Lebensdaten
1880 bis 1964
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Schauspieler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118584391 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Julier, Johann (eigentlich)
  • Moser, Hans
  • Julier, Johann (eigentlich)
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Zitierweise

Moser, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584391.html [13.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (Ferenc) Julier (1838–98), aus Pápa (Ungarn), akadem. Bildhauer in Wien, S d. Gastwirts Ferenc Julier u. d. Katharina Strobl;
    M Serafine (1852–1912), T d. Franz Pöschl, k. k. Steuereinnehmer in W., u. d. Anna Batta;
    Wien 1911 Blanca (1890–1974) T d. Kaufmanns Heinrich Leopold Hirschler u. d. Charlotte Holzer;
    1 T Margarethe (Grit) (* 1913, ⚭ Martin Hasdeu, Industrieller in Bukarest), Schausp., emigierte 1941 üb. Paris nach Argentinien.

  • Leben

    Nach dem Wunsch des Vaters sollte M. Bildhauer werden. Da ihm aber Interesse und Begabung hierzu fehlten, besuchte er die Handelsschule und arbeitete anschließend in einer Lederwarenhandlung. Daneben war er ein begeisterter Stehplatzbesucher der Wiener Theater. Nach Schauspielunterricht in der Theaterschule Otto und bei dem Hofschauspieler Josef Moser, dessen Nachnamen er als Künstlernamen wählte, erhielt M. sein erstes Engagement 1897 in Fridek-Mistek/Ostrawitza. In den folgenden Jahren war er Darsteller kleiner Rollen, Chorist und Statist, aber auch Kulissenschieber an Provinztheatern (Laibach, Czernowitz, Cilli) und bei Wandertruppen. Nachdem ihn ein Agent Josef Jarnos in Reichenberg gesehen hatte, trat er im Januar 1903 ein Engagement am Theater in der Josefstadt in Wien an. Von Jarno als schüchterner Liebhaber und jugendlicher Bonvivant fehlbesetzt, konnte er nicht überzeugen. Mangels Beschäftigung verließ M.|1907 das Josefstädter Theater. Bis 1910 trat er wieder mit Wandertruppen in Krain, Böhmen, Mähren und Ungarn auf. Nach seiner Heirat spielte er in volkstümlichen Possen an Wiener Kleinkunstbühnen, wie dem Intimen Theater und dem „Max und Moritz“. 1912-14 war er am Budapester Orpheum engagiert, wo er in Schwänken auftrat. 1915-18 diente er als Ersatz-Reserve-Infanterist in Italien, Polen und Rußland. Nach dem 1. Weltkrieg trat er als Conférencier und Liedsänger auf. Sketches wie „Der Patient“, vor allem aber „Der Dienstmann“ und „Der Pompefunèbrer“ in Karl Farkas' Ausstattungsrevue „Wien gib acht!“ 1923 im Wiener Ronacher brachten die ersten Erfolge. 1924-26 am Theater an der Wien als sog. „Dritter-Akt-Komiker“ in der Operette in eigens für ihn geschriebenen Rollen (z. B. der Kammerdiener Penizek in E. Kalmans „Gräfin Mariza“) schaffte M. – bereits Mitte Vierzig – seinen endgültigen Durchbruch. 1925 holte ihn Max Reinhardt an seine Bühnen in Wien und Berlin und zu den Salzburger Festspielen und ermöglichte ihm so die Entwicklung zum großen Charakterdarsteller. M. spielte u. a. den Zettel in Shakespeares „Sommernachtstraum“ in Salzburg, den Diener Vincenz in Hofmannsthals „Der Schwierige“, den Polizeikommissär in Langers „Peripherie“ im Theater in der Josefstadt in Wien und den Frosch in der „Fledermaus“ in verschiedensten Inszenierungen. Zu den schauspielerischen Höhepunkten dieser Jahre zählte auch der Zauberkönig in der Uraufführung von Ödön v. Horvaths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ 1931 am Deutschen Theater in Berlin. Seine erste Nestroy-Rolle, den Melchior in „Einen Jux will er sich machen“, spielte er 1934 unter der Regie von O. L. Preminger am Theater in der Josefstadt; ein Jahr später folgte, ebenfalls an der Josefstadt, der Fortunatus Wurzel in F. Raimunds „Bauer als Millionär“. Trat M. auch während und nach dem 2. Weltkrieg wegen seiner Filmtätigkeit immer seltener am Theater auf, so fallen doch seine reifsten und beeindruckendsten Theaterdarstellungen in seine letzten zehn Lebensjahre, u. a. 1954 der alte Weiring in Schnitzlers „Liebelei“ am Wiener Akademietheater, 1959 der Melchior in Nestroys „Jux“ an den Münchener Kammerspielen, 1961 der Flickschuster Pfrim in Nestroys „Höllenangst“ am Theater in der Josefstadt und 1963 der Polizeikonzipient in Molnárs „Liliom“ am Wiener Burgtheater.

    Seine Laufbahn als Filmschauspieler begann M. 1921 mit kleinen Rollen im Stummfilm, 1930 folgte der erste Tonfilm („Geld auf der Straße“, Regie G. Jacoby). Bis zu seinem letzten Film („ Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter“, Regie A. Corti, 1963) wirkte er in rund 140 Filmen mit. Zu seinen größten künstlerischen Leistungen zählen die beiden Willi Forst-Filme „Maskerade“ (1934) und „Burgtheater“ (1936). M. war vor allem in Unterhaltungsfilmen zu sehen (oft mit Paul Hörbiger als Partner), durch die auch seine unnachahmlichen Wienerlied-Interpretationen überliefert sind. M. war einer der größten Charakterkomiker und Volksschauspieler, vor allem aber Menschendarsteller seiner Zeit. Wie kaum ein anderer verstand er es, die sog. „kleinen Leute“ lebensecht und überzeugend zu verkörpern, mit ihren Alltagssorgen und bescheidenen Freuden, ihrem Nörgeln über die Ungerechtigkeiten des Lebens aber auch mit ihrem Humor. M.s unverwechselbare Sprache mit ihrem berühmten „Nuscheln“, dem raunzenden Tonfall, dem Stottern und Verschlucken von Silben wurde zum unverkennbaren Gestaltungsmittel seiner Komik. Ebenso einzigartig war seine Körpersprache, seine unkontrolliert wirkenden Bewegungen, das scheinbar ungeschickte Stolpern, die blitzschnelle Drehung um die eigene Achse, der meist eilige knieweiche Gang und der eingezogene oder schief gelegte Kopf.|

  • Auszeichnungen

    Ehrenring d. Stadt Wien (1950), Josef-Kainz-Medaille u. österr. Ehrenkreuz f. Kunst u. Wiss. I. Kl. (1961), Filmband in Gold (1962); Kammerschausp. (1963).

  • Literatur

    H. Ihering, Von Josef Kainz bis Paula Wessely, 1942;
    (Anonym), Ein kleiner großer Mann, H. M., Der Lebensweg d. Menschen u. d. Künstlers, 1946;
    O. M. Fontana, H. M., Volkskomiker u. Menschendarsteller, 1965 (P);
    P. Köppler, Filmkomik aus Österreich, Diss. Wien 1976;
    P. Hörbiger, Ich hab f. Euch gespielt, Erinnerungen, 1979;
    G. Markus (Hrsg.), H. M., Ich trag im Herzen drin e. Stück v. alten Wien, 1980, 21988 (P);
    ders., H. M., Der Nachlaß, 1989 (P);
    H. Schulz, H. M., Der große Volksschauspieler, wie er lebte u. spielte, 1980 (P);
    K. Wichmann, H. M., Seine Filme – sein Leben, 1980 (Filmographie, P);
    W. Eser, H. M., „Habe die Ehre“, Sein Leben, seine Filme, 1981;
    H. Veigl, Lachen im Keller. Kabarett u. Kleinkunst in Wien, 1986;
    E. Fuhrich u. G. Prossnitz, H. M., Im Leben – auf d. Bühne u. im Film, Ausst.kat. d. Max Reinhardt-Forschungsstätte Salzburg 1988 (P);
    F. Weissensteiner, Publikumslieblinge, Von Hans Albers bis Paula Wessely, 1993;
    ders., H. M., 1993;
    A. Mantler, P. Hörbiger, H. M., Zwei Wiener Schauspiel-Legenden, Ausst.kat. d. Wiener Stadt- u. Landesbibl. 1994 (P);
    D. Kresse u. M. Horvath, Nur e. Komödiant? H. M. in d. J. 1938 bis 1945, 1994 (P);
    Das gr. Buch d. Österreicher, hrsg. v. W. Kleindel, 1987;
    Glenzdorfs Internat. Filmlex., 1961 NÖB (P);
    CineGraph. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Stadt- u. Landesbibl. Wien.

  • Autor/in

    Edith Marktl
  • Empfohlene Zitierweise

    Marktl, Edith, "Moser, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 189-190 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584391.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA