Lebensdaten
1801 bis 1871
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Forstentomologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 11859852X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ratzeburg, Julius Theodor Christian

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Zitierweise

Ratzeburg, Julius Theodor Christian, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd11859852X.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (Razeburger) (1759–1808), aus Müllrose b. Frankfurt/Oder, Pharmazeut, Prof. an d. Tierarzneischule in B., Leiter d. botan. Gartens ebd., Vf. e. „Hdb. d. Zoopharmacol.“, 2 Bde., 1801, 21821 bearb. v. D. E. L. Schubarth (s. Jöcher-Adelung; Meusel, Gelehrter Teutschland; Pogg. II; Apotheker-Biogr.), S e. Zimmermeisters;
    M N. N.;
    1828 N. N., T d. Johann Albert Eytelwein (1765–1849), preuß. Oberlandesbaudir. (s. NDB IV);
    1 S Julius, Kpt. z. See.

  • Leben

    Die zoolog. und botan. Interessen des Vaters bestimmten R.s Bildungsweg. Nach dem Besuch der Schule in Königsberg, des Lyceums in Posen, des Gymnasiums zum Grauen Kloster in Berlin und einer nicht abgeschlossenen Lehre in einer Berliner Apotheke holte R. das Abitur nach und studierte seit 1821 an der Univ. Berlin Medizin. 1825 wurde er mit einem botan. Thema über Blütenformen (Animadversiones ad Pelosiarum indolem spectantes Berolini) promoviert und erhielt 1826 die Approbation, praktizierte jedoch nicht. 1828 habilitierte sich R. mit einer Arbeit über die „Anatomie des Bibers“ und erhielt 1829 eine interimistische Anstellung im „Atelier für naturhistorische Arbeiten“ der Univ. Berlin. Gleichzeitig war er Hauslehrer bei Wilhelm v. Humboldt. Auf Empfehlung Alexander v. Humboldts erhielt R. 1830 einen Ruf als Professor der Naturwissenschaften an die von Berlin nach Neustadt-Eberswalde verlegte Forstakademie, wo er hauptsächlich die Botanik und die Zoologie des Waldes erforschte. Durch seine Publikationen über „Die Forstinsekten“ (3 T., 1837–44), „Die Waldverderber und ihre Feinde“ (1841, 81895, franz. 1842), „Die Ichneumonen der Forstinsekten“ (3 Bde., 1844–52) und über „Die Waldverderbniß“ (2 Bde., 1866–68) wurde R. zum Begründer der Forstentomologie. Auf botanischem Gebiet veröffentlichte er mit Johann Friedrich Brandt und Philipp Phoebus eine „Abbildung und Beschreibung der in Deutschland wildwachsenden […] Giftgewächse“ (2 Bde., 1828, 21838), und ein Werk über „Die Standortsgewächse und Unkräuter Deutschlands und der Schweiz“ (1859). Seine bedeutende entomologische Sammlung, die er 1842 der Eberswalder Forstlehranstalt verkauft hatte, wurde im 2. Weltkrieg weitgehend zerstört; die verbliebenen Teile werden im Dt. Entomolog. Institut Eberswalde aufbewahrt. 1869 beendete R. seine Lehrtätigkeit und zog nach Berlin. In den letzten Lebensjahren widmete er sich der Bearbeitung eines „Forstwissenschaftlichen Schriftstellerlexikons“, das seine Autobiographie enthält und postum 1872 erschien.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Leopoldina (1832) u. 23 weiterer wiss. Ges.; Geh. Reg.rat (1863).

  • Werke

    Weitere W Med. Zool., 1829, 21833 (mit J. F. Brandt);
    Forstnaturwiss. Reisen, 1842;
    Die Naturwiss. als Gegenstand d. Unterr., 1849.

  • Literatur

    ADB 27;
    B. Danckelmann, in: Zs. f. Forst- u. Jagdwesen 4, 1872, S. 307-23;
    J. Th. Grunert, in: Forstl. Bll. 1 NF, 1872, S. 55-61;
    R. Hess, in: Lb. hervorragender Forstmänner, 1885, S. 280-83;
    J. u. M. Endtmann, in: Heimatkal. Kr. Eberswalde, 1989, S. 55-62;
    F. Schwerdtfeger, Monogr. z. angew. Entomol. 24, 1983;
    Pogg. II;
    BLÄ;
    Lex. Naturwiss.

  • Portraits

    Lith. v. P. Rohrbach, o. J.;
    Bronzeplastik v. H. Engelhardt, 1988 (FH Eberswalde).

  • Autor/in

    Ekkehard Schwartz
  • Empfohlene Zitierweise

    Schwartz, Ekkehard, "Ratzeburg, Julius Theodor Christian" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 185-186 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11859852X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Ratzeburg: Julius Theodor Christian R., Begründer der wissenschaftlichen Forstentomologie, wurde geboren am 16. Februar 1801 zu Berlin. Obgleich er schon im neunten Lebensjahre seinen Vater, welcher Professor der Botanik an der Thierarzneischule war, verlor, hatte er von diesem doch schonmanche Pflanze kennen gelernt, und war dadurch die Liebe zur Botanik in ihm geweckt. Dieselbe wurde noch mehr entwickelt durch den vortrefflichen Unterricht, welchen er auf dem Collegium Fridericianum zu Königsberg von J. G. Bujak erhielt. Familienverhältnisse zwangen ihn jedoch, die Anstalt vor der Reifeprüfung zu verlassen und in eine Apotheke als Lehrling einzutreten. Bald jedoch erkannte R., daß er auf diese Weise nur in einen Theil der Naturwissenschaften und auch in diesen nur in beschränktem Maße eingeführt wurde, und daher bezog er die Universität, um Medicin und Naturwissenschaften zu studiren. Nachdem er das Maturitätsexamen nachgeholt hatte, promovirte er 1825. Zum Thema seiner Dissertation hatte er gewählt: „Animadversiones ad Peloriarum indolem spectantes.“ 1828 habilitirte sich R. bei der Universität als Privatdocent und veröffentlichte im folgenden Jahre in Verbindung mit Brandt seine ausgezeichnete „Medicinische Zoologie“, welche eine Menge werthvoller Beobachtungen und Untersuchungen enthält und noch jetzt unerreicht dasteht. Als 1830 die Forstakademie von Berlin nach Neustadt-Eberswalde verlegt wurde, nahm er den Ruf als Professor der gesammten Naturwissenschaften an derselben an. In dieser Stellung veröffentlichte er seine bahnbrechenden Arbeiten über die Forstentomologie: „Die Forstinfekten oder Abbildungen und Beschreibungen der in den Wäldern Preußens und der Nachbarstaaten als schädlich oder nützlich bekannt gewordenen Insekten". 3 Theile 1839—1844, „Die Waldverderber und ihre Feinde" 1842, „Die Ichneumonen der Forstinsekten“ 1844 und „Die Waldverderbniß durch Insektenfraß“ 1866—68. Diese Werke bilden die Grundlage, auf welcher sich die wissenschaftliche Forstentomologie gegenwärtig weiterentwickelt. Von botanischen Werken sind zu erwähnen: „Abbildungen und Beschreibungen von Deutschlands Giftpflanzen“ 1838; in Verbindung mit Brandt setzte er die Arzneipflanzen von Hayne fort und veröffentlichte schließlich: „Die Standortgewächse und Unkräuter Deutschlands und der Schweiz“ 1859. Ebenso bedeutend wie als Forscher und Schriftsteller ist R. als Lehrer. Von weit und breit kamen die jungen Forstmänner nach Neustadt-|Eberswalde, um seine Vorträge zu hören. Im Jahre 1869 trat R. mit dem Titel Geheimer Regierungsrath nach 40jähriger Lehrthätigkeit in den Ruhestand und zog nach Berlin. In seinen letzten Lebensjahren beschäftigte er sich mit der Herausgabe eines forstwirthschaftlichen Schriftstellerlexikons, dessen Vollendung er jedoch nicht mehr erlebte. Dasselbe wurde 1874 von Dr. Paul Ascherson herausgegeben. In demselben findet sich auch seine Selbstbiographie. G. starb nach kurzem Krankenlager am 24. October 1871. Seine bedeutenden Sammlungen aus allen Reichen der Natur bilden den Kern der akademischen Sammlungen in Neustadt-Eberswalde.

  • Autor/in

    W. Heß.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heß, Wilhelm, "Ratzeburg, Julius Theodor Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 27 (1888), S. 371-372 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd11859852X.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA