Lebensdaten
1869 bis 1940
Geburtsort
Köslin (Pommern)
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schulreformer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118600362 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Richert, Hans
  • Richert, H.
  • Richert, Hans Ernst Eduard

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Zitierweise

Richert, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118600362.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich Wilhelm (1840–1923), Pfarrer u. Kreisschulinsp. in Alt-Belz (Kr. Köstrin);
    M Clara Maibauer ( 1869), aus Stojentin (Kr. Stolp);
    Bromberg 1900 Margarethe Klara Agnes (1874–1945 vermißt), T d. Emil Kaeding, Gymnasial-Vorschullehrer in Nakel/Netze u. d. Hulda Kiesow;
    1 S Hans (1907–43 ⚔).

  • Leben

    Nach der Reifeprüfung 1889 in Köslin studierte R. Theologie, Altphilologie und Philosophie in Heidelberg, Greifswald, Halle und Kiel, legte hier 1894 das Oberlehrer-Examen ab und erhielt die Lehrbefähigung für Religion, Hebräisch, Latein und Deutsch. Seit 1902 Oberlehrer in Bromberg (Posen), publizierte R. über Hegel, Schopenhauer, Kant und Nietzsche und veröffentlichte eine Einführung in die Philosophie. 1910 wurde er Schuldirektor in Pleschen, 1911 in Posen, 1919 in Reichenbach (Schlesien), 1922 Oberstudiendirektor der Staatlichen Bildungsanstalt Berlin-Lichterfelde. 1923-34 leitete er, von Otto Boelitz (DVP) zum Ministerialrat ernannt, die Abteilung für die höheren Schulen im preuß. Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung.

    In einem christlich-konservativen Elternhaus aufgewachsen, bewegte sich R. geistesgeschichtlich in der Tradition des Dt. Idealismus. In seinen Schriften behandelte er u. a. das Verhältnis zwischen Religion und Philosophie im schulischen Lehrplan. Das Leitmotiv seines Bildungsverständnisses, die Begründung einer christlichen Nationalerziehung, zeigt sich v. a. in dem von ihm herausgegebenen „Handbuch für den Religionsunterricht erwachsener Schüler“ (1911). Neben seiner schriftstellerischen und päd. Tätigkeit entwickelte R. ein breites kulturpolitisches Engagement (Mitgl. d. Ver. Dt. Studenten [Kyffhäuserverband], Dt. Ostmarkenver., Allg. dt. Sprachver., d. Dt. Ges. f. Kunst u. Wiss. zu Bromberg), dessen Ziel die Abwehr des poln. Einflusses auf die dt. Kultur bzw. das Deutschtum in den grenznahen Gebieten war. R. engagierte sich auch standespolitisch und kirchlich, so nach 1918 in Posen als Vorsitzender des Philologenvereins und des Vereins höherer Beamter sowie als Vertreter Posens auf den ev. Kirchentagen in Dresden (1919) und Königsberg (1927). 1917/18 war er Vorstandsmitglied der Dt. Vaterlandspartei und Mitglied des dt. Volksrats in Posen. 1919 trat er der DVP bei und wurde in die verfassunggebende preuß. Landesversammlung gewählt. 1933 trat er zur DNVP über.

    Im preuß. Kultusministerium führte R. die als „Richert'sche Reform“ bezeichnete Neuordnung des höheren Schulwesens durch und lieferte die bildungstheoretische Begründung des Schulsystems seiner Zeit. Leitend für das Gymnasium sollte die Antike sein, für das Realgymnasium die moderne westeurop. Kultur, für die Oberrealschule die Naturwissenschaften und für die Dt. Oberschule und Aufbauschule die Deutschkunde. Schließlich gelang es R., die von den Fachverbänden der Lehrer an den höheren Schulen schon seit 1900 geforderten Lehrplanrevisionen mit seinem bildungstheoretischen Konzept der höheren Schulen zu verbinden, das die Debatten über die Gleichstellung der höheren Schulformen abschloß.

  • Werke

    u. a. Philos., Eine Einf. in d. Wiss., ihr Wesen u. ihre Probleme, 1908;
    Die dt. Bildungseinheit u. d. höhere Schule, Ein Buch v. dt. Nat.erziehung, 1920;
    Die Ober- u. Aufbauschule, 1923. – Hg.: Richtlinien für d. Lehrpläne d. höheren Schulen Preußens, 2 T., 1925.

  • Literatur

    A. Grimme (Hg.), Wesen u. Wege d. Schulreform, 1930 (FS);
    Harald Richert, Stammfolge d. Fam. Richert aus Marwitz (Pommern), in: Dt. Fam.archiv IX, 1958, S. 267-86 (P);
    D. Margies, Das höhere Schulwesen zw. Reform u. Restauration, Zur Biogr. H. R.s als Btr. z. Bildungspol. in d. Weimarer Rep., 1972 (Bibliogr., P);
    Sebastian F. Müller, Die Höhere Schule Preußens in d. Weimarer Rep., Zum Einfluß v. Parteien, Verbänden u. Verw. auf d. Schul- u. Lehrplanreform 1919-1925, 1977;
    B. Schmoldt, Zur Theorie u. Praxis d. Gymnasialunterr. (1900–1930), Eine Stud. z. Verhältnis v. Bildungstheorie u. Unterr.praxis zw. Paulsen u. R., 1980, Ziegenfuß;
    Lex. d. Päd.

  • Autor/in

    Sebastian Müller-Rolli
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller-Rolli, Sebastian, "Richert, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 515-516 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118600362.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA