• Genealogie

    V Ignaz, Dr. med., Medizinalrat, Distriktsarzt;
    M Lucia Kristof.

  • Leben

    Nach dem Tod des Vaters übersiedelte die Familie nach Laibach. Dort besuchte M. bis 1898 das Gymnasium. Anschließend studierte er Philosophie, Mathematik und Physik in Graz, wo er u. a. Schüler Alexius v. Meinongs, des Begründers der Gegenstandstheorie, war. 1903 wurde er zum Dr. phil. promoviert, die Prüfung für das höhere Lehramt legte er 1906 ab. Danach war er als Gymnasialprofessor in Graz tätig. 1913 habilitierte er sich dort für Philosophie. Während des Kriegsdienstes 1915-18 erkrankte er an Polyarthritis, die schließlich den dauernden Gebrauch von Krücken erforderlich machte. Seit 1918 vertrat er den pädagog. Lehrstuhl von E. Matinak und schuf die österr. Prüfungsstelle für berufliche Eignung. Nach dem Tode Meinongs 1920 übernahm er die Leitung des psychologischen Laboratoriums und wurde dessen Nachfolger auf dem Lehrstuhl für Philosophie (tit. ao. Prof. 1921, ao. Prof. 1923, o. Prof. 1925). 1942 wurde er wegen der Verschlimmerung seiner Krankheit vorzeitig emeritiert, setzte aber seine Lehrtätigkeit in regelmäßig tagenden philosophischen Zirkeln zu Hause fort. 1943 übersiedelte er nach Schwanberg, wo er bis zuletzt rastlos weiterarbeitete.

    Die erste Schaffensperiode M.s, die etwa bis 1923 reicht, ist gekennzeichnet durch den Versuch einer Synthese von kritisch beleuchteter Gegenstandstheorie mit der damals in den Anfängen stehenden Logistik (mathematischen Logik und Grundlagentheorie); diese Bemühungen finden in zahlreichen Aufsätzen ihren Niederschlag, etwa in „Gegenstandstheoretische Grundlagen der Logik und Logistik“ (1912). Er verwirft den erkenntnistheoretischen Idealismus zugunsten eines erkenntnistheoretischen Objektivismus: Das Denken erzeugt nicht seine Gegenstände, sondern diese sind jenem vorgegeben; ebenso verwirft er jede Form des gewaltsamen, transzendental-phänomenolog. Reduktionismus sowie den logischen Psychologismus. Diese Periode schließt mit einem bedeutenden Werk zur sog. deontischen Logik „Grundgesetze des Sollens, Elemente der Logik des Willens“ (1926), das neben dem Aufbau einer Formelaxiomatik auch eine philosophische Diskussion der einschlägigen werttheoretischen Probleme enthält; die strenge Scheidung von Sollensproblematik und Seinsproblematik wird von M. immer wieder betont. Die Philosophie der zweiten Periode, die ihren Niederschlag in dem Werk „Erlebnis und Wirklichkeit, Einleitung zur Philosophie der Natürlichen Weltauffassung“ (1935) findet, ist durch eine im Gegensatz zur eher statischen Wirklichkeitsauffassung Meinongs stehende ganzheitlich-dynamistische Interpretation der Wirklichkeit gekennzeichnet. Die dritte Periode dient dem Ausbau seiner Ideen. In „Wahrscheinlichkeit und Gesetz, Ein Beitrag zur wahrscheinlichkeitstheoretischen Begründung der Naturwissenschaft“ (1938) sucht er seine Wirklichkeitsphilosophie zu präzisieren. Sein pädagogisch-didaktisches Interesse führt zu der Schrift „Anfangsgründe der Philosophie, Leitfaden für den philosophischen Einführungsunterricht an höheren Schulen“ (1938).

    In seiner Schwanberger Zeit plante er ein 3bändiges Werk, das Logik, Wirklichkeitstheorie und Werttheorie umfassen sollte. Es wurden aber nur die „Logischen Schriften“ M.s von seinem Schüler Karl Wolf und von Paul Weingartner 1970 postum herausgegeben. Diese enthalten außer einem Neudruck der Schrift „Grundgesetze des Sollens“ das „Große Logik Fragment“ sowie die Abhandlungen „Formalismus I“ (Elementare Aussagenlogik), „Formalismus II“ (Logik der Erfüllbarkeit von Bestimmungen), „Formalismus III“ (Logik der Erfüllung von Bestimmungen). Enthält das Logikfragment eine Philosophie der Logik, in der u. a. die Begriffe von Sinn, Bedeutung, Bezeichnung, Gelten, Bestimmung, Determinat, Erfüllbarkeit diskutiert werden, so will M. in den Formalismen eine Logik frei von Existenzannahmen konstituieren. Er betont die Notwendigkeit, die extensionale Betrachtungsweise durch eine intensionale und die formale Betrachtungsweise durch eine inhaltlich-metalogische zu ergänzen. – M.s Verdienst liegt darin, daß er – ähnlich wie R. Carnap in Wien von der Position des Neopositivismus aus – zur Verbreitung der Logistik wesentlich beigetragen und ihre Anwendung auf philosophische Probleme propagiert hat.

  • Literatur

    K. Wolf, Die Spätphilosophie E. M.s, in: Wiss. u. Weltbild 5, 1952, H. 5, S. 45-53;
    ders., in: E. M., Logische Schrr., 1970 (Biogr.);
    R. Hipinen (Hrsg.), Deontic Logic, Introductory and Systematic Readings, 1971, S. 2-6;
    W. Stegmüller, Hauptströmungen d. Gegenwartsphilos. II, 61979, S. 157-60;
    R. Eisler, Philosophenlex., 1912;
    Kürschner, Gel.-Kal. 1940/41;
    Ziegenfuß;
    ÖBL.

  • Autor/in

    Curt Christian
  • Empfohlene Zitierweise

    Christian, Curt, "Mally, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 738 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118576828.html#ndbcontent

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