Lebensdaten
um 820 oder 825 bis vermutlich 888
Sterbeort
Fulda
Beruf/Funktion
Historiograph ; Mönch zu Fulda
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118579924 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meginhart von Fulda
  • Meginhard von Fulda
  • Meginhard
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Zitierweise

Meginhart, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118579924.html [13.11.2018].

CC0

  • Leben

    Während der Amtszeit des Abtes Hrabanus Maurus (822–42) in den Konvent von Fulda eingetreten, ist M. zwischen 845 und 867 im Skriptorium der Urkundenschreiber nachzuweisen, bis 855 als Diakon, danach als Priester. Schüler des berühmten Magisters Rudolf ( 865) gewesen zu sein, bezeugt M. in einer brieflichen Kommendation an den Fuldaer Priestermönch Sundarolt, den späteren Erzbischof von Mainz (889–91), den er darum bittet, die von Rudolf kurz vor seinem Tode begonnene und von M. abgeschlossene „Translatio s. Alexandri“ auf Stil und Grammatik hin durchzusehen. Der (vielleicht autographe) Brief und die Konzeptfassung des Translationsberichts sind in einer ehemals fuldischen Bibliothekshandschrift erhalten, die ihrem Vermerk Meginharti sum zufolge M. als Handexemplar gehört hat. In Fortsetzung von Rudolfs „Origo Saxonum“ berichtet M. davon, wie sich der Auftraggeber, Graf Waltbreht, Enkel des Sachsenführers Widukind, 850/51 um die Beschaffung von Reliquien aus Rom bemüht habe und welche Wunderheilungen auf dem Transport der Reliquien nach Wildeshausen (nahe Oldenburg) und ebendort geschehen seien. Orts- und Personenkenntnisse sowie die Insertion von drei Empfehlungsschreiben Kaiser Lothars I. lassen bei M. gründliche Informiertheit erkennen. Als Fortsetzer und Vollender der ostfränk. Reichsannalen („Annales Fuldenses“) von 863 bis 887 ist M. postuliert worden, desgleichen sein Aufenthalt in Mainz seit 869 – eine These, die heftigen Widerspruch fand und bislang weder bewiesen noch widerlegt werden konnte. Auch als Verfasser der klosterinternen Gebetsvereinbarung von 863 und als Fälscher von Papstprivilegien und Zehntdiplomen soll M. fungiert haben; zweifelsfreie Argumente aus Stilkritik und Diktatvergleich können hierfür allerdings nicht beigebracht werden. Für den Fall, daß M. tatsächlich die ihm geschriebenen Tätigkeiten ausgeführt hat, käme als Todesjahr 888 in Frage, andernfalls sind auch Todesjahre zwischen 868 und 884 möglich. Ob M. mit dem gleichnamigen Verfasser des Bleidenstädter „Sermo de sancto Ferrucio“ identifiziert werden kann, ist sehr fraglich. Der M. fälschlich zugeschriebene Traktat „De fide, varietate symboli, ipso symbolo et pestibus heresium“ stammt vom Bamberger Domscholaster Meinhard (2. Hälfte 11. Jh.).

  • Werke

    Translatio s. Alexandri (Forts.): B. Krusch, Die Übertragung d. H. Alexander v. Rom nach Wildeshausen durch d. Enkel Widukinds 851, Das älteste nd.sächs. Gesch.denkmal, in: Nachrr. d. Göttinger Ges. d. Wiss., II, 13, Phil.-Hist. Kl. 4, 1933, S. 405-36;
    Translatio s. Alexandri auctoribus Ruodolfo et Meginharto Fuldensibus, Landesbibl. Hannover Ms I 186, Mit e. Einführung v. H. Härtel, 1979. – Vielleicht Ann. Fuldenses (a. 863-887):
    Ann. Fuldenses, rec. F. Kurze (), 1891;
    in dt. Übers. neu bearb. v. R. Rau, 1969, S. 19-177.

  • Literatur

    ADB 21;
    F. Kurze, Üb. d. Ann. Fuldenses, in: NA 17, 1892, S. 83-158 (für M. als Fortsetzer d. Ann. Fuldenses);
    S. Hellmann, Die Entstehung u. Überlieferung d. Ann. Fuldenses, ebd. 33, 1907, S. 695-742;
    ders., Einhard, Rudolf, M., Ein Btr. z. Frage d. Ann. Fuldenses, in: HJb 34, 1913, S. 40-64 (ablehnend);
    P. Lehmann, Eine Fuldaer Hs., in: Festgabe O. Glauning, 1936, S. 140-44;
    E. E. Stengel, Fuldensia V, Die unechten Zehntprivilegien d. 9. Jh., in: Archiv f. Diplomatik 8, 1962, S. 12-67, bes. S. 36 ff., 60 ff.;
    K. Schmid, Die Nachfahren Widukinds, in: DA 20, 1964, S. 1-47, bes. S. 2 ff.;
    H. Löwe, Gesch.schreibung d. ausgehenden Karolingerzeit, ebd. 23, 1967, S. 1-30, bes. S. 5 f.;
    Die Klostergemeinschaft v. Fulda im früheren MA, hrsg. v. K|Schmid, 1978, Bd. 2, 1, S. 259 f.;
    M. Rathsack, Fuldaforfalskningerne, En retshistorisk analyse af klostret Fulda pavelige privilegier 751 – ca. 1158, 1980, S. 172 ff.;
    U. Hussong, Stud. z. Gesch. d. Reichsabtei Fulda b. z. Jahrtausendwende, in: Archiv f. Diplomatik 31, 1985, S. 1-225, bes. S. 170 ff.

  • Autor/in

    Eckhard Freise
  • Empfohlene Zitierweise

    Freise, Eckhard, "Meginhart" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 616 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118579924.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Meginhard, Mönch des Klosters Fulda im 9. Jahrhundert, war ein Schüler des berühmten Lehrers und Geschichtschreibers Rudolf. Es ist möglich, daß er dessen Annalen fortgesetzt hat; mit Sicherheit aber wissen wir nur durch eine Randbemerkung in der Originalhandschrift, daß er die von Rudolf begonnene Translatio S. Alexandri zu Ende führte, den Bericht über die Uebertragung dieser Reliquie von Rom nach Fulda im J. 851, wichtig vorzüglich deshalb, weil es Waltbraht, ein Enkel Widukind's, war, welcher den heiligen Alexander erworben hatte, und Empfehlungsbriefe des Kaisers Lothar für ihn an den Papst mitgetheilt werden. Ohne Grund ist die Zuverlässigkeit dieser Schrift verdächtigt worden von A. Wetzel: Die Translatio S. Alexandri. Eine kritische Untersuchung. Kiel 1881. — Außerdem ist von M. eine Predigt über den heiligen Ferrutius erhalten, welchen der Erzbischof Lull von Mainz nach Bleidenstadt übertragen hatte; der geschichtliche Gehalt derselben ist gering. — Es mag bei dieser Gelegenheit bemerkt werden, daß ein Meginfrid von Fulda, welchem auf die Autorität des Trithemius verschiedene Schriften beigelegt zu werden pflegen, zu den in neuerer Zeit nachgewiesenen Fictionen des gelehrten Abtes gehört und in Wirklichkeit nicht existirt hat.

    • Literatur

      Ausg. der Transl. Alexandri von Pertz, Mon. Germ. II, 673—681; vgl.
      Neues Archiv VII, 228. Uebers. von Richter, Berl. 1856.
      Sermo de S. Ferrutio bei Surius, Oct. 28. Mon. Germ. SS. XV.

  • Autor/in

    Wattenbach.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wattenbach, Wilhelm, "Meginhart" in: Allgemeine Deutsche Biographie 21 (1885), S. 182-183 unter Meginhard [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118579924.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA