Lebensdaten
1888 bis 1969
Geburtsort
Wien
Sterbeort
New York
Beruf/Funktion
Psychoanalytiker
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118599216 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Reik, Theodor

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Zitierweise

Reik, Theodor, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118599216.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Max ( 1907), Bankinsp. in W.;
    M Karoline Trebitsch ( 1910);
    6 Geschw;
    1) Wien 1914 Ella Oratsch ( 1934, kath.), aus W., emigrierte 1934 (mit S) nach Palästina, 2) Niederlande 1934 Marija Cubelic ( 1960);
    1 S aus 1) Arthur (* 1915), emigrierte nach Palästina, Kaufm., 2 T aus 2).

  • Leben

    Nach eigener Aussage einem agnostischen jüd. Elterhaus entstammend, erhielt R. 1907 die Matura am Sophiengymnasium. Anschließend studierte er Psychologie, Germanistik und franz. Literatur an der Univ. Wien. 1910 begegnete er Sigmund Freud, dessen Vertrauter und Mitarbeiter er wurde; 1911 trat er der Wiener Psychoanalytischen Vereinigung (WPV) bei. Mit psychoanalytischen Studien über Goethe, Beer-Hoffmann und Schnitzler fand R. große Beachtung (Richard Beer-Hoffmann, 1912; Arthur Schnitzler als Psycholog, 1913). 1912 wurde R. mit der Arbeit „Flaubert und seine Versuchung des hl. Antonius“ (gedr. 1913) zum Dr. phil. promoviert. 1913 zog er nach Berlin, um eine Lehranalyse bei Karl Abraham zu absolvieren. Im 1. Weltkrieg diente er als Kavallerieoffizier (1915–18). 1918 wurde R. 2. Sekretär und Bibliothekar der WPV, nachdem er bereits 1915 mit „Die Pubertätsriten der Wilden“ den Preis der WPV für die beste wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der angewandten Psychoanalyse erhalten hatte. 1921/22 arbeitete er am Berliner Psychoanalytischen Institut, um ein Jahr später erneut nach Wien zurückzukehren. Eine aufsehenerregende Anklage wegen „Kurpfuscherei“ gegen den med. „Laien“ R. 1925 wurde 1927 abgewiesensen. Anläßlich der „Affäre Reik“ verfaßte Freud seine Schrift „Zur Frage der Laienanalyse“ (1926), die zu bleibenden Kontroversen in der psychoanalytischen Bewegung führte. R. ging 1928 als Dozent erneut nach Berlin, kehrte 1932 nach Wien zurück und emigrierte zwischen 1933 und 1934 nach Den Haag, wo er der Niederländ. Psychoanalytischen Vereinigung beitrat, als Kontrollanalytiker arbeitete und in Den Haag, Amsterdam und Leyden Vorlesungen hielt. 1938 emigrierte er in die USA, wo er als Nicht-Mediziner kein o. Mitglied der New York Psychoanalytic Society werden konnte. Als Außenseiter begann R. am William Alanson White Psychoanalytic Institute zu lehren und gründete eine Gesellschaft für psychoanalytische Psychologie, deren Präsident er bis zu seinem Lebensende war. 1948 rief er eine nationale psychoanalytische Vereinigung ins Leben, die ärztlichen wie nicht-ärztlichen Psychoanalytikern offen stand und der eine Klinik angeschlossen wurde, die seinen Namen trägt.

    R.s knapp 300 Publikationen belegen seine Bedeutung für die psychoanalytische Bewegung, v. a. für die Anwendung der Psychoanalyse auf Literaturwissenschaft und Kunst. Nicht weniger bedeutend sind seine Arbeiten zur Psychopathologie des Alltags, zur Kriminologie sowie zu Ethik, Religion, Ritualen und Religionspraxis des Judentums. R. gilt als Neo-Psychoanalytiker und Gegner der klassischen Libidotheorie. Einige seiner Monographien wurden weltbekannt, z. B. „Listening with the Third Ear, The Inner Experience of a Psychoanalyst“ (1948, dt. 1976), das auf „Der überraschte Psychologe“ (1935) basierte. Die Arbeit ist eine Pionierleistung für die Erforschung der Vorgänge im Inneren des Analytikers während der Analyse des Unbewußten einer anderen Person. R.s Lebenswerk trug wesentlich zur Verbreitung der Psychoanalyse in Nordamerika und im dt. Sprachraum nach 1945 bei.

  • Werke

    Weitere W Der eigene u. d. fremde Gott, 1923, Neudr. 1972;
    Geständniszwang u. Strafbedürfnis, 1925;
    Lust u. Leid im Witz, 1929;
    Warum verließ Goethe Friederike?, 1930;
    Der unbek. Mörder, 1932, Neudr. 1978;
    Der überraschte Psychologe, 1935;
    Aus Leiden Freuden, 1940, Neuausg. u. d. T. „Masochismus u. Ges.“, 1977;
    Fragment of a Great Confession, 1949;
    Geschl. u. Liebe, 1957;
    Mystery on the Mountain, The Drama of the Sinai Revelation, 1959;
    Pagan Rites in Judaism, 1964;
    The Search Within, The Inner Experiences of a Psychoanalyst, 1968;
    30 J. mit Sigmund Freud, 1976. – Hg: The Psychoanalytic Review.

  • Literatur

    A. Grinstein, The Index of Psychoanalytic Writings, 8 Bde., 1956 f.;
    J. N. Natterson, Th. R., Masochism in Modern Man, in: F. Alexander, S. Eisenstein u. M. Grotjahn (Hg), Psychoanalytic Pioneers, 1966, S. 249-64;
    M. H. Sherman, in: Psychoanalytic Review 57, 1970, S. 535-43;
    ders., Th. R. and Lay Analysis, ebd. 75, 1988, S. 380-92;
    M. Grotjahn, Remembering Th. R. and the Third Ear, ebd. 68, 1981, S. 477-79;
    U. Klippert, Th. R., Leben u. Werk, Diss. Mainz, 1974;
    J. M. Spalek, Guide to the Materials of the German-speaking Emigration to the United States after 1933, 1978;
    J. B. Berlin u. H. U. Lindken, Th. R.s unveröff. Briefe an Arthur Schnitzler, Lit. u. Kritik, 1983, S. 182-97;
    M. Tichy u. S. Zwettler-Otte, Freud in d. Presse, Rezeption Sigmund Freuds u. d. Psychoanalyse in Österr. 1895-1938, 1999, S. 119-22, 130-38, 175;
    B. Illner, Psychoanalyse od. d. Kunst d. Wiss., Freud, die erste Schülergeneration u. ihr Umgang mit Lit., 2000;
    Dt. Exil-Lit. 1933–44, 1970;
    Enc. Jud. 1971;
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    E. Mühlleitner, Biogr. Lex. d. Psychoanalyse, 1992, S. 260-63.

  • Portraits

    K. Brecht u. a. (Hg.), „Hier geht d. Leben auf e. sehr merkwürdige Weise weiter …“, Zur Gesch. d. Psychoanalyse in Dtld., 1985, S. 8.

  • Autor/in

    Thomas Müller
  • Empfohlene Zitierweise

    Müller, Thomas, "Reik, Theodor" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 331-332 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118599216.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA