebensdaten
1873 bis 1958
Geburtsort
Mainz
Sterbeort
Crompond (New York, USA)
Beruf/Funktion
Anarchist ; Schriftsteller
Konfession
konfessionslos
Normdaten
GND: 118601687 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Rocker, Johann Rudolf
  • Rocker, Rudolf
  • Rocker, Johann Rudolf
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Zitierweise

Rocker, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601687.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg Philipp (1845–77), Steindrucker;
    M Anna Margaretha Naumann (1848–87, 1884 Ludwig Baumgartner); Lebensgefährtin seit 1897 Milly Witkop (1878–1954), aus Zlatopol (Ukraine); 2 unehel. S, Rudolf (* 1893), Fermin (1907-2004), Graphiker, Maler.

  • Leben

    Nach dem Tod der Mutter kam R. in ein kath. Waisenhaus, aus dem er floh. Nach Tätigkeit als Schiffsjunge, Klempner- und Schneidergehilfe absolvierte er eine Buchbinderlehre. 1890 trat er in die SPD ein, wurde aber wegen „Beleidigung eines Reichstagsabgeordneten“ bald ausgeschlossen. 1891 nahm R. am Kongreß der Internationale in Brüssel teil und emigrierte ein Jahr später nach Paris, wo er Mitglied der „Unabhängigen Sozialisten“ wurde. Nach seiner Ausweisung aus Frankreich 1895 übersiedelte er nach London und übernahm schriftstellerische und journalistische Tätigkeiten für die jüd.-anarchistische Bewegung: 1898 gab er den jidd. „Arbeiterfreund“ und die Zeitschrift „Germinal“ heraus, 1907 vertrat er die „Föderation der jüd. Anarchisten“ beim Kongreß der Internationale in Amsterdam.

    1914-18 als feindlicher Ausländer in Großbritannien interniert, ließ sich R. nach dem 1. Weltkrieg in Berlin nieder, war 1919 Mitbegründer der „Freien Arbeiter-Union Deutschlands“ und übernahm eine führende Rolle in der anarcho-syndikalistischen Bewegung. 1920 erfolgte eine kurzzeitige „Schutzhaft“ wegen „fortgesetzter Streikhetze“. 1924 erschien seine weithin beachtete Biographie „Johann Most, Das Leben eines Rebellen“ (Neudr. 1973).

    Nach dem Reichtagsbrand flüchtete R. 1933 über London in die USA, wo er während des span. Bürgerkriegs zahllose Vorträge hielt und schriftstellerisch die span. Anarchisten unterstützte; 1935-37 erschien das Werk „Nationalism and Culture“ (zunächst span.), 1936/37 Arbeiten über Spanien (u. a. The tragedy of Spain, 1937, dt. 1976), dazu ein Buch über Theorie und Praxis des Anarchosyndikalismus. Während des 2. Weltkriegs schrieb R. für anarchistische Zeitschriften in Argentinien und Mexiko, wo er auch mehrere Bücher publizierte. In seinem Text „Eine Einschätzung der Lage in Deutschland“ erörterte er 1947 die Möglichkeit einer anarchistischen und syndikalistischen Bewegung im Nachkriegsdeutschland. Bis 1954 schrieb R. regelmäßig Artikel für die Monatszeitschrift „Freie Gesellschaft“ und Broschüren für den gleichnamigen Verlag; 1950 erschien in Mexiko seine Biographie des Anarchie-Historikers Max Nettlau (schwed. 1958, dt. 1978).

    R. war ein bedeutender Theoretiker der syndikalistischen Variante des Anarchismus. Bis auf die 20er Jahre wurden seine Arbeiten weit mehr im Ausland als in Deutschland rezipiert, was die relativ späten dt. Übersetzungen belegen.

  • Werke

    Weitere W Ziel u. Bedeutung kooperativer Organisationen, 1912 (jidd.);
    Keine Kriegswaffen mehr!, 1919;
    Soz.dem. u. Anarchismus, 1920;
    Der Bankerott d. russ. Staatskommunismus, 1921;
    Grundlagen d. rev. Syndikalismus, 1923;
    Die Rationalisierung d. Wirtsch. u. d. Arbeiterkl., 1927, Neudr. 1980;
    Die Bedeutung d. Klassenkampfes, 1929 (jidd.);
    Socialismo Constructivo, 1934;
    Las Raices de la Autoridad/Teologica Politica/Economia sin Capitalismo, 1935-37 (engl. u. d. T.: Nationalism and Culture, 1937;
    dt. u. d. T.: Die Entscheidung d. Abendlandes, 2 Bde., 1949);
    La Influencia de las Ideas Absolutistas en el Socialismo, 1945 (dt. u. d. T.: Absolutist. Gedankengänge im Sozialismus, 1950, Neudr. 1974), La Juventud de un Rebeide/En la borrasca/Revolución y regresión, 1947/49/52 (jidd. u. d. T.: In Sturm, 1952;
    gekürzte dt. Fassung u. d. T: Aus d. Memoiren e. dt. Anarchisten, 1974);
    Der Leidensweg v. Zenzl Mühsam, 1949;
    Aufsatzslg., 2 Bde., 1980 (P);
    zu Milly Witkop-R.:
    Was will d. Syndikalist. Frauenbund?, 21923.

  • Literatur

    E. Willeke, Die Ideenwelt d. dt. Syndikalismus, in: Jbb. f. Nat.ök. u. Statistik 1928;
    H. M. Bock, Syndikalismus u. Linkskommunismus 1918-1923, 1969;
    M. Vallance, in: Journal of Contemporary Hist., Juli 1973;
    W. J. Fishman, East End Jewish Radicals, 1975 (P);
    ders., in: History To-Day, Jan. 1976;
    P. Wienand, Der „geborene“ Rebell, R. R., Leben u. Werk, 1981 (Bibliogr., P);
    M. Graur, An anarchist „rabbi“, 1997;
    H. Rübner, in: Archiv f. d. Gesch. d. Widerstandes u. d. Arbeit, 1998, S. 205-26;
    E. Koen u. T. de Boer, Inventar d. Nachlasses v. R. R. (1873-1958), 1998;
    Dt. Exil-Lit., 1970;
    Enc. Jud. 1971;
    BHdE I;
    Kosch, Lit.-Lex.3. |

  • Quellen

    Qu Personenarchiv R. R. im Internationaal Instituut vor Sociale Geschiedenis IISG, Amsterdam; Inst. f. Zeitgesch., München.

  • Portraits

    Internationaal Instituut vor Sociale Geschiedenis IISG, Amsterdam.

  • Autor/in

    Hans Diefenbacher
  • Empfohlene Zitierweise

    Diefenbacher, Hans, "Rocker, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 686-687 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118601687.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA