Lebensdaten
1912 bis 1979
Geburtsort
Hirschberg (Schlesien)
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Fliegerin
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118599593 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reitsch, Hanna

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Zitierweise

Reitsch, Hanna, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118599593.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Wilhelm (Willy), Dr. med., Leiter d. Augenklinik in H., Oberstabsarzt in d. Marine;
    M Emy Helff-Hibler v. Alpenheim (kath., später ev.), aus Tirol; ledig.

  • Leben

    Nach dem Abitur am Realgymnasium in Hirschberg absolvierte R. 1931 einen Segelflugkurs in Grunau, einem Zentrum der dt. Segelfliegerei. Ein Jahr später ging sie auf die Kolonialschule nach Rendsburg und nahm ein Medizinstudium in Berlin und Kiel auf. Nach der Motorfliegerprüfung in Berlin stellte sie mit einem fünfstündigen Non-Stop-Segelflug einen Weltrekord für Frauen auf. Dies war der erste ihrer zahlreichen Rekorde im Dauerfliegen, Höhenflug oder Zielflug im Segelflugzeug, Motorflugzeug oder später auch im Hubschrauber. Nach dem Abbruch ihres Studiums 1933 arbeitete R. als Fluglehrerin auf dem Hornberg bei Schwäbisch Gmünd. 1934 nahm sie als einzige Frau an einer Expedition nach Südamerika zur Erforschung der Aufwindverhältnisse teil. Weitere Expeditionen, u. a. nach Finnland, Spanien und in die USA, folgten.

    Seit 1934 war R. an der „Dt. Forschungsanstalt für Segelflug“ (DFS) in Darmstadt tätig. 1937 wurde sie für ihre Verdienste bei der Entwicklung einer Sturzflugbremse als eine von zwei Frauen weltweit zum Flugkapitän ernannt. Auch während ihrer Tätigkeit an der DFS erbrachte R. bedeutende sportliche Leistungen wie z. B. die erste Überquerung der Alpen im Segelflugzeug, einen Streckenweltrekord mit einem Hubschrauber (beides 1937) und den Sieg bei den dt. Segelweitflugmeisterschaften 1938. Ein Jahr später führte sie als Weltpremiere einen Hubschrauberflug in einer Halle, der Berliner Deutschlandhalle, durch.

    1937 wurde R. an die Flugerprobungsstelle der Luftwaffe in Rechlin (Mecklenburg) berufen, wo sie Militärflugzeuge testete und mit Ausnahme von Kampfeinsätzen weitere spektakuläre Aufgaben übernahm: So flog sie am 26.4.1945 Generaloberst Robert v. Greim (1892–1945) zu einer Besprechung mit Hitler in das eingeschlossene Berlin und drei Tage später zurück. Zudem arbeitete sie an der Entwicklung einer bemannten Gleitbombe mit, die allerdings nie zum Einsatz kam. In Anerkennung ihrer Verdienste erhielt R. 1942 als einzige dt. Frau überhaupt das Eiserne Kreuz 1. Klasse.

    R., die sich bereitwillig in den Dienst des NS-Regimes gestellt hatte, kam von Mai 1945 bis Nov. 1946 in amerik. Kriegsgefangenschaft. In den 50er Jahren kehrte sie zum Flugsport zurück: 1952 errang sie die Bronzemedaille bei den Segelflugweltmeisterschaften in Madrid, 1955 wurde sie Erste, 1957 Dritte bei der dt. Meisterschaft im Segelfliegen. 1959 unterstützte sie den Aufbau des Segelfliegens in Indien, 1961 beteiligte sie sich an Flugwettbewerben in den USA, 1962-66 leitete sie eine Segelflugschule in Ghana. Bis in die 70er Jahre nahm R. als eine der besten Pilotinnen der Welt an Flugwettbewerben teil.|

  • Auszeichnungen

    Goldenes Fliegerabzeichen mit Brillanten u. EK. II. Kl. (1941); Ehrenbürgerin v. Hirschberg (1941); Honorary Fellow Award of the Soc. of Experimental Test Pilots (1971); Pionierkette d. Windrose (1975); Vizepräs. d. Vereinigung dt. Pilotinnen (1968).

  • Werke

    Fliegen, mein Leben, 1951 (zahlr. Neuaufll. u. Neudrr., P);
    Ich flog in Afrika für Nkruraahs Ghana, 1968;
    Das Unzerstörbare in meinem Leben, 1975 (zahlr. Neuaufll. u. Neudrr., P);
    Höhen u. Tiefen, 1945 bis zur Gegenwart, 1978. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Archiv d. Dt. Mus., München.

  • Literatur

    R. Italiaander, Drei dt. Fliegerinnen, Elly Beinhorn, Thea Rasche, H. R., 21940 (P);
    V. Moolman, Frauen in d. Luft, 1982;
    A. Preuß, H. R., Ein dt. Fliegerleben, 1995;
    G. Pfister, Fliegende Frauen, in: Der Traum vom Fliegen, Ausst.kat., 1987, S. 46-54;
    dies., Fliegen – ihr Leben, Die ersten Pilotinnen, 1989 (P);
    R. Wistrich, Wer war wer im Dritten Reich, 1983 (P);
    O. Astfäller (Hg.), Dt. Nat.-Helden, 1994, S. 225-27 (P);
    H. Weiß, Biogr. Lex. z. Dritten Reich, 21998;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971-1998, 1999;
    E.-S. Wodarz, Bedeutende Frauen aus d. hist. dt. Ostgebieten, 2000;
    A. M. Sigmund, Die Frauen der Nazis II, 2000, S. 127-59 (P);
    Frankfurter Biogr.;
    Munzinger.

  • Autor/in

    Gertrud Pfister
  • Empfohlene Zitierweise

    Pfister, Gertrud, "Reitsch, Hanna" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 401-402 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118599593.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA