Lebensdaten
1891 bis 1970
Geburtsort
Riga
Sterbeort
Gladbeck (Westfalen)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Übersetzer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118597620 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Radecki, Sigismund von

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Zitierweise

Radecki, Sigismund von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118597620.html [19.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ottokar, RA, seit 1896 in St. Petersburg;
    M Alma v. Tideböhl;
    Schw Eva (1884–1920), Schriftst. (s. Dt.balt. biogr. Lex., Nachtr.); Verwandte Georg Radetzky (1648 ? -1726), emigrierte aus konfessionellen Gründen v. Polen n. Kurland, Christian Radetzky (1733–66), beide Buchdrucker in Mitau (beide s. Dt.balt. biogr. Lex.), Josef Wenzel Gf. Radetzky (s. 1).

  • Leben

    Nach dem Besuch der Mittelschule studierte R. an der Univ. Dorpat und der Bergakademie in Freiberg (1913 Dipl.-Ing.). In den Folgejahren unternahm er Reisen nach Skandinavien, Frankreich und Italien und arbeitete als Bewässerungsingenieur in Ferghana (Turkestan). Im 1. Weltkrieg bewarb sich R. als Freiwilliger zunächst auf russ., 1918 auf dt. Seite, ohne rekrutiert zu werden. 1919 kämpfte er bei einer balt. Landwehr gegen russ. Revolutionäre. Es folgte eine Beschäftigung als Elektroingenieur bei den Siemens-Schuckert-Werken in Berlin. Seit 1924 bestritt R. seinen Lebensunterhalt als Porträtzeichner und Schauspieler in Berlin und Wien, wo ihn eine enge Freundschaft mit Karl Kraus (1874–1936) verband. Nach einem kurzen Aufenthalt in Paris kehrte er 1926 nach Berlin zurück und arbeitete als Schriftsteller und Journalist. Zu Beginn des 2. Weltkriegs Forstaufseher auf der Insel Usedom, übersiedelte er 1943 nach München, wo er Bekanntschaft mit Theodor Haecker (1879–1945) machte. Nach dem Krieg folgte er einer Einladung seines Verlegers Peter Schifferli nach Zürich, wo er bis kurz vor seinem Tod blieb.

    Seine erste Buchveröffentlichung, „Der eiserne Schraubendampfer Hurricane“ (1929), eine Sammlung von Skizzen und kleinen Geschichten, zeigt die essayistische, an Karl Kraus geschulte und für R.s Schaffen kennzeichnende Kurzprosa. Sprachliche Treffsicherheit und humorvolle Glossen zum Alltagsgeschehen sind auch die Merkmale des folgenden Textbands „Nebenbei bemerkt“ (1936), der R.s Ruf als Feuilletonist mit philosophischer Tiefe untermauerte. Die Konversion zum Katholizismus wirkte sich am deutlichsten in seinen Essaybänden „Das Schwarze sind die Buchstaben“ (1957), „Gesichtspunkte“ (1964) und „Im Gegenteil“ (1966) aus, die kulturkritische Betrachtungen mit an Haecker, Kierkegaard und Thomas v. Aquin orientierten lebensweisheitlichen Einflechtungen beinhalten. R.s Werk ist der Versuch, mittels der „kleinen Form“ (Miehlnickel) das ephemere Interesse des Publizisten durch das zeitlose des Dichters zu ersetzen. Hierdurch festigte er das Feuilleton als Kunstform. Bereits zu Lebzeiten als Literat anerkannt, machte R. sich auch einen Namen durch seine Übersetzungen (v. a. russ. Dichter wie Puschkin, Tschechow und Gogol), die häufig einfühlsame Nachdichtungen darstellen.|

  • Auszeichnungen

    Ehrengabe d. Stadt Zürich (1953); Lit.- preis d. Bayer. Ak. d. schönen Künste (1957); Willibald-Pirkheimer-Medaille u. Ostdt. Lit.- preis (beides 1960); Immermann-Preis d. Stadt Düsseldorf (1962); Andreas-Gryphius-Preis d. Künstlergilde Esslingen.

  • Werke

    Die Rosen u. d. Ziegelstein, 1937 (u. d. T. „ABC d. Lachens“, 1953);
    Die Welt in d. Tasche, 1938;
    Alles Mögliche, 1939;
    Rückblick auf meine Zukunft, 1942;
    Das müssen sie lesen, 1949;
    Über d. Freiheit, 1950;
    Was ich sagen wollte, 1952;
    Der Mensch u. d. Mode, 1958;
    Ein Zimmer mit Aussicht, 1961;
    Bekenntnisse e. Tintenseele, hg. v. R. Weilandt-Matthäus, 1980;
    Die Reise ins Herz, hg. v. ders., 1983. – Überss.: A. Puschkin, Dramat. Scenen, Ägypt. Nächte, 1923;
    ders., Sämtl. Erzz., 1947;
    W. Cather, Der Tod kommt z. Erzbischof, 1940;
    N. Gogol, Dramat. Werke, 1943;
    ders., Novellen, 1956;
    H. Belloc, Die Kreuzfahrt der Nona, 1953;
    A. Tschechow, Der Roman mit d. Kontrabaß u. a. Erzz., 1953;
    ders., Drei Schwestern, 1960;
    ders., Seelchen u. a. Erzz., 1963;
    ders., Dramat. Werke, 1968. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Dt. Lit.archiv Marbach; Ak. d. Künste, Berlin; Dt. Bibl. Frankfurt/M.; Staatsbibl. München; Staats- u. Landesbibl. Dortmund.

  • Literatur

    B. v. Brentano, Die Welt in d. Tasche, in: Neue Schweizer Rdsch. 8, 1940, S. 322-24;
    K. Ude, Meister d. kl. Form, in: Welt u. Wort 16, 1961, S. 364;
    H. Ahl, Lit. Portraits, 1962, S. 180-87, 193 (P);
    M. Miehlnickel, Feuilletonist. Sprache u. Haltung b. Friedrich Sieburg u. S. v. R., Diss. Berlin 1962;
    M. Anders, in: Balten in Bayern u. Bayern im Baltikum, 1988;
    Westfäl. Autorenlex., III, 1997 (Bibliogr., P);
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Dt.balt. biogr. Lex., Nachtr.;
    Munzinger;
    Killy;
    Kunisch;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Slawistik in Dtld. v. d. Anfängen bis 1945, hg. v. E. Eichler u. a., 1993.

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Radecki, Sigismund von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 88-89 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118597620.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA