Lebensdaten
1892 bis 1933
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
Hamburg
Beruf/Funktion
Pädagogin
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118584669 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Muchow, Martha

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Zitierweise

Muchow, Martha, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584669.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (* 1864), Zollinsp., S d. Hans Heinrich (1819–74), Schumachermeister in Grevesmühlen (Mecklenburg), u. d. Caroline Elisabeth Dorothea Janzen (1821–90);
    M Dorothee (1868–1933) aus Kogel (b. Zarrentin, Mecklenburg od. b. Malchow, Mecklenburg), T d. Arbeiters Johann Jochen Korff (1836–91) u. d. Johanne Catharine Sophie Müller (1836–1910);
    B Hans Heinrich (* 1900), Gymnasiallehrer u. Leiter e. Erziehungsberatungsstelle in H., Vf. jugendpsycholog. u. -päd. Schrr. (s. L); – ledig.

  • Leben

    M. absolvierte nach dem am Oberlyzeum in Altona abgelegten Abitur (1912) ebendort die Lehramtsprüfung (1913). 1913-15 arbeitete sie als Lehrerin an der Alexandrinenschule (Lyzeum) in Tondern und 1916-19 an verschiedenen Volksschulen in Hamburg. Seit 1916 war M. am von William Stern geleiteten|Philosophischen Seminar des Allgemeinen Vorlesungswesens, dem Vorläufer der 1919 gegründeten Universität, tätig, zuerst als freie Mitarbeiterin, 1920-30 als wissenschaftliche Hilfsarbeiterin (Assistentin) und 1930-33 als Wissenschaftlicher Rat. 1919-24 studierte sie an der Hamburger Univ. Psychologie, Philosophie und Germanistik. 1923 promovierte sie bei Stern mit dem Thema „Studien zur Psychologie des Erziehers, Methodologische Grundlegung einer Untersuchung der erzieherischen Begabung“. M.s Forschungsschwerpunkte lagen in der Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters und der pädagogischen Psychologie. Beeinflußt wurde sie zum einen durch die internationale pädagogische Reformbewegung, als aktives Mitglied des „Weltbundes für die Erneuerung der Erziehung“ (New Education Fellowship) und der Hamburger Schulreform- und Volksheimbewegung, zum anderen durch William Stern, sowie Eduard Spranger und Edmund Husserl, die ihr eine Verbindung von induktiver Empirie mit deduktiven Konzepten aus den Geisteswissenschaften nahelegten. Innerhalb des genannten Bereichs widmete sich M. besonders der psychologischen Begründung vorschulischer Erziehung. Hierzu legte sie zwei bemerkenswerte Arbeiten vor: eine kritische Analyse der frühpädagogischen Ansätze von Friedrich Fröbel und Maria Montessori (1927) und eine international vergleichende Studie über „Psychologische Probleme der frühen Erziehung“ (1929). Sodann sind ihre Arbeiten zur „geistigen Hygiene“ von Schulkindern bemerkenswert, in denen sie an die Arbeiten Ernst Meumanns, des Vorgängers von Stern am Psychologischen Laboratorium und Philosophischen Seminar in Hamburg anknüpfte. Wie dieser kooperierte auch M. eng mit dem Hamburger Lehrerverein „Gesellschaft der Freunde des vaterländischen Schul- und Erziehungswesens“. Innerhalb dieses Themenkreises beschäftigte sie sich auch mit der psychologischen Analyse sozialpädagogischer Interventionen in Jugendfürsorge und Heimerziehung.

    In den letzten Lebensjahren widmete sich M. hauptsächlich milieu-, kultur- und epochaltypologischen Themen. In „Der Lebensraum des Großstadtkindes“ (1935, mit H. H. Muchow, Neudr. 1978) untersuchte sie die Umwelt-Person-Interaktion unter dem Leitbegriff der „personalen Welt“ des Kindes. Dabei griff sie auf Konzepte Jakob v. Uexkülls und seiner biologischen Umweltlehre sowie auf Sterns Personwissenschaft (Personalistik) zurück. Mit diesem Ansatz hat M. zu einer wesentlichen Weiterentwicklung der von Stern in Deutschland begründeten Differentiellen Psychologie beigetragen. Diese postum erschienene, von ihrem Bruder herausgegebene Monographie wird heute als originelles und frühes Beispiel einer ökologischen Psychologie gewertet. In der von M. betreuten Schriftenreihe „Hamburger Untersuchungen zur Jugend- und Sozialpsychologie“ wurde diese Forschungsrichtung auf familienpsychologische Fragestellungen angewandt. – M.s Werk mußte ein Fragment bleiben. Als ein maßgebliches Motiv für ihren Freitod dürfte die Verzweiflung der demokratisch gesinnten Wissenschaftlerin über die politische Lage, die bereits erfolgte Suspendierung ihres Lehrers Stern und ihre bevorstehende eigene Entlassung aus dem Universitätsdienst anzusehen sein.

  • Werke

    Weitere W Das Montessori-System u. d. Erziehungsgedanken Friedrich Fröbels, in: H. Hecker u. M. M., Friedrich Fröbel u. Maria Montessori, 1927, S. 57-198;
    Zur Frage e. lebensraum- u. epochaltypolog. Entwicklungspsychol. d. Kindes u. Jugendlichen, in: FS f. W. Stern, 1931, S. 185-202;
    Aus d. Welt d. Kindes, Btrr. z. Verständnis d. Kindergarten- u. Grundschulalters, hrsg. v. H. H. Muchow, 1949. – Zu Hans Heinrich: Flegeljahre, Btrr. z. Psychol. u. Päd. d. „Vorpubertät“, 1950, verm. 21953;
    Sexualreife u. Sozialstruktur d. Jugend, 1959;
    Jugend u. Zeitgeist, 1962.

  • Literatur

    E. Strnad, M. M. in ihrer Bedeutung f. d. sozialpäd. Arbeit, in: M. M., Aus d. Welt d. Kindes, 1949, S. 7-20 (s. W);
    J. Zinnecker, Recherchen z. Lebensraum d. Großstadtkindes, Eine Reise in vorschüttete Lebenswelten u. Wiss.traditionen, in: M. M. u. H. H. Muchow. Der Lebensraum d. Großstadtkindes, 1978, S. 10-52 (Neudr. d. Ausg. v. 1935);
    P. Probst, Die Anfänge d. akadem. Psychol. in Hamburg, E. Meumann u. d. Schulreformbewegung, in: A. Schorr u. E. G. Wehner (Hrsg.), Psychologiegesch. heute. 1990, S. 149-63;
    ders., Bibliogr. E. Meumann, Mit e. Einl. z. Biogr., 1991 (P);
    H. Moser, Zur Entwicklung d. akadem. Psychol. in Hamburg bis 1945, Eine Kontrast-Skizze als Würdigung d. vergessenen Erbes v. W. Stern, in: E. Krause u. a. (Hrsg.), Hochschulalltag im „Dritten Reich“, Die Hamburger Univ. 1933–45. T. II, 1991, S. 483-518;
    M. M. Fries, Mütterlichkeit u. Kinderseele, Zum Zusammenhang v. bürgerl. Frauenbewegung, Sozialpäd. u. Kinderpsychol. zw. 1899 u. 1933, e. Btr. z. Würdigung M. M.s, Diss. Leipzig 1993 (P);
    R. Miller, M. M., in: H. E. Lück u. R. Miller (Hrsg.), Ill. Gesch. d. Psychol., 1993, S. 191-93 (P);
    Lex. d. Päd. III, 1954. – Eigene Archivstud. (HStA Hamburg).

  • Autor/in

    Paul Probst
  • Empfohlene Zitierweise

    Probst, Paul, "Muchow, Martha" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 253 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584669.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA