Lebensdaten
1901 bis 1965
Geburtsort
Verden/Aller
Sterbeort
Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118581708 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meyboden, Hans
  • Meyer, Hans

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Zitierweise

Meyboden, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581708.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Oskar Meyer (seit 1907 Meyboden, 1866–1923), Dr. iur., Richter in V., seit 1914 in Bremen, S d. Dr. iur. Ludwig Arnold Georg (1830–1901), Oberger.-anwalt in V., u. d. Adolphine Sophie Marie Keil (1832–1901) aus Nienburg;
    M Eluzie (1876–1911), T d. Dr. phil. Heinrich Bodenbender (1837–99), Fabrikdir. in Wasserleben (Harz), u. d. Albertine Emilie Beese (1847–86) aus Wasserleben;
    Fischerhude b. Bremen 1946 Gretlies (* 1915), Webmeisterin, T d. Heinrich Rohmeyer (1882–1936), Landschaftsmaler u. Radierer (s. ThB), u. d. Lucie Drosihn (1883–1927) aus Aschersleben;
    1 S, 1 T Lorenz (* 1951), Graphiker u. Maler in München, Petra (* 1954), Töpferin in Neuseeland.

  • Leben

    Gegen den erbitterten Widerstand seines Vaters ging M. 1919 an die Dresdner Kunstakademie zu Oskar Kokoschka, wo er bis zu dessen Weggang 1923 blieb. Kokoschkas expressive Farbigkeit komplementärer Spannungen, sein Aneinanderfügen leuchtender Farbflächen wurden für M. bedeutsam. 1923/24 hielt er sich in New York auf, 1925 ließ er sich sodann in Berlin nieder, wo ihm auf Vermittlung Max Liebermanns für drei Jahre ein Meisteratelier in der Preuß. Akademie der Künste zur Verfügung stand. Landschaften und Stilleben waren damals bereits seine bevorzugten Sujets. Ihre Farbigkeit ist meist gedeckt, dunkle Braun- und Grüntöne, bräunliches Rot beherrschen die Palette. Ein lebenslanges Nervenleiden und eine Tuberkuloseerkrankung behinderten M. gravierend in seiner Arbeit.

    Erste Erfolge mit Ausstellungen in den Berliner Galerien Nierendorf, Buchholz und Cassirer wurden durch das 1935 von den Nationalsozialisten über ihn verhängte Ausstellungsverbot jäh beendet. M. zog sich hierauf nach Fischerhude bei Bremen zurück. Er malte zahlreiche, sehr verhaltene Porträts. 1948/49 änderte sich sein Stil entscheidend in der Farbigkeit wie auch hinsichtlich der Art und Weise der Darstellung der Dinge. Die Valeurmalerei trat zugunsten reiner Farben zurück. Die Farbigkeit der Bilder wurde kräftig und leuchtend, Grün, Zitronengelb, Blau, Rot und Orange herrschten vor. In den 50er Jahren verstärkten sich die Tendenzen zur Flächigkeit und Formvereinfachung. M. hielt am Gegenständlichen fest, doch wurde die Bildstruktur geprägt durch abstrahierende und ornamentale Elemente, wie horizontale und vertikale Streifen sowie Muster und Punkte.

    Seit 1956 hatte M. als Nachfolger von Erich Heckel eine Professur für Malerei in Freiburg (Breisgau), einer Außenstelle der Karlsruher Kunstakademie, inne. Wichtige Anregungen brachten drei Provencereisen in den Jahren 1962–64. Der Farbauftrag wurde bewegter, kleinteilig strichelnd und nuancierter, die Bilder gewannen an räumlicher Tiefe, die Grundfarben traten zugunsten von Violett, Rosa und schwärzlichen Grüntönen zurück. Seit 1962 entstand eine Reihe von Bildern, in denen sich das Interesse M.s ausschließlich auf die menschliche Figur konzentrierte. Er thematisierte die Einsamkeit des Menschen, das Insichgekehrtsein des einzelnen.

    M. war zeitlebens der Überzeugung, daß den Dingen wie auch der menschlichen Figur eine besondere Ausstrahlung und Wirkkraft innewohne, die er in seinen Bildern evozieren wollte. Nach 1945 widersprach sein konsequentes Festhalten am Gegenstand den herrschenden künstlerischen Tendenzen, die die abstrakte Malerei als Ausdruck der wiedergewonnenen Freiheit feierten. Obwohl M. unmittelbar nach dem Krieg wie auch in den 50er und 60er Jahren zahlreiche Ausstellungen in Bremen, Mannheim, Hamburg, Hannover, Berlin und Karlsruhe hatte und mehrere Kunstpreise erhielt (u. a. Bremer Kunstpreis d. Böttcherstr., 1955), wurden seine Bilder eher einem begrenzten Kreis von Kennern und Sammlern bekannt als der breiten Öffentlichkeit. Seit einigen Jahren jedoch läßt sich eine Neubewertung der gegenständlichen Malerei beobachten, innerhalb derer auch die Bilder M.s, besonders nach einer 1992 in Kornwestheim gezeigten Retrospektive, eine neue Wertschätzung erfuhren.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Künste, Berlin (1960).

  • Werke

    Gem.: Im Glashaus, 1929 (Hannover, Niedersächs. Min. f. Wiss. u. Kultur);
    Blühende Obstbäume, 1935 (Mannheim, Städt. Kunsthalle);
    Leuchter u. Uhr, 1948;
    Stilleben mit Malven u. Totenkopf, 1948 (beide Fischerhude, Nachlaß M.);
    Hochzeitstag, 1949 (Bonn, Bundesmin. d. Finanzen);
    Der Stuhl, um 1950 (Hannover, Niedersächs. Min. f. Wiss. u. Kultur);
    Im Fenster, 1952 (Berlin, Staatl. Mus. Preuß. Kulturbes., Nat.gal.);
    Der Sommer, 1952 (Privatbes.);
    Hotelgarten, 1954 (Hannover, Sprengel-Mus.);
    November I, 1955;
    Provence Hotel, 1963;
    Der Tod des Marat, 1964 (alle Fischerhude, Nachlaß M.).

  • Literatur

    W. Passarge, Der Maler H. M., in: Die Kunst u. d. schöne Heim 52, 1953/54, S. 130 ff.;
    J. P. Hodin, Bekenntnis zu Kokoschka, Erinnerungen u. Deutungen, 1963;
    E. Ende u. W. Heise, H. M., Kat. d. Gedächtnisausstellungen, Haus d. Kunst München, 1966;
    H. M., Gem., Handzeichnungen, Druckgraphik, Ausst.kat. Kunsthalle Bremen, Ak. d. Künste, Berlin, Augustinermus. Freiburg, Kunstver. Mannheim, 1966/67;
    H. M., Ausst.kat. Bremen, 1975;
    W. Augustiny, H. M., 1977;
    R. Zimmermann, Die Kunst d. verschollenen Generation, Dt. Malerei d. expressiven Realismus 1925–75, 1980, S. 300-05;
    H. G. Hannesen, H. M., Leben u. Werk, 1982 (W-Verz.);
    H. M. 1901-65, Gem. u. Graphik, hrsg. v. d. Gal. d. Stadt Kornwestheim, Mit Btrr. v. A. Kleinewefers, D. Schmidt u. B. Strieder, 1992 (P);
    R. Händler, „Etwas entsteht, d. wirkt, noch nicht da war“, in: art 5, 1992, S. 138-41.

  • Autor/in

    Barbara Strieder
  • Empfohlene Zitierweise

    Strieder, Barbara, "Meyboden, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 285 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581708.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA