Lebensdaten
1887 bis 1974
Geburtsort
Lautenburg (Westpreußen)
Sterbeort
Tel Aviv
Beruf/Funktion
zionistischer Funktionär ; israelischer Staatskontrolleur
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 118584472 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moses, Siegfried
  • Moses, S.

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Zitierweise

Moses, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584472.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Julius;
    M Hedwig Grätz;
    1921 Margarete Orthal (* 1890);
    2 S, Eli (* 1923), Speditions- u. Verschiffungsberater, Rafael (* 1924), Dr. med., Psychiater, 1973-77 Präs. d. Israel. Psychoanalyt. Ges. in Jerusalem.

  • Leben

    M. wuchs weitgehend ohne religiöse Bildung und Kenntnisse in einer akkulturierten deutsch-jüdischen Familie auf. Schon zur Gymnasialzeit interessierte er sich für den Zionismus. Diese Hinwendung muß auch vor dem Hintergrund der wilhelminischen Jugendsubkultur („Wandervogel“) verstanden werden und war nicht untypisch für einen Teil der jungen deutsch-jüdischen Intelligenz. M. studierte Jura in Berlin und promovierte 1908 in Heidelberg. Im Wintersemester 1904/05 trat er der Berliner Sektion des „Bundes Jüdischer Corporationen“ bei, der später im (zionistischen) Kartell Jüdischer Verbindungen (KJV) aufging. 1908-11 wirkte er als Herausgeber der Zeitschrift „Der jüdische Student“, seit 1912 mit Unterbrechungen bis 1937 als Rechtsanwalt und Notar. 1917-19 arbeitete er im Kriegsernährungsamt Danzig, 1919/20 wurde er zum stellvertretenden Direktor des deutschen Städtetages in Berlin ernannt. 1921-23 wandte er sich der Jüdischen Arbeiterhilfe als geschäftsführender Vorsitzender zu. Sein soziales Engagement wurde vom Einsatz für die Gleichberechtigung der Ostjuden in den deutsch-jüdischen Gemeinden begleitet. 1923-29 war M. als Direktor des Kaufhauses der Gebr. Schocken in Zwickau tätig. 1931-36 wirkte er in der Repräsentanz der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, 1933-37 als Präsident der Zionistischen Vereinigung für Deutschland und Mitglied der „Reichsvertretung der Juden in Deutschland“. M. und die deutschen Zionisten unterschieden sich politisch-kulturell stark von den damals in Palästina dominanten osteuropäischen Gesinnungsgenossen. In dieser Zeit war M. auch an der Realisierung des Transfer-Abkommens mit den NS-Behörden beteiligt. Dieses erlaubte deutschen Juden, wenigstens einen Teil ihres Besitzes nach Palästina zu retten.

    Im November 1937 emigrierte M. und verdiente seinen Lebensunterhalt im brit. Palästina als Buchhalter und Steuerberater. 1949-61 war er erster Staatskontrolleur (im Range eines Ministers) in Israel; dieses Amt übten auch künftig meist Juden deutscher Herkunft aus. 1953 stand er an der Spitze der Organisation der deutsch-jüdischen Landsmannschaft Israels („Hitachduth Olej Germania“, später „Irgun Olej Merkaz Europa“) und war Exponent der von ihr getragenen Partei („Alijah Chadaschah“). 1956-74 stand M. als Präsident dem „Council of Jews from Germany“ vor und war damit die maßgebliche Persönlichkeit der deutsch-jüdischen Emigration. Schon 1944 hatte er ein Buch über „Die jüdischen Nachkriegsforderungen“ verfaßt und war danach im Gegensatz zu Teilen der israel. Öffentlichkeit ein Befürworter von Verhandlungen mit der Bundesrepublik Deutschland über Entschädigungszahlungen zugunsten jüdischer Verfolgter („Wiedergutmachung“). 1955 zählte er zu den Mitbegründern des Leo Baeck Institute, das sich der Erforschung der Geschichte und Kultur der deutschsprachigen Juden widmet. – M.s Persönlichkeit war von Nüchternheit, Phrasenlosigkeit und Objektivität gekennzeichnet (G. Herlitz).

  • Werke

    Weitere W u. a. Über unwirksamen Beitritt zu e. GmbH, Diss. Heidelberg 1908;
    Salman Schocken, in: Leo Baeck Institute Year Book 5, 1960, S. 73-110, s. a. ebd. 10, 1965, S. IX-XV. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Teile im Leo Baeck Institute, New York, u. im Institute for Contemporary Jewry, The Hebrew University, Jerusalem.

  • Literatur

    H. Tramer (Hrsg.), In zwei Welten, S. M. z. 75. Geb.tag, 1962 (bes. d. Art. v. H. Tramer, G. Herlitz u. R. Weltsch, P);
    R. Weltsch, End of an Epoch, in: Leo Baeck Institute Year Book 19, 1974, S. VII-XI;
    W. Feilchenfeld u. a., Haavara-Transfer nach Palästina u. Einwanderung d. dt. Juden 1933–39, 1972|(Einl. v. S. M., S. 9-12);
    J. Eloni, Zionismus in Dtld., 1987;
    H. Göppinger, Juristen jüd. Abstammung im „Dritten Reich“, 21990;
    Enc. Jud. 1971 (P);
    BHdE I;
    Altpreuß. Biogr. IV.

  • Portraits

    Leo Baeck Institute Year Book XII, 1967.

  • Autor/in

    Uri Robert Kaufmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Kaufmann, Uri Robert, "Moses, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 206 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584472.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA