Lebensdaten
1904 bis 1980
Geburtsort
Stuttgart
Sterbeort
Tübingen
Beruf/Funktion
Jurist
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118597957 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Raiser, Ludwig

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Zitierweise

Raiser, Ludwig, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118597957.html [16.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Rolfs (s. 1);
    1937 Renate Haack (1909–78) aus Schwerin;
    1 S Konrad (* 1938, Elisabeth, * 1940, Präs. d. Ökumen. Forums christl. Kirchen in Europa, T d. Carl Friedrich Frhr. v. Weizsäcker, * 1912, Physiker, Philos., 1957-69 Prof. d. Physik in Hamburg, 1970 Dir. d. MPI f. Lebensbedingungen d. wiss.-techn. Welt, Dr. theol. h. c., Dr. iur. h. c. [s. Kürschner, Gel.-Kal. 2001; Munzinger; W, L ]), Prof. f. ökumen. Theol. in Bochum, 1973-83 stellv., 1992 Gen.sekr. d. ökumen. Rats d. Kirchen (s. Munzinger; W), 2 T Christine Süchting (* 1941), Fürsorgerin, Almut Kirstein (* 1943), Gymnasiallehrerin;
    N Thomas (* 1935), Prof. f. Privatrecht, Wirtsch.recht u. Rechtssoziol. an d. Humboldt-Univ. Berlin (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2001).

  • Leben

    Nach dem Besuch des Eberhard Ludwigs-Gymnasiums in Stuttgart (Abitur 1922) und einer Lehre als Versicherungskaufmann 1922/23 studierte R. 1923-27 Rechtswissenschaft in München, Genf und Berlin. Bis 1933 war er Assistent an der Jur. Fakultät in Berlin bei Martin Wolff (1972–1953) und am Institut für ausländisches und internat. Privatrecht unter der Leitung von Ernst Rabel (1874–1955). Der Promotion 1931 folgte die Habilitation 1933, beides bei Martin Wolff, doch wurde R. anschließend die Ernennung zum Dozenten aus politischen Gründen verweigert. Es folgten eine Tätigkeit bei der Magdeburger Versicherungsgruppe mit Ernennung zum stellv. Vorstandsmitglied der „Magdeburger Rückversicherungsgesellschaft“ 1937-43, die Berufung an die Univ. Straßburg 1942, anschließend bis 1945 Kriegsdienst. 1945-52 war R. Professor für bürgerliches Recht, Wirtschafts- und Handelsrecht an der Univ. Göttingen, (Rektor 1948/49), 1955 an der Univ. Tübingen (Rektor 1968/69, 1973 em.).

    R.s Einfluß auf die Rechtswissenschaft geht auf seine Habilitationsschrift zum Recht der allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) (1935, Neudr. 1961) zurück, welche die bis heute maßgeblichen Grundlagen für die rechtliche Behandlung von AGB geschaffen hat, sowie auf seine Neubearbeitung des berühmten Lehrbuchs zum Sachenrecht von Martin Wolff (101957). Hinzu kommen zahlreiche Abhandlungen und Monographien zu Grundfragen des Zivil- und Wirtschaftsrechts, in denen R. einerseits das Bewußtein für die Bedeutung einer rechtsstaatlichen Ordnung nach 1945 wieder zu schärfen|suchte, andererseits aber auch wegweisend für die Fortentwicklung des Privatrechts wirkte. Daneben sah R. seine Aufgabe auch in der Übernahme öffentlicher Ämter im Zug des Wiederaufbaus der Bundesrepublik. Als Präsident der Dt. Forschungsgemeinschaft (1951–55) und Vorsitzender des Wissenschaftsrats (1961–65, Mitgl. seit 1957) wirkte er maßgeblich bei der Neuorganisation der Wissenschaft mit; er war Gründungsmitglied der Westdt. Rektorenkonferenz und Mitglied im Gründungsausschuß für die Univ. Konstanz 1967–71. 1961 war er federführender Mitverfasser des Tübinger „Memorandums der Acht“ zur außen- und sozialpolitischen Lage der Bundesrepublik, das eine „aktive Außenpolitik“ (Anerkennung d. Oder-Neiße-Grenze) und eine durchgreifende Reformpolitik im Innern forderte. 1965 war er beteiligt an der „Ost-Denkschrift“ der ev. Kirche in Deutschland mit dem Titel „Die Lage der Vertriebenen und das Verhältnis des dt. Volkes zu seinen östlichen Nachbarn“, welche die Neuorientierung der dt. Politik, namentlich gegenüber Polen, einleitete. In zahlreichen weiteren Ämtern und Schriften nahm R. zu aktuellen politischen Fragen Stellung. Seine Schüler waren u. a. Friedrich Kübler (* 1932) und Claus Ott (* 1937).|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Synode d. ev. Kirche in Dtld. (1949–73, Präses 1970–73); Präsidiumsmitgl. d. europ. Rektorenkonferenz (1969–79, Präs. 1974–79); Gr. BVK (1955), mit Stern (1964); Theodor-Heuss-Preis (1964); Dr. phil. h. c. (Freiburg 1965); D. theol. (Kiel 1965); Ehrensenator d. TH Darmstadt (1965); Verdienstmedaille Bad.-Württ. (1975); Frhr. vom Stein-Preis (1976).

  • Werke

    Weitere W Die Univ. im Staat, 1958;
    Vertragsfunktion u. Vertragsfreiheit, 1960;
    Dingl. Anwartschaften, 1961;
    Rechtsschutz u. Institutionenschutz im Privatrecht, 1963;
    Pol. Verantwortung d. Christen, 1964;
    Wiss. als Beruf, 1964;
    Das Bildungsziel d. heutigen Univ., 1965;
    Über d. rechten Gebrauch d. Freiheit, 1965;
    Grundgesetz u. Privatrechtsordnung, 1966;
    Die Zukunft d. Privatrechts, 1971;
    Mißbrauch im Wirtsch.recht, 1972;
    Univ. u. Kirche als Institutionen im Spannungsfeld v. Restauration, Rev. u. Ref., 1976;
    Vom rechten Gebrauch d. Freiheit, Aufss. zu Pol., Recht, Wiss.pol. u. Kirche, hg. v. Konrad Raiser, 1982 (W-Verz.);
    Die Aufgabe d. Privatrechts, Aufss. z. Privat- u. Wirtsch.recht aus drei J.zehnten, 1977 (W-Verz.).

  • Literatur

    Funktionswandel d. Privatrechtsinstitutionen, FS f. L. R. z. 70. Geb., hg. v. F. Baur, J. Esser, F. Kübier u. E. Steindorff, 1974 (W-Verz.);
    C. F. v. Weizsäcker, in: Vom rechten Gebrauch d. Freiheit, hg. v. Konrad Raiser, s. W, S. 9;
    K. Raiser, ebd., S. 19;
    L. R. z. Gedächtnis, Tübinger Univ.reden, 30, 1982;
    P. Feuchte, in: Baden-Württ. Biogrr. II, 1999 (Qu. W, L).

  • Autor/in

    Thomas Raiser
  • Empfohlene Zitierweise

    Raiser, Thomas, "Raiser, Ludwig" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 123-124 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118597957.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA