Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Kölner Patrizier
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 139096493 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Raitz von Frentz

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Zitierweise

Raitz von Frentz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139096493.html [19.07.2019].

CC0

  • Leben

    Als Stammvater der R. gilt Razo (belegt seit 1117), ein Ministeriale der Benediktinerabtei St. Pantaleon vor den Toren Kölns. Sein Sohn Hermann (erw. 1159), der als erster den Beinamen „(filius) Razonis“ führte, wohnte in der marktnahen Pfarrei St. Brigiden und gehörte zu den Amtleuten seines Kirchspiels. Hermanns Sohn Heinrich war Bürgermeister der Richerzeche und ist seit 1172 als Schöffe des Kölner Hochgerichts bezeugt. Diese Ämter weisen ihn als Mitglied des städt. Meliorats aus. Da es Heinrich nicht gelang, weitere Familienmitglieder in das Schöffenkolleg zu befördern, schieden die R. zunächst aus der politischen Führungsgruppe Kölns aus, doch konnten sie das Konnubium mit patrizischen Geschlechtern behaupten.

    Im dt. Thronstreit standen die R. seit 1198 mit der Mehrheit der Kölner Bürger auf Seiten Ottos IV. Im 13. Jh. wurden sie wie andere Patriziergeschlechter in die Ministerialität des vornehmsten Kölner Damenstifts, St. Maria im Kapitol, aufgenommen. Sie übernahmen auch das in diesem Kreis verbreitete Wappen (zwei mit Rauten belegte Balken). In den innerstädt. Auseinandersetzungen zwischen den v. der Mühlengasse (Weise) und den Overstolzen schlossen sich die R. 1268 letzteren an. Deren Sieg verschaffte den R. wieder Zugang zum Stadtregiment. Dietrich Raze, verheiratet mit einer v. Galen, wurde Schöffe (vor 1272) und Bürgermeister. Seine Söhne Johann, Dietrich und Rutger nahmen seit 1281 nach dem Vorbild anderer Patrizier ritterliche Lebensweise an. Diese Neuorientierung fand Ausdruck in einem Wappenwechsel: An die Stelle des Balkenwappens trat ein Kreuz (Gold in Schwarz), wohl ein Hinweis auf die Aufnahme in die erzbfl. Ministerialität, welche Johann gewährt wurde. Johann und Rutger waren noch Schöffen und gehörten dem aufstrebenden Kölner Stadtrat an. Ihre Schwestern wurden mit Landadligen wie Arnold v. Elberfeld und Werner v. der Landskron verheiratet.

    Rutgers gleichnamiger Sohn vollzog den Übergang in den ritterl. Landadel. Seine Mutter hatte in 2. Ehe Gf. Ruprecht v. Virneburg geheiratet. Dieser verkaufte Rutger 1347 die Burg Frens bei Horrem, ein Jülicher Lehen, nach der sich das Geschlecht fortan R. v. F. nannte. Rutger führte das Leben eines Soldritters und fiel auf franz. Seite in der Schlacht von Ardre 1369. Infolge ihres Auszugs aus der Stadt wurden die R. nicht zu den 15 Geschlechtern gezählt, die den Kern des Kölner|Patriziats bildeten. Die Koelhoffsche Chronik (1499) führt sie aber in einer zweiten Gruppe von 15 anderen ebenbürtigen Geschlechtern auf.

    Rutgers Nachkommen knüpften verwandtschaftliche Beziehungen vorwiegend zu Familien der Jülich, und köln. Ritterschaft. Erbteilungen führten zur Aufgliederung des Geschlechts in mehrere Linien. Die Stammlinie starb mit dem Wormser Domherrn Franz Anton Arnold (1703–32) aus. Das Haus Frens kam über dessen Schwester Maria Anna Ludovica an die Beissel v. Gymnich. Die älteste Nebenlinie nannte sich nach dem Gut Schlenderhan bei Quadrath-Ichendorf (Belehnung 1512). Aus ihr gingen die Linien Martfeld, Kellenberg (aus dem Erbe Jans v. Werth) und Garath hervor. Die R. erlangten hohe Stellungen in Diensten der Herzöge von Jülich und der Kurfürsten von Köln. So war Adolf Sigismund ( um 1594) aus der Stammlinie Amtmann von Hülchrath, Jülich. Landhofmeister und seit 1620 köln. Erbkämmerer. Ks. Ferdinand III. erhob ihn 1635 zum Reichsfreiherrn. Sein Sohn Ferdinand, Geh. Rat des Kölner Erzbischofs, erwarb zu seinen ererbten Ämtern 1647 das des köln. Oberstallmeisters hinzu.

    Aus der Linie Schlenderhan stammte der pfalz-neuburg. Geh. Rat und jülich-berg. Kanzler (seit 1613) Johann ( 1640), der Domkanonikate in Lüttich, Münster und Speyer innehatte. Weitere Familienmitglieder geistl. Standes erwarben Kanonikate am Aachener Marienstift und in den Domstiften von Trier und Hildesheim. Die R. stellten auch vier Äbtissinen des Zisterzienserinnenklosters Burtscheid (Maria 1614–16, Anna 1616–39, Henriette 1639–74, Johanna 1675/76) sowie Stiftsdamen von Vilich und St. Maria im Kapitol in Köln. Johanns Bruder Winand war Amtmann zu Bergheim. Dessen Enkel Winand Hieronymus und Arnold, Domherr zu Lüttich und Speyer, wurden 1650 in den Reichsfreiherrnstand erhoben. Winand Hieronymus war mit einer Tochter des Generals Jan v. Werth verheiratet, die ihm u. a. Kellenberg und das Weingut Hattenheim (Rheingau) zubrachte. 1652 belehnte ihn Kf. Maximilian Heinrich mit der Herrschaft Odenkirchen, mit der das köln. Erbburggrafenamt verbunden war.

    Der Freiherrenstand der R. wurde von Preußen 1826 anerkannt. Im 19. Jh. zählten sie als Inhaber hoher Offiziers- und Beamtenstellungen zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern der Rheinprovinz. Adolf Karl R. v. F.-Schlenderhan (1797–1867) war 1839-65 Landrat des Kreises Bergheim. Sein Sohn Karl (1835–1920) trat in den österr. Militärdienst ein und genoß das Vertrauen Ks. Franz Josephs. Der jüngere Bruder Adolf Karls Emmerich (1803–74), Begründer der Linie Garath, war 1839-63 Landrat von Düsseldorf und Schloßhauptmann von Benrath, sein Sohn Jakob (1826–84, s. Biogr. Hdb. Preuß. Abg.haus) seit 1859 Landrat des Kreises Koblenz, 1872-74 Landtagsmarschall und Schloßhauptmann von Stolzenfels. Die Linien Schlenderhan und Garath blühen noch heute.

  • Literatur

    Gotha. Genealog. Tb., Freiherrl. Häuser 1848, 1854, 1902, 1904, 1906, u. 1932-1942;
    GHdA, Freiherrl. Häuser A II, 1956, VIII, 1971, XII, 1980, XVI, 1992;
    Adelslex. XI, GHdA 122, 2000;
    F. Lau, Das Kölner Patriziat bis z. J. 1325, III, in: Mitt. aus d. StadtA v. Köln 26, 1895, S. 137 f.;
    E. v. Oidtman, Ältere Stammreihe u. ältere Siegel d. Geschl. R. v. F., 1921;
    H. M. Schleicher (Hg.), Ernst v. Oidtman u. seine geneal.-herald. Slg. in d. Univ.bibl. Köln 12, 1997, S. 393-490;
    W. Herborn, Die pol. Führungsschicht d. Stadt Köln im SpätMA, 1977, S. 255-69;
    M. Groten, Köln im 13. Jh., 21998.

  • Autor/in

    Manfred Groten
  • Empfohlene Zitierweise

    Groten, Manfred, "Raitz von Frentz" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 124-125 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139096493.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA