Lebensdaten
1873 bis 1940
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
keine Angabe
Normdaten
GND: 118590561 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ostwald, Hans Otto August
  • Ostwald, Hans
  • Ostwald, Hans Otto August
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Zitierweise

Ostwald, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590561.html [14.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Die Vorfahren – seit 1570 nachweisbar – waren Bergleute im Mansfeldischen; – V Robert, Schmied, S d. Bäckers Gottlieb u. d. Friederike Vetter;
    M Minna, T d. August Breitmann u. d. Elisabeth Gessner;
    B Gustav, Goldschmied;
    1899 Jenny Weitze (* 1876);
    1 S, 1 T.

  • Leben

    O. lernte wie sein Bruder Gustav den Beruf des Goldschmieds. 1894 ging er auf Wanderschaft, die ihn bis nach Riga führte zu Verwandten, die dort Kaufleute waren. 1896/97 arbeitete er in Leipzig als Redakteur der Leipziger Volkszeitung; der Kontakt mit Wilhelm Ostwald (1853–1932) und dessen Kreis vermittelte ihm moderne wissenschaftliche Sichtweisen und Rüstzeug für sozialreformerische Vorstellungen. Nach Berlin zurückgekehrt, arbeitete er seit 1898 als Redakteur der linksliberalen „Welt am Montag“. Der Mitredakteur und Freund Felix Holländer vermittelte Kontakte zum Friedrichshagener Dichterkreis. Später gehörte O. zum Kreis der Neuen Gemeinschaft um die Brüder Hart. Auf Anregung Holländers veröffentlichte O. 1900 mit dem Roman „Vagabonden“ (71928 „Vagabunden“, Neuausg. 1980; seit d. 3. Aufl. mit d. Untertitel „Ein autobiograph. Roman“) die literarische Verarbeitung seiner Erfahrungen „auf der Walz“. Der große Erfolg dieses Buches (und späterer Werke) ermöglichte ihm das Leben als freier Schriftsteller. In den folgenden Jahren erschienen Bühnenstücke (Die Tippelschickse, 1901), Romane und Erzählungen. Nach den Vagabunden wurde eine weitere soziale Randgruppe Thema seiner Arbeiten: 1905-07 erschienen 10 Bände Milieustudien „Das Berliner Dirnentum“. Gleichzeitig wurde O. als Herausgeber tätig. Für die 1904-08 mit großem Erfolg publizierte Reihe der „Großstadt-Dokumente“ (50 Bde.), von denen er selbst fünf beisteuerte, gelang es ihm, namhafte Autorinnen und Autoren zu gewinnen (Johannes Werthauer, Max Marcuse, Julius Bab, Walter Bahn, Magnus Hirschfeld, Ella Mensch, Albert Südekum, Balder Olden, Felix Saiten, Georg Buschan u. a.). 1910-13 war O. auch Herausgeber der „Diskussion“, einer „Monatsschrift für aktuelle Kulturfragen“. Nach 1919 mehrfach neu aufgelegt wurde die „Kultur- und Sittengeschichte Berlins“ (urspr. „Berlin und die Berlinerin“, 1909); im gleichen Themenkreis publizierte er 1931 die „Sittengeschichte der Inflation“. Daneben stehen mehrere Sammlungen von Liedern und Sondersprachen. Um 1930 folgten mehrere Bücher über und in Zusammenarbeit mit Heinrich Zille (Das Zillebuch, 1929) bzw. mit dessen Sohn Hans (Zilles Vermächtnis, 1930) sowie „Das Liebermann-Buch“ (1930). Nach 1933 waren ihm nur noch wenige Publikationen möglich.

    Aus seinen Erfahrungen auf der Wanderschaft resultierte sein soziales Engagement für die Verbesserung der Lebenssituation der Landstreicher. O. übte heftige Kritik an den Einrichtungen der „Wanderfürsorge“ (Die Bekämpfung der Landstreicherei, 1903) und deren Überwachungssystem. Dabei ging es ihm nicht um die Abschaffung der „Walz“. Er entwickelte Ideen zu Arbeitsbeschaffungsprogrammen und engagierte sich bei der Initiierung von Siedlungsprojekten für Arbeitslose (1909 Gründung u. Vorsitz im „Komitee für innere soziale Kolonisation“), von denen einige 1911-16 verwirklicht werden konnten (u. a. in Erkner b. Berlin). Der letzte derartige von ihm unternommene Versuch stand|1933 schon unter den Vorzeichen des nationalsozialistischen Arbeitsbeschaffungsprogramms: Das Projekt des Kulturversuchsguts Ludwigshof (Kr. Ueckermünde) scheiterte und brachte O. um einen Teil seines Vermögens.

    Das Werk O.s überschreitet häufig die Genregrenzen; seine Darstellungen mischen Merkmale der sozialen Literatur, der Sozialreportage und der Sozialforschung und erscheinen oft am journalistischen Aktualitätsgebot orientiert. Trotz ihres populären Tons wurden viele der „Großstadtdokumente“ von der zeitgenössischen Fachkritik aufmerksam – wenn auch kontrovers – rezipiert. O. verstand seine Arbeiten über die Randexistenzen der modernen Gesellschaft als die eines Dokumentaristen. Seine Intention war, „unsere Kultur von unten beleuchtet“ darzustellen.

  • Werke

    Weitere W u. a. Die dt. Herbergen zur Heimath, in: Die neue Zeit, Wschr. d. dt. Sozialdemokratie, 19, 1901, Nr. 16, S. 506-08;
    Das Leben d. Wanderarmen, in: Archiv f. Kriminalanthropol. u. Kriminalistik, 1903;
    Maxim Gorki, 1904;
    Unsere armen Wandernden – u. wie sie unterstützt werden, Auch e. Btr. z. Arbeitslosenfrage, 1904;
    Dunkle Winkel in Berlin, 1904;
    Berliner Tanzlokale, 1904;
    Zuhältertum in Berlin, 1904;
    Das Berliner Spielertum, 1908;
    Soziale Kolonisation, Ein Btr. z. Beschäftigung vorübergehend Arbeitsloser, 1909 (mit A. v. Kaphengst-Kohlow);
    Soz. Kolonisation, in: Archiv f. Innere Kolonisation 31, 1911, S. 161-74;
    Schafft geregelte Arbeit durch Arbeitsbeschaffungsämter, Denkschr., 1919;
    Der Urberliner in Witz, Humor u. Anekdote, 1927 (dass. NF, 1928, zuletzt 1991);
    Dt. Abenteurer, 1931.

  • Literatur

    H. Clauert (d. i. H.-J. Zimmermann), in: H. O., Der Urberliner, Neu hg., bearb. u. mit e. Nachwort v. dems., 1991, S. 146-0.60 (P);
    K. Bergmann, Einl. in: H. O., Vagabunden, ein autobiogr. Roman, 1980, S. 5-33 (P);
    D. Jazbinsek u. R. Thies, „Großstadt-Dokumente“, Metropolenforsch. im Berlin d. Jh.wende, 21997 (W, L, P);
    P. Fritzsche, Vagabond in the Fugitive City, H. O., Imperial Berlin and the Grossstadt-Dokumente, in: Journal of Contemporary History 29, 1994, S. 385-402;
    Wi. 1928-1935;
    Kürschner, Lit.-Kal. 1932, 1939;
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy.

  • Autor/in

    Ralf Dose
  • Empfohlene Zitierweise

    Dose, Ralf, "Ostwald, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 634 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118590561.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA