Lebensdaten
1499 bis 1552
Geburtsort
Lippendorf bei Leipzig
Sterbeort
Torgau
Beruf/Funktion
Nonne ; Ehefrau Luthers
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 118575430 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Katharina von Bora
  • Luther, Katharina (verheiratete)
  • Bora, Katharina von
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Zitierweise

Bora, Katharina von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118575430.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hans von Bora;
    M Katharina von Haugwitz;
    Wittenberg 13.6.1525 Martin Luther;
    3 S, 3 T.

  • Leben

    Nach dem frühen Tod der Mutter (1504) wurde B. in ein Kloster geschickt. 1523 gelang ihr mit anderen Nonnen die Flucht aus dem Kloster Nimbschen bei Grimma, wobei u. a. auch Luther behilflich war. Er ebnete ihr auch weiter die Wege zur Rückkehr in das bürgerliche Leben, indem er sie bei Wittenberger Familien unterbrachte. Als er seit Frühjahr 1525 daran dachte, sich zu verehelichen, heiratete er B., wobei u. a. Bugenhagen und L. Cranach Trauzeugen waren. Durch ihre große Tüchtigkeit und Schaffenskraft gelang es B., die Anforderungen, die an das gastfreie Haus des Reformators gestellt wurden, zu bewältigen. Wie ihre gelegentliche Beteiligung an den berühmten Tischgesprächen zeigt, fand sie daneben noch Zeit, an Luthers Streben und Mühen teilzunehmen, ohne daß wir aber einen Einfluß auf seine eigentliche theologische und reformatorische Arbeit annehmen dürfen. Immerhin hat er aber auf ihr Drängen dem Erasmus geantwortet in seiner Schrift: De servo arbitrio. Auch nach dem Tode Luthers führte B. zur Versorgung der vier Kinder (zwei waren vorher gestorben) das große Haus mit der Burse weiter.

  • Literatur

    ADB III;
    A. Thoma, K. v. B., 1900;
    C. L. Deutler, Katherine Luther of the Wittenberg Personage, Philadelphia 1924;
    H. Boehmer, Luthers Ehe, in: Jb. d. Luther-Ges., 1925, S. 40-76;
    E. Kroker, K. v. B., 41939;
    PRE (L);
    RGG;
    LThK;
    Enc. Catt. III (L).

  • Portraits

    Grabstein in d. Stadtkirche Torgau;
    Ölgem. v. L. Cranach (Kaiser Friedrich-Mus. Berlin u. Öffentl. Kunstslg. Basel);
    s. a. Singer II III, 1938, Nr. 21 997-22 004.

  • Autor/in

    Oskar Thulin
  • Empfohlene Zitierweise

    Thulin, Oskar, "Bora, Katharina von" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 454 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118575430.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bora: Katharina von B., Luther's Gattin, geb. 29. Januar 1499, 20. December 1552, stammte aus einem meißnischen Geschlechte von altem Adel, das aber damals, wie es scheint, in bescheidenen äußeren Umständen sich befand. Ohne Grund ist die Meinung, daß ihr Geschlecht mit dem schlesischer Herren von Borau oder Bora zusammengehangen habe. Näheres über ihre Eltern und ihren Geburtsort läßt sich nicht feststellen. Sie wurde schon als Kind, 1508 oder 1509, ins Kloster Nimtsch bei Grimma gebracht, wo sie 1515 als Nonne eingesegnet wurde. Hier befand sich damals bereits seit längerer Zeit eine Tante von ihr, die später als „Muhme Lene“ in Luther's Haus gelebt hat. Als Luther's Lehre von der Nichtverbindlichkeit und Verwerflichkeit der Mönchsgelübde in ihr Kloster drang, wünschte sie mit einer Anzahl anderer Nonnen aus demselben loszukommen. Neun derselben, worunter Katharina, entflohen, nachdem sie vergebens die Hülfe ihrer Verwandten angerufen, mit dem Beistand des Torgauer Bürgers Leonhard Koppe in der Nacht vor dem auf den 5. April fallenden Osterfeste 1523 und kamen nach Wittenberg. Luther verschaffte hier Katharinen ein Unterkommen im Hause Philipp Reichenbach's, nachmaligen Stadtschreibers und Bürgermeisters, und suchte seit dem folgenden Jahr sie einem seiner Freunde zu vermählen. Dem Geistlichen Glatz in Orlamünde aber, dem er sie zudachte, war sie so abgeneigt, daß sie in ihrer Noth Luther's Vertrauten Amsdorf bat, diesen hiervon abzubringen, und ihm bekannte: wenn er selbst oder Luther eine ehrsame Ehe mit ihr eingehen wollte, wäre sie hierzu bereit. Da nahm Luther, der seit dem Frühjahr 1525 an seine eigene Verehelichung zu denken anfing, sie wirklich zur Gattin, indem er, wie er später einmal äußert, sich der Verlassenen erbarmte. Nachdem er seinen Entschluß festgestellt, führte er ihn, um jedes Gerede und Einreden abzuschneiden, plötzlich am 13. Juni aus: er ließ sich vor wenigen Zeugen in seiner Wohnung durch den Wittenberger Stadtpfarrer Bugenhagen mit Katharina (nach dem damaligen Ausdruck) „zusammengeben“, feierte jedoch — wie er sagt, zur öffentlichen Versieglung seines Ehebundes — am 27. Juni auch noch eine solenne Hochzeit vor Gästen von Nah und Fern. Die Heirath wurde so mit Vorbedacht in damals üblicher Form vollzogen, obgleich spätere Gegner dennoch vorgegeben haben, sie sei nie ordentlich geschlossen worden. — Luther war hernach glücklich, „ein fromm, getreu Weib gefunden zu haben, auf welche sich des Mannes Herz verlassen könne“. Aus ihrer Ehe entsprangen drei Söhne und drei Töchter. Katharina zeigte bei treuer Hingabe an Mann und Kinder, redlicher Fürsorge für ihren oft leidenden Gatten und rüstiger Verwaltung eines großen und unruhigen Hauswesens mehr einen kräftigen, als einen weiblich zarten Charakter, und keine hervorragende geistige Bildung, aber gesunden Verstand. Als Hauptfehler hat man ihr Hochmuth und Herrschsucht vorgeworfen; Luther selbst hatte sie deshalb schon vor seiner Verlobung im Verdacht und äußerte auch später offen, daß etwas daran sei. Aber die eheliche Liebe und Eintracht siegte über diesen Zug bei ihr und nicht minder über die seiner eigenen Natur eigene Heftigkeit so, daß auch böswillige Beobachter nie eine Störung ihres ehelichen Verhältnisses wahrnehmen konnten. — Nach Luther's Tod kamen über sie und ihre Kinder, von denen zwei Mädchen vorher gestorben waren, schwere und demüthigende Sorgen. Luther's Hinterlassenschaft war an sich nicht unbedeutend; ihr Ertrag reichte aber unter den Drangsalen des schmalkaldischen Kriegs für seine Familie doch nicht aus; die Güter wurden mit Abgaben überlastet; die vom sächsischen Kurfürsten und vom König von Dänemark zugesagten regelmäßigen Unterstützungen gingen nicht ein. Katharina mußte durch Aufnahme von Kostgängern in ihr Haus sich ihr|nothürftiges Auskommen suchen. Während des Krieges flüchtete sie aus Wittenberg, Kopenhagen zu, konnte jedoch bald zurückkehren. Als im J. 1552 die Universität wegen einer Pest nach Torgau wegzog und auch sie mit ihren Kindern dorthin reisen wollte, zog sie sich unterwegs, da die Pferde scheu wurden, durch einen Sprung aus dem Wagen und Fallen in kaltes Wasser eine Krankheit zu, an deren Folgen sie in Torgau am 20. December starb.

    • Literatur

      Siehe das Material bei F. G. Hofmann, Kath. v. Bora, 1845 (nicht genug kritisch gesichtet), und bei Seidemann in Luther's Briefen, herausg. v. de Wette etc., B. VI. S. 647 ff., 677 und in Lauterbach's Tagebuch 1872, S. 162 ff. Anm.; ferner Köstlin, M. Luther, Bd. II. S. 654.

  • Autor/in

    Köstlin.
  • Empfohlene Zitierweise

    Köstlin, "Bora, Katharina von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 3 (1876), S. 151-152 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118575430.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA