Lebensdaten
1908 bis 1982
Geburtsort
München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118580752 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Mendelssohn, Peter von (bis 1941)
  • Mendelssohn, Peter de
  • Mendelssohn, Peter von (bis 1941)
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Zitierweise

Mendelssohn, Peter de, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580752.html [12.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Georg v. M. (1886-1955), Kunsthandwerker, Mitgl. d. Werkbundes in M., 1910-33 in Hellerau b. Dresden, dann in Paris (s. ThB), S d. Ludwig v. M. (1852-96), Althistoriker in Dorpat (s. Dt.balt. Biogr. Lex.), u. d. Alexandrine v. Cramer (1849-|1923);
    M Gertrud (1879–1961), T d. Gutsbes. Oscar Clason (1840–1905) u. d. Anna Bleek (1843–1904);
    Stief-V (seit 1929) Walter v. Cube (1906–84), Publizist (s. Wi. 1983);
    Ur-Groß-Ov Joseph (s. 1);
    Ov Erich v. M. (1887-1913), Übersetzer, Schriftst., Walter v. M. (1883-1959), Mathematiker;
    Tante-v Anja v. M. (1889-1978), Schriftst., Graphologin;
    B Felix v. M. (* 1918), Prof. d. Psychiatrie an d. Georgetown University, Washington, D. C. (USA), dann in München (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1992);
    1) 1932 ( 1934) Edith (1903–72), T d. Kaufm. Ernst v. Tschirschnitz in Eystrup u. d. Elizabeth Roehrig aus Minnesota (USA), 2) London 1936 ( 1970) Hilde Spiel (1911–90), Schriftst.; Lebensgefährtin (seit 1971) Anita Naef (* 1924);
    1 S, 1 T aus 2), Felix (* 1944), Psychoanalytiker.

  • Leben

    Nach dem Besuch der freien Schulgemeinde Hellerau bei Dresden und der Internats-Oberrealschule Strausberg bei Berlin, an der er 1926 die Reifeprüfung ablegte, studierte M. zwei Semester Englisch und Staatswissenschaften in Berlin, brach dann wegen Geldmangels sein Studium ab und ging als Redaktionsvolontär zum „Berliner Tageblatt“. 1927/28 war M. Hilfskorrespondent dieser Zeitung in London, 1928/29 in Berlin Redakteur der Nachrichtenagentur „United Press“. 1929 ging er als freier Schriftsteller zunächst nach Paris und schrieb dort den Roman „Fertig mit Berlin“ (1930) – ein Abschied vom geistigen Klima der Hauptstadt der Weimarer Republik. Im Herbst desselben Jahres zog er sich nach Cagnes-sur-Mer in der Provence zurück, wo er bis 1931 am Roman „Paris über mir“ (1931) arbeitete, eine aus zufälligen Begegnungen während der drei Tage des franz. Nationalfestes sich aufbauende Darstellung der Beziehung von Deutschen und Franzosen. Im selben Jahr kehrte er nach Deutschland zurück. Ausgehend von der Erzählung „Krieg und Liebe der Kinder“, seiner ersten literarischen Veröffentlichung 1929 (Dt. Alm. f. d. Jahr 1930, S. 83-101), beendete er nun den stark autobiographischen Bericht über ein Landschulheim, „Schmerzliches Arkadien“, der als Zeugnis einer Generation 1954 von J. Duvivier verfilmt wurde.

    Im April 1933 emigrierte M. nach Paris, wo er den deutschsprachigen Verlag „Mercure de l'Europe“ gründete. Nach dem Scheitern seiner Ehe begab er sich 1934 zunächst nach Wien, dann nach Tirol, wo er den Roman „Wolkenstein oder die ganze Welt“ verfaßte, der, 1935 unter dem Pseudonym Carl Johann Leuchtenberg veröffentlicht, von den Rezensenten in Deutschland begeistert begrüßt wurde. 1936 übersiedelte er nach London. Hier arbeitete er zunächst als Korrespondent des „Prager Tagblatts“ und seit 1938 als leitender Auslandsredakteur des „Exchange Telegraph“. Im selben Jahr erschien mit „All That Matters“ sein erster englischsprachiger Roman. In ihm wird die Geschichte eines nach Frankreich emigrierten „vierteljüdischen“ Schriftstellers erzählt, die nur im letzten Abschnitt von den Tatsachen von M.s eigener Biographie abweicht. Es folgte der Roman „Across the Dark River“ (1939), der, anknüpfend an eine in der „New York Times“ berichtete wahre Begebenheit, die Irrfahrt einiger burgenländischer Juden im österr. Dreiländereck nach dem Anschluß darstellt. 1939 wurde M. vom brit. Informationsministerium für die Betreuung der Nachrichtendienste vor allem für die Schweiz und Portugal angestellt. 1941 erhielt er die brit. Staatsbürgerschaft. 1944 wurde er als Mitarbeiter des Hauptquartiers der Alliierten Streitkräfte (SHAEF) nach Paris versetzt. Seit 1945 war er in Deutschland stationiert, betrieb als Presseoffizier die Gründung der „Süddeutschen Zeitung“ und danach in Berlin die des „Tagesspiegel“. Ende dieses Jahres war er als Berichterstatter bei den Nürnberger Prozessen tätig. Aus für die Prozesse bestimmten Akten zitierte er ausführlich im Band „Die Nürnberger Dokumente: Studien zur deutschen Kriegspolitik 1937-45“ (1947, engl. 1946) und öffnete damit eine wesentliche zeitgeschichtliche Quelle für das Verständnis der nationalsozialistischen Außenpolitik. Seit Anfang 1946 war M. Pressechef der brit. Kontrollkommission in Düsseldorf. Im selben Jahr wirkte er in Berlin bei der Gründung des „Telegraph“ mit sowie bei der der „Welt“ in Hamburg, deren Berliner Ausgabe er als Chefredakteur betreute. 1948 schied er aus dem brit. Staatsdienst aus und schrieb u. a. als Deutschlandkorrespondent sein „Berlin Notebook“ für den Londoner „Observer“. Im selben Jahr setzte er sich beim Kongreß des internationalen P.E.N. in Kopenhagen für die Wiederaufnahme Deutschlands ein. Ende 1949 kehrte er nach England zurück und arbeitete als Korrespondent des amerikan. Blattes „Die Neue Zeitung“. 1954-70 war er politischer und kultureller Berichterstatter für den Bayer. Rundfunk. In diesen Jahren entstanden Werke politischen, biographischen und kulturhistorischen Inhalts: Vor allem die Biographie „Erbe und Abenteuer, Die Jugend Winston Churchills (1874–1914)“ (1957, engl. u. d. T. „The Age of Churchill – Heritage and Adventure“, neu gefaßt u. stark erweitert 1961), „Zeitungsstadt Berlin“ (1959), die erste geschlossene Darstellung der publizistischen Bedeutung der ehemaligen Reichshauptstadt vor und nach dem 1. Weltkrieg, sowie die umfangreiche Monographie „S. Fischer und sein Verlag“ (1970). 1970 erwarb|M. erneut die deutsche Staatsbürgerschaft und übersiedelte nach München. Seit dieser Zeit widmete er sich überwiegend dem Leben und dem Werk Thomas Manns, mit dessen Familie er aufgrund der Freundschaft mit Klaus und Erika Mann seit 1926 vertraut war. Hervorzuheben sind vor allem die Biographie „Der Zauberer, Das Leben des deutschen Schriftstellers Thomas Mann“ und seine Edition von fünf Bänden der Mannschen Tagebücher.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. P.E.N. (1935, Vizepräs. d. dt. Sektion 1972–76), d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt (1972, Präs. seit 1975), d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (1974); Thomas-Mann-Preis d. Stadt Lübeck (1975);; Bayerischer Verdienstorden (1976); Ernst-Hoferichter-Preis d. Stadt München (1980); Gr. Bundesverdienstkreuz (1978).

  • Werke

    Weitere W u. a. Romane: Das Haus Cosinsky, 1934;
    Festung in d. Wolken, 1946 (amerikan. u. d. T.: Fortress in the Skies, 1943, engl. u. d. T.: The Hours and the Centuries, 1944, dt. Neufassung u. d. T.: Das Gedächtnis d. Zeit, 1974);
    Marianne, Der Roman e. Films u. d. Film e. Romans, 1954;
    Die Kathedrale, Ein Sommernachtsmahr, 1983 (nicht autorisierte Fassung). – Essays u. a. Schrr.: Japan's Political Warfare, 1944;
    Überlegungen, Vermischte Aufsätze, 1948;
    Der Zauberer, Drei Essays üb. Th. Manns „Doktor Faustus“ an e. Freund in d. Schweiz, 1948;
    Einhorn singt im Regen, Zauber u. Zwiespalt d. engl. Welt, 1952;
    Der Geist in d. Despotie, Versuche üb. d. moral. Möglichkeiten d. Intellektuellen in d. totalitären Ges., 1953 (üb. K. Hamsun, J. Giono, G. Benn, E. Jünger);
    Inselschicksal England, Schrittsteine d. Gesch., 1965;
    Das Gewissen u. d. Macht, Ein engl. Zwiegespräch, 1971 (teilweise ident. mit: Einhorn …, s. o.);
    Von dt. Repräsentanz, 1972 (üb. H. u. Th. Mann, G. Hauptmann, H. Hesse);
    Unterwegs mit Reiseschatten, 1977;
    Dankrede z. Verleihung d. Ernst-Hoferichter-Preises, 17. Jan. 1980, in: Neue Dt. Hh. 33, 1986, H. 1, S. 57-63. – Biogr.: President Roosevelt, 1938;
    Der Zauberer, Das Leben d. dt. Schriftst. Th. Mann, I, 1875-1918, 1975;
    dass., Jahre d. Schwebe: 1919 u. 1933, nachgelassene Kap. u. Reg., hrsg. v. A. v. Schirnding, 1992. – Hrsg.: Th. Mann, Briefwechsel mit seinem Verleger Gottfried Bermann Fischer, 1932–55, 2 Bde., 1973;
    ders., Ges. Werke in 13 Bdn., 1974 (mit H. Bürgin);
    ders., Briefe an Otto Grautoff 1894-1901 u. Ida Boy-Ed 1903–28, 1975;
    ders., Alfred Neumann, Briefwechsel, 1977;
    ders., Tagebücher, 1918–21, 1979, 1933-34, 1977, 1935-36, 1978, 1937-39, 1980, 1940-43, 1982;
    ders., Ges. Werke in Einzelbänden, 20 Bde., 1980 ff. (8 Bde. mit Nachwort v. M.). – Zahlr. Überss. aus d. Engl. u. Franz. sowie aus d. Franz. ins Engl. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: A. Naef, München.

  • Literatur

    K. Edschmid, in: Neue literar. Welt 3, 1952, Nr. 23, S. 2;
    E. Endres, Im Tukan-Kreis, in: Publikation 22, 1972, H. 6, S. 32;
    M. v. Brück, Ein großes Kap. dt. Lit., in: Neue Rdsch. 84, 1973, S. 332-35;
    W. Fehse, P. de M., Autorenporträt, in: Die Tat v. 21.11.1975, Beil. „Die literar. Tat“, S. 18;
    Unterwegs, P. de M. z. 70. Geb.tag. 1978 (FS d. S. Fischer-Verlags, darin: Kurzbiogr., W-Verz. mit Ausw. d. Btrr. in Sammelwerken u. Journalen v. K. W. Jonas, P);
    Jb. d. Dt. Ak. f. Sprache u. Dichtung, Darmstadt, 1978 (darin Btrr. v. J. Busche, R. Friedenthal, J. Kaiser);
    dass., 1982 (Gedenkworte v. H. Heckmann, M. Gregor-Dellin, J. H. Freund);
    O. Heider, in: Tribüne 21, 1982, H. 83, S. 38-40;
    Monika Mann, in: Neue Dt. Hh. 30, 1983, S. 442 (Würdigung d. Hrsg.tätigkeit);
    H. Spiel, Der Erzähler P. d. M., in: Die Kathedrale, 1983, S. 237-63 (s. W);
    F. Lennartz, Dt. Schriftsteller d. Gegenwart, 111978;
    Lex. d. dt.sprachigen Gegenwarts-Lit., hrsg v. H. Wiesner, 1981;
    BHdE II;
    Kosch, Lit.Lex.3;
    Killy.

  • Portraits

    Phot. in: Der Monat 1, 1948/49, Nr. 8/9, nach S. 64.

  • Autor/in

    Harry Pross
  • Empfohlene Zitierweise

    Pross, Harry, "Mendelssohn, Peter de" in: Neue Deutsche Biographie 17 (1994), S. 63-65 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118580752.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA