Lebensdaten
1883 bis 1969
Geburtsort
Dortmund
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
jüdisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118593900 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Vidal, Walter Wolfgang (Pseudonym)
  • Philipp, Hugo Wolfgang
  • Vidal, Walter Wolfgang (Pseudonym)
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen im NDB Artikel

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Philipp, Hugo Wolfgang, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118593900.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Lion, aus Berlin, Möbelfabr. in D.;
    M Sophie Kahn ( v. 1900), aus Lütgendortmund (Westfalen); ß Isaac (1875–1962, seit 1918 Julius Philipp-Heergesell), Schriftst.;
    1916 Elisabeth Liebrich, Sängerin; kinderlos.

  • Leben

    P., der das Gymnasium in Dortmund absolvierte, verfaßte bereits als Schüler Theaterstücke und Rezensionen für die lokale Presse. Nach dem Abitur ging er nach Berlin und begann eine Lehrzeit bei der Firma Gerson, hörte Universitätsvorlesungen, rezensierte für Zeitungen, nahm im Sternschen Konservatorium Gesangsunterricht und bildete sich als Geiger aus. Auf Provinzbühnen versuchte er sich als Schauspieler, arbeitete als Hilfsregisseur und sicherte sich so den Lebensunterhalt. 1914 meldete er sich freiwillig zum Militärdienst.

    P. debütierte als Schriftsteller 1902 mit dem Lyrikband „Ver sacrum“ und veröffentlichte ohne Erfolg Erzählungen und Theaterstücke. Erst 1921 begann er sich mit dem Bühnenerfolg seines Theaterstücks „Der Clown Gottes, eine groteske Tragödie“ (mit Gustaf Gründgens in d. Hauprolle) öffentlich durchzusetzen; mit diesem Werk glaubte er eine völlig neue Form gefunden zu haben. Es bildete das dramatische Gegenstück zu „Welt im Blickpunkt, Versuch einer Kosmosophie“ (1921), wofür P. den Hamburger Hebbelpreis erhielt. Beide Werke entstanden auf der Grundlage der existentiellen Unsicherheit der Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Zahlreiche Aufführungen erlebten auch die Stücke „Das glühende Einmaleins“ (1923), das P. selbst zum „wertvollen deutschen Lustspiel“ erklärte, und das Trauerspiel „Die Bacchantinnen“ (1924), das Tilla Durieux in Berlin als Hauptdarstellerin zum Erfolg führte. P. hatte sich nun als Bühnenautor durchgesetzt. Seine Prosagrotesken „Bocksprünge“ (1923), die er mit dem unvollendeten Roman „Der Sonnenmotor“ (1922) vorbereitete, haben sich als literarisch dauerhafter erwiesen. Seine in der Tendenz restaurative „Theorie“ tritt hier zurück zugunsten von Phantasieerfindungen, die wie Realitäten dargeboten und bis zur Absurdität ausgeformt werden. P. blieb dem Theater verbunden, arbeitete als Regisseur, zuletzt neben Hermine Körner als Mitdirektor des Albert-Theaters in Dresden. 1933 emigrierte er zunächst nach Jugoslawien, dann nach Italien. 1938 konnte er in der Schweiz eine Druckerlehre beginnen und danach in einer Druckerei arbeiten; zugleich entstand sein großer achtbändig geplanter Berlinroman „Auf den Hintertreppen des Lebens“ (I, 1946), von dem nur der zweite Band noch unter dem Titel „Apoll Lehmann“ (1960) erscheinen konnte. Zuletzt lebte P. als Gesangspädagoge in Zürich. Der Wunsch, sein Lebenswerk durch eine Stiftung vor dem Vergessen zu sichern, wurde durch die Philipp-Literatur-Stiftung in Zürich erfüllt, die bis zum 100. Geburtstag P.s 1983 aus dem in der Zentralbibliothek Zürich bewahrten umfangreichen Nachlaß noch einige Werke veröffentlichen und das Gesamtwerk wieder zur Rezeption anbieten konnte.

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Herr in Grün, Erzz., 1919;
    Schlacht am Birkenbaum, Ein Sang v. d. Zeitenwende, 1931;
    Melodie d. Fremde, Lieder aus d. Exil, 1945;
    Melodie d. Heimkehr, Heimweh-Lieder, 1947;
    Grammatik d. Schauspielkunst. Eine Funktionslehre d. Sprache, 1. u. 2. Bd. 1948 u. 1951;
    1.-4. Bd. 1964;
    Cherub d. Unheils. Tragödie, 1948 (2. Aufl. durch e. „Vorspiel auf dem Theater“ verm., o. J.);
    Die Urform d. Zauberflöte, Versuch e. Neugestaltung, 1949;
    Gagarin od. Tristan u. d. Spion d. Jenseits, Simultan-Komödie, 1963;
    Der Golem od. Napoleon u. Bonaparte, Dramat. Paraphrase um d. Korsen, 1967. – Aus dem Nachlaß: Lehmanns Flohzirkus, Ein heiterer Berlin-Roman, 1973 (mit Einl. v. L. van Dovski);
    Zürcher Testament, Aus d. Nachlaß hg. v. dems., 1975.

  • Literatur

    Peter E. Schmitz, in: Spitzbogen 1, Nov. 1922, S. 1-3;
    P. Metz, in: Theater-Ztg. Prag 11, 1922/23, S. 2-5;
    J. Lhermann, H. W. Ph., Dramat. Ergebnis, in: Das Dreieck, Mschr. f. Wiss., Kunst u. Kultur, hg. v. W. Gutkelch u. J. Lhermann. 1, 1924, 2. H., S. 60;
    ders., II. W. Ph., der neue Hebbelpreisträger, in: Ostsee-Ztg. Stettin. 19.1.1924;
    Der Quatember, Vj.bl. d. Ed.ges., Abt. Bühnenvertrieb, 1950/51, Nr. 1 (P. gewidmet);
    L. van Dovski, in: Eros d. Gegenwart, Quasi e. 3. Bd. v. „Genie u. Eros“, 1952, S. 244-51;
    R. Heuer, H. W. Ph. (1883–1969), Leben u. Werke, Mit e. Bibliogr. v. E. Benyoetz, hg. u. eingeh v. L. van Dovski, 1973 (Bibliogr. auch als separate Veröff.: Dortmunder Autoren, Nr. 2, Stadtbücherei Dortmund);
    BHdE II;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Renate Heuer
  • Empfohlene Zitierweise

    Heuer, Renate, "Philipp, Hugo Wolfgang" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 390 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118593900.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA