Lebensdaten
1848 bis 1912
Geburtsort
Löbau (Oberlausitz)
Sterbeort
Oybin bei Zittau (Oberlausitz)
Beruf/Funktion
Philatelist ; Schriftsteller
Konfession
freireligiös
Normdaten
GND: 118584340 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Moschkau, Alfred
  • Lubota, Alfred
  • Moschkau, A.
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Zitierweise

Moschkau, Alfred, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584340.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl August (1809–67), Hufschmied u. Tierarzt in L.;
    M Laura Juliane Beichling (1814–62), Schausp.;
    1868 Frieda Ernestine Pfeifer aus Oberkunnersdorf (Oberlausitz).

  • Leben

    Als M. 1859 in der Korrespondenz seines Vaters fünf ungebrauchte rote Dreipfennigmarken von Sachsen entdeckte, begann er mit dem Aufbau seiner ersten Briefmarkensammlung. Seit 1865 besuchte er die Handelsschule in Leipzig und nahm dort 1867 ein Studium auf. 1868 übersiedelte er nach Dresden und versuchte sich u. a. als Kaufmann, homöopathischer Arzt, Photograph, Schriftsteller und Briefmarkenhändler. Er veranstaltete eine erste interne Ausstellung seiner Sammlung im Verein für Erdkunde in Dresden und schrieb seit 1869 Beiträge für die philatelistische Fachpresse. Bis 1870 stellte er mit über 5000 Marken die damals größte Briefmarkensammlung in Deutschland zusammen, in der nur fünf Marken aller bis dahin erfolgten Ausgaben gefehlt haben sollen. 1870/71 war M. Redakteur der von Gustav Bauschke („Schaubek“) in Dresden gegründeten „Deutschen Briefmarken-Zeitung“. 1871 erschien in Leipzig der „Katalog aller seit dem Jahre 1840 bis auf die neueste Zeit ausgegebenen Briefmarken, nach der A. M.schen Sammlung bearbeitet und herausgegeben von G. Schaubek“. Der Katalog zeigt, daß M.s Sammlung die seltensten Stücke enthalten haben muß und auch Farbunterschiede, Wasserzeichen, Ganzsachen etc. berücksichtigte. 1871 organisierte M. eine öffentliche Ausstellung seiner Sammlung in Dresden – die erste deutsche Briefmarken-Ausstellung überhaupt – zu Gunsten der Feldpostbeamten im Deutsch-Franz. Krieg. Im Mai 1871 gehörte M. zu den Gründern des „Vereins Deutscher Philatelisten“ und wurde dessen Präsident. Er gab eine eigene Fachzeitschrift („A. Moschkau's Magazin für den Markensammler“) heraus, die bis Juni 1872 erschien. 1871-77 bestand eine von M. errichtete erste Markenprüfstelle, doch mußte M. seinen Kampf gegen Markenfälscher wegen der unsicheren Rechtslage einstellen, nachdem er bei Prozessen einen großen Teil seines Vermögens verloren hatte.

    1873 erwarb M. als freier Student in Leipzig den Grad eines Dr. phil. Anschließend arbeitete er als Redakteur oder Herausgeber philatelistischer Fachblätter sowie medizinischer und heimatkundlicher Zeitschriften, u. a. der von ihm gegründeten kurzlebigen „Saxonia“. 1876-81 war er verantwortlicher Redakteur von „Senf's Illustriertem Briefmarken-Journal“. 1877 wurde unter seiner Mitwirkung in Dresden der „Internationale Philatelisten-Verein“ gegründet. 1879 eröffnete M. auf Burg Oybin ein Heimatmuseum. 1881/82 war er als Redakteur der „Weltpost“ in Wien tätig. Dort wurde er mit der Organisation der „1. Öffentlichen Ausstellung von Postwertzeichen aller Länder“ betraut, der später weltbekannten „Wiener Internationalen Postwertzeichen-Ausstellung“ (WIPA). Bei|dieser Ausstellung(13.-20.11.1881) zeigte M. seine „Kontrast-Sammlung“ zum Deutsch-Franz. Krieg 1870/71 mit deutschen und franz. Postmarken, Feldpostbriefen und Karten, Sondermarken für das besetzte Elsaß, Ballonbriefen und Taubenpostdepeschen aus dem belagerten Paris, Privatpost-Ausgaben aus der Zeit der Pariser Kommune, den ersten Marken der franz. Republik, Essai-Drucken der Monarchisten, den ersten deutschen Reichspostmarken etc. 1882 kehrte M. in seine Heimat zurück und nahm seinen Wohnsitz auf Burg Oybin. Seit 1883 gab er die „Germania – Allgemeine deutsche Philatelisten-Zeitung“ heraus, war 1884-87 verantwortlicher Redakteur des „Illustrierten Briefmarken-Journals“ und 1888-92 Chefredakteur der neugegründeten „Illustrierten Briefmarken-Zeitung“.

    M. war der erste nach systematischen Gesichtspunkten sammelnde Philatelist in Deutschland. Er machte die Briefmarkenkunde zu einem Zweig der Post- und Verkehrsgeschichte. Wie kein anderer hat er die Philatelie in Deutschland in den ersten Jahrzehnten ihrer Entwicklung als Anreger und Organisator gefördert. Auf seinem weiteren Lebensweg geriet er bald in Vergessenheit. Seine einmalige Sammlung wurde in der Inflationszeit von seiner Witwe veräußert und später aufgelöst. Das von M. gegründete Museum auf Burg Oybin wurde 1937 von der Stadt Zittau übernommen.|

  • Auszeichnungen

    Österr. Franz-Joseph-Orden, russ. Stanislaus-Orden.

  • Werke

    Frühlingsblüthen (Gedichte), 1868;
    Die Wasserzeichen auf Briefmarken, Couverts, Postkarten etc., 1871 (4 Aufll.);
    Hdb. f. Essais-Sammler, 1875;
    Hdb. f. Postmarken-Sammler, 1876;
    Schiller in Gohlis, 1877;
    Goethe u. Karl August auf d. Oybin, 1878;
    Zur Gesch. d. Philatelie, Ges. Btrr., 1879. – Hrsg.: Dt. Briefmarken-Album, 1876;
    Dr. A. M.s Permanent-Album f. Postmarken, 1879.

  • Literatur

    R. Schmidt, Dr. A. M., 1877 (als Ms. gedr., P);
    G. Reitz Edler v. Bollheim, Das Haupt d. dt. Philatelisten, 1882 (Separatdr.);
    The Philatelie Record, 1908, S. 228 f.;
    O. H. Metzger, Dr. A. M., 1915;
    Die Briefmarke 13, 1965, Nr. 83;
    A. Köth u. Ch. Springer, Dr. phil. A. M., e. Leben f. d. Philatelie, 1983 (L, P);
    dies., Ausst.ber. üb. „Die erste öffentl. Ausst. d. Postwerthzeichen aller Länder zu Wien v. 13.-20. Nov. 1881“, 1987;
    C. Brühl, Gesch. d. Philatelie I, 1985;
    Brümmer;
    Kosch, Lit.-Lex.Persönl. Aufzeichnungen v. Dr. Rudolf Moschkau (N).

  • Autor/in

    Christian Springer
  • Empfohlene Zitierweise

    Springer, Christian, "Moschkau, Alfred" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 168 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118584340.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA