Lebensdaten
1891 bis 1968
Geburtsort
Märstetten Kanton Thurgau
Sterbeort
Basel
Beruf/Funktion
Volkskundler ; klassischer Philologe
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118581635 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meuli, Karl

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Zitierweise

Meuli, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581635.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Lorenz (1854–1919), Dr. med., Arzt in M., S d. Johann Martin, Zuckerbäcker in Neapel, dann in Chur, u. d. Barbara Beeli aus Belfort;
    M Bertha Hilty (1860–1947) aus Werdenberg; ledig.

  • Leben

    M. wuchs in ländlicher Umgebung auf. Er erhielt die Gymnasialbildung in Baden und|Aarau, studierte seit 1911 in München und nach drei Semestern in Basel, wo ihn besonders sein Lehrer Peter Vondermühl prägte; mit ihm verband ihn eine Lebensfreundschaft. 1919-57 wirkte er als ungewöhnlich starke Lehrerpersönlichkeit am Humanistischen Gymnasium Basel und dozierte daneben über ein halbes Jahrhundert an der Basler Universität (1926 Privatdozent, 1933 Extraordinarius, 1942 Ordinarius) klassische Philologie und Antike Volkskunde. In seiner Erstlingsschrift „Odysee und Argonautik“ wies M. ein älteres Argonautenepos in der Odyssee nach und beeindruckte damit die Homerforschung. Dieses Buch ist charakteristisch für seine ganze wissenschaftliche Arbeit: die Verbindung von klassischer Philologie mit Volkskunde im weitesten Sinn, über die Grenzen der einzelnen Disziplinen hinausgreifend in die Ethnologie, Religionsgeschichte und Psychologie. Als Verfechter einer komparatistischen Methode gelangte er zu verblüffenden Ergebnissen, wie seine Abhandlungen über einen altpers. Kriegsbrauch, über die Schneeschuhjagd in Vergils Georgica, über Ren und Elch in antiken Zeugnissen, über die Entstehung der Tragödie aus einem Wettkampf, über den Ursprung der Olympischen Spiele, über Masken-, Rechts- und Trauerwesen, über Märchen, über asiat. Vorstufen der griech. Kultur zeigen. Besonders seine Maskentheorie fand große Beachtung: Seiner Meinung nach verkörpern Masken letztlich tote Ahnen, die mit einem Recht auf Gaben wiederkehren. Allerdings erscheinen sowohl die Maskentheorie wie M.s Prämissen bezüglich anthropologischer Konstanten und kulturhistorischer Kontinuitäten problematisch. M. ist ein Geistesverwandter des Baslers J. J. Bachofen, dessen “Mutterrecht“ er edierte und erschloß.

    1932-35 war M. Präsident des Schweizer. Altphilologenverbandes, 1935-43 und 1955-57 leitete er als Obmann die Schweizer. Gesellschaft für Volkskunde. Er regte die Schriftenreihe “Volkstum der Schweiz“ an sowie die Gründung des Schweizer. Instituts für Volkskunde. Das schweizer. Volksliedarchiv, die Bauernhausforschung und der schweizer. Volkskundeatlas verdanken ihm entscheidende Impulse. Vor allem als Anreger wirkt M. fort; sein Vermächtnis besteht in der eindringlichen Forderung, den Symbolgehalt kultureller Äußerungen ernst zu nehmen.

  • Werke

    Ges. Schrr., 1975.

  • Literatur

    B. Wyss, K. M., Worte d. Gedenkens, 1968 (P);
    F. Jung, Biogr. Nachwort, in: Ges. Schrr. (s. W);
    ders., K. M., Leben u. Werk, Diss. Basel 1976;
    P. Pfrunder, in: NZZ v. 17.9.1991;
    Klass. Antike u. neue Wege d. Kulturwiss. (Vorträge d. K. M.-Symposiums, Basel 1991), in: Beih. z. Schweizer. Archiv f. Volkskde., 1992;
    Schweizer Lex.

  • Autor/in

    Edgar Bonjour
  • Empfohlene Zitierweise

    Bonjour, Edgar, "Meuli, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 264 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118581635.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA