Lebensdaten
1898 bis 1988
Geburtsort
Winterthur
Sterbeort
Hergiswil (Kanton Nidwalden)
Beruf/Funktion
Segelflugzeugkonstrukteur ; Segelflugpionier
Konfession
-
Normdaten
GND: 1081516089 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Spalinger, Max Jakob Albert
  • Spalinger, Jakob
  • Spalinger, Max Jakob Albert

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Zitierweise

Spalinger, Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081516089.html [23.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit d. 14. Jh. in Rheinau (Kt. Zürich) u. seit d. 15. Jh. in Marthalen (Kt. Zürich ) bezeugter Fam., d. auch Untervögte d. Vogtei Marthalen stellte (s. HBLS);
    V Jakob (1862–1932, ref.), 1892–1928 Lehrer in W., Ornithol., seit 1912 Redaktor d. „Tierwelt“ (s. HBLS; Biogr. Lex. verstorbener Schweizer II, 1948), S d. Jakob (1824–71), Mühlenmacher in Marthalen, u. d. Susanna Schleuss (1823–1900);
    M Martha (1869–1946), T d. Hans Jakob Steiner (1837–1922), Postkondukteur, Kutscher u. Aufsichtsbeamter in W., u. d. Maria Brigitta Buchegger (1829–1900);
    Schw Martha (1902–95, ⚭ Werner Stocker);
    Aarberg (Kt. Bern) 1924 Emma Gruber (1901–89), aus Bätterkinden (Kt. Bern); kinderlos.

  • Leben

    S. besuchte drei Jahre das Gymnasium in Winterthur und ab 1913 das dortige Technikum (seit 2007 Teil d. Zürcher Hochschule f. angewandte Wiss., ZHAW). 1918 trat er in den Technischen Dienst der Zentralverwaltung des Schweizer. Bundesamtes für Militärflugplätze in Dübendorf ein. Anfänglich arbeitete er im elektrotechnischen Dienst und übernahm dann Spezialaufgaben in der Flugzeugmontage, der Motorenwerkstatt, im Prüfstand sowie in der Materialkontrolle. Später wurde er mit Berechnungs-, Zeichnungs- und Konstruktionsaufgaben betraut, entwarf ein Zweisitzer-Beobachtungsflugzeug, prüfte und begutachtete während des 2. Weltkriegs ausländische Flugzeuge und überwachte die Ersatzteilbeschaffung. Rund 20 Jahre leitete S. das Konstruktions- und Zeichnungsbüro, war engster Mitarbeiter des Chefs des Technischen Dienstes und wurde auch für Sonderaufgaben verwendet. Zum Jahresende 1959 wurde er als Dienstchef der Direktion der Militärflugplätze in Dübendorf in den Ruhestand versetzt.

    Bekannt wurde S. nicht durch seine berufliche Tätigkeit, sondern als Segelflugpionier und bekanntester Segelflugzeugkonstrukteur der Schweiz. S. baute schon im Alter von 12 Jahren sein erstes Gleitflugzeug und entwickelte 1911 einen Hängegleiter mit 8 m Spannweite. Während des Studiums baute er die „S1“ (Spalinger 1), deren Erstflug 1919 in Kämatten bei Dübendorf erfolgte. Bis 1945 konstruierte S. 27 Grundtypen von Segelflugzeugen in 37 verschiedenen Ausführungen, einsitzig und zweisitzig mit Spannweiten zwischen 7 m und 17,7 m und oft mit den an Vogelflügel erinnernden Knickflügeln. Insgesamt wurden etwa 150 Flugzeuge gebaut, einige davon auch in Brasilien, Peru und Südafrika. In der Schweiz entstanden bis 1948 mehr von S. entworfene Segelflugzeuge als von allen anderen schweizer. Konstrukteuren zusammen: Ein Viertel aller in der Schweiz bis dahin zugelassenen Segelflugzeuge stammte von S. Am erfolgreichsten war die „S18“, von der seit 1936 mindestens 58 Exemplare gebaut wurden und mit der u. a. auch Hanna Reitsch (1912–79) Segelflugrekorde erzielte.

    S. gilt auch als ein Pionier der Doppelsitzerschulung; 1928 schuf er mit Hermann Aecherli (1891–1966) und August Hug (1894–1983) die „S10 Zürivogel“, das erste schweizer. zweisitzige Segelflugzeug mit Doppelsteuer. Im Rahmen seiner Tätigkeit für den Schweizer Segelflug leitete er u. a. im Auftrag des Luftamtes den Flugbetrieb beim ersten Segelfluglager auf dem Jungfraujoch 1931. S. war maßgeblich an der Einführung des Flugzeugschlepps in der Schweiz beteiligt. Seine Flugzeuge errangen v. a. innerhalb der Schweiz vielfache Erfolge in Wettbewerben und Meisterschaften (1924–42) und bei Rekordflügen (1925–42). 1936 gründete er das Segelflug-Leistungszentrum Birrfeld im Aargau. 1951 zog er sich zugunsten administrativer Aufgaben vom aktiven Fliegen zurück, wirkte aber weiterhin als Berater in allen Segelflugbelangen. S. war auch selbst|als Segelflieger erfolgreich. 1933 gelang ihm der erste Dauerflug von drei Stunden in der Schweiz, 1937 wurde er Sieger in in allen Disziplinen bei der ersten Schweizer Segelflugmeisterschaft und 1939 absolvierte er erfolgreich einen Zielflug über eine Distanz von 120 km.

  • Auszeichnungen

    Diplôme Tissandier d. Fédération Aéronautique Internat. (FAI) (1969); Präs. d. Techn. Ausschusses f. d. Internat. Segelfliegerlager auf d. Jungfraujoch (1935).

  • Literatur

    P. Gubelmann, in: Schweizer Aero-Revue 1983, H. 5, S. 28 f., H. 6, S. 14 f. (P);
    H. Rütschi, Segelflug, Hdb. d. Schweizer Segelflieger, 1944 (P);
    E. Tilgenkamp, Schweizer Luftfahrt, III, 1943 (P);
    E. Wyler, Bordbuch d. Schweizer Luftfahrt 1783–2000, 2001;
    Schweizer Lex.

  • Autor/in

    Peter F. Selinger
  • Empfohlene Zitierweise

    Selinger, Peter F., "Spalinger, Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 617-618 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1081516089.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA