Lebensdaten
1890 bis 1974
Geburtsort
Brünn
Sterbeort
Wien
Beruf/Funktion
Theaterregisseur ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118574523 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Müller, Ernst Lothar (bis 1910)
  • Lothar, Ernst
  • Müller, Ernst Lothar (bis 1910)
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Zitierweise

Lothar, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118574523.html [17.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Josef Müller ( 1933), Dr. iur., Richter;
    M Johanna Wohlmuth;
    Groß-Om Eduard Hanslick ( 1904), Musikkritiker u. -schriftsteller (s. NDB VII);
    B Hans Müller-Einigen (1882–1950), Schriftsteller, Dramaturg (s. Giebisch-Gugitz);
    - 1) 1914 Maria Renaudes, 2) 1933 Adrienne Gessner (* 1896), Schauspielerin (s. BHdE);
    2 T aus 1).

  • Leben

    L. maturierte in Wien und wurde dort nach dem Jurastudium 1914 zum Dr. iur. promoviert. Noch vor Abschluß des Studiums veröffentlichte er Erzählungen sowie zwei Bände Lyrik (einige seiner Gedichte wurden von E. W. Korngold vertont). Nach kurzem Dienst im 1. Weltkrieg war L. als Staatsanwalt in Wels tätig, und nach dem schwer verwundenen Untergang der Donaumonarchie trat er als Sektionsrat in das österr. Handelsministerium ein. Dort befolgte er Stefan Zweigs Rat, durch Verwaltungstätigkeit das kleingewordene Österreich größer zu machen. Früchte seines „Dichtens in Akten“ waren u. a. die Eröffnung der ersten Wiener Messe, die Umwandlung der alten Exportakademie in die Hochschule für Welthandel sowie die Schaffung der rechtlichen Grundlage für die Salzburger Festspiele. Bereits 1924 ließ sich L. als Hofrat pensionieren, um als Theaterkritiker der „Neuen Freien Presse“ und Gastregisseur am Burgtheater zu wirken. Nachdrücklich setzte er sich in diesen Jahren für das Werk Arthur. Schnitzlers ein. 1935 wurde er Direktor und Nachfolger Max Reinhardts am „Theater in der Josefstadt“. Beachtlichen Erfolg hatte er auch als Autor, z. B. mit Romanen wie „Der Hellseher“ (1929), „Kleine Freundin“ (1931) und „Mühle der Gerechtigkeit oder Das Recht auf den Tod“ (1933).

    Nach dem Anschluß Österreichs 1938 ging L. seiner jüd. Herkunft und politischen Einstellung wegen in die Emigration. Sein Weg führte ihn 1938 in die Schweiz und nach Frankreich, 1939 in die Vereinigten Staaten, wo er in New York zusammen mit Raoul Auernheimer ein „Austrian Theatre“ gründete. L. unternahm in den USA zahlreiche Vortragsreisen und wirkte 1940-44 als Dozent für vergleichende Literaturgeschichte und Theaterwissenschaft am Colorado College. Seine im Exil entstandenen Romane „A Woman Is Witness“ (1941, dt. 1951 u. d. T. Die Zeugin, Pariser Tagebuch einer Wienerin) und „Beneath Another Sun“ (1943, dt. Unter anderer Sonne, Roman d. Südtiroler Schicksals, 1961) fanden in Amerika viele Leser. Im Roman „The Angel With the Trumpet“ (1944, dt. Der Engel mit der Posaune, 1945 u. ö.), der die Geschicke einer Wiener Familie mit jüd. Mitgliedern seit der Mitte des 19. Jh. behandelt, suchte er für amerikan. Leser ein vorurteilsfreies Bild vom Österreich zur Zeit des Anschlusses zu geben. Die deutsche Version dieses Buchs fand ein außerordentliches Echo; sie wurde 1948/49 unter demselben Titel auch verfilmt.

    Im Mai 1946 reiste L., der die amerikan. Staatsbürgerschaft erworben hatte, in staatlichem Auftrag nach Wien, um an der Erneuerung des kulturellen Lebens in Österreich mitzuwirken. Besondere Verdienste erwarb er sich im selben Jahr um den Wiederaufbau der Salzburger Festspiele. 1948 kehrte er mit seiner Frau endgültig nach Wien zurück und nahm die österr. Staatsbürgerschaft wieder an. 1949 hat er in seinem Roman „Die Rückkehr“ einer gewissen Enttäuschung über das Österreich der Nachkriegszeit Ausdruck verliehen. In der in den 50er Jahren in Österreich und der Bundesrepublik geführten Diskussion über einen Boykott der Stücke Brechts, der in Österreich vor allem durch Friedrich Torberg und Hans Weigel durchgesetzt worden war, nahm L. entschieden gegen einen Boykott Stellung. In den letzten Lebensjahren entfaltete er eine reiche Tätigkeit als Kritiker sowie als Regisseur am Zürcher Schauspielhaus, an den Münchener Kammerspielen, bei den Salzburger Festspielen und am Wiener Burgtheater, an dem er seit 1953 ständig tätig war.|

  • Auszeichnungen

    Preis d. Stadt Wien (1963).

  • Werke

    Weitere W u. a. Gedichte: Der ruhige Hain, 1910;
    Die Rast, 1912. -
    Romnne: Der Feldherr, 1918;
    Macht üb. alle Menschen, 1921-25 (Trilogie);
    Heldenplatz, 1945. -
    Novellen u. Erzz.: Die Einsamen, 1912;
    Triumph d. Gefühls, 1925;
    Drei Tage u. e. Nacht, 1927;
    Gottes Garten, Ein Buch v. Kindern, 1927 (u. d. T. Kinder, Erste Erlebnisse, 1932);
    The Door Opens, 1945 (dt.: Die Tür geht auf, Notizbuch d. Kindheit, eingel. v. F. Schreyvogl, W-Verz.);
    Das Weihnachtsgeschenk, 1954. -
    Essays: Österr. Schrr., 1916;
    Nähe u. Ferne, 1937;
    Die bessere Welt, 1955;
    Macht u. Ohnmacht d. Theaters, 1968. -
    Autobiogr.: Das Wunder d. Überlebens, 1960 (bis 1946, darin: Österr. Emigrantenlied, 1938). - W-Verz.:
    G. v. Wilpert u. A. Gühring, Erstausgg. dt. Dichtung 1600-1960, 1966.

  • Literatur

    H. Waldner, Das Theater in d. Josefstadt v. L. bis Steinböck, Diss. Wien 1949 (ungedr.);
    O. M. Fontana, in: Wort in d. Zeit 6, 1960, S. 8-14;
    E. Rollett, in: Maske u. Kothurn 8, 1962, S. 149-52;
    H. Zohn, Wiener Juden in d. Lit., 1964, S. 83-88;
    H.-C. Wächter, Theater im Exil, 1973;
    Internat. Bibliogr. z. Gesch. d. dt. Lit., II, 2, 1972;
    Kürschner, Lit.-Kal., 1973;
    Kindlers Lit.gesch. d. Gegenwart, Die zeitgenöss. Lit. Österreichs, hrsg. v. H. Spiel, 1976 (P);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    BHdE II.

  • Autor/in

    Harry Zohn
  • Empfohlene Zitierweise

    Zohn, Harry, "Lothar, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 15 (1987), S. 232 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118574523.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA