Lebensdaten
1832 bis 1928
Geburtsort
Haigerloch (Hohenzollern)
Sterbeort
Kloster Beuron (Hohenzollern)
Beruf/Funktion
Benediktiner ; Maler ; Architekt ; Bildhauer
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118571672 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lenz, Desiderius (Ordensname)
  • Lenz, Peter
  • Lenz, Desiderius (Ordensname)
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Zitierweise

Lenz, Peter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571672.html [10.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (1800–49), Tischlermeister;
    M Magdalena Lechleitner (1803–55).

  • Leben

    L.s künstlerische Bedeutung beruht in den von ihm seit 1864 formulierten Grundprinzipien einer grundsätzlichen Erneuerung der bildenden Kunst, die in Programm und Stil maßgeblich die Intentionen der europ. Avantgarde nach 1890 (Symbolismus, Jugendstil und Abstraktion) vorwegnahmen.

    Nach einer Lehre in der väterlichen Schreinerwerkstatt bezog L. 1850 als Schüler von Max v. Widnmann und später von Wilhelm v. Kaulbach die Akademie der Bildenden Künste in München. Nach Tätigkeiten am Hofe von Meiningen 1855/56, wiederum in München als freier Bildhauer und seit 1859 als Professor für Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Nürnberg brach L. 1862 eine von zunehmendem Erfolg begleitete Tätigkeit als Bildhauer spätklassizistischer und neugotischer Stilrichtung ab, um durch Fürsprache seines Förderers Peter Cornelius ein preuß. Staatsstipendium zu einem Italien-Aufenthalt anzutreten. Eine tiefgreifende Krise in seinem Schaffen führte seit 1864 zum engen Anschluß an den päpstl. Ultramontanismus. Die Begegnung mit Werken altägypt. Kunst brachte ihn zur Formulierung einer radikal neubestimmten Kunstauffassung, die mit dem jahrhundertelang unumstrittenen Prinzip der Naturnachahmung in der bildenden Kunst brach und besonders für die religiöse Thematik eine „abstrakte“, „mathematische“ Darstellungsweise forderte.

    Erste Werke L.s in der Programmatik eines solchen abstrahierend-geometr. Stils waren eine 1864 in Rom entstandene Gipsskulptur einer Pietà (nur im Photo nachgewiesen) und sich anschließende Entwürfe zu einer tektonisch-flächenbezogenen Wandmalerei. Seit 1866, während eines Aufenthalts in Südtirol als zeitweiliger Leiter eines Marmorbruches in Laas-Schlanders, entstanden erste Entwürfe zu einem „Idealkirchenplan“, in denen L. die stilisierte Tektonik seiner Bildentwürfe in einem aus der Architektur abgeleiteten Gesamtkunstwerk zusammenzufassen suchte. Der Auftrag zum Bau einer Maurus-Kapelle in der Nähe des Benediktinerklosters Beuron (Hohenzollern) bedeutete für L. 1868-70 die erstmalige Realisierung seiner neugewonnenen Kunstauffassungen, bei der er allerdings aufgrund der Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Freund Jakob Wüger vielfältige Kompromisse eingehen mußte. Weitere wegweisende Entwürfe zu christlichen Bildmotiven (Pietà 1871, „Isis-Madonna“ 1872), zum Idealkirchenplan und zu einer geometrisch stilisierten Darstellung der menschlichen Gestalt („Kanon“) entstanden 1870-72, als L. als freischaffender Künstler in Berlin und Nürnberg lebte. Sein Anschluß an das Kloster Beuron 1872 nach einer zweiten, gescheiterten, Verlobung erfolgte, weil er dort die beste Chance zur Realisierung seiner künstlerischen Auffassungen, die zu ihrer Zeit isoliert standen, gegeben sah. Nach weiteren wegweisenden Schöpfungen („Madonna mit der Kugel“, 1873; Entwürfe: Herz-Jesu-Bild 1872, Engelszyklus 1874, Umgestaltung des Klosters Beuron 1872–75) scheiterte diese Hoffnung jedoch 1874 am Verdikt der Beuroner Klosterleitung über L.s mit der altägyptischen Stilsprache verwandte Kunstauffassung. Obwohl in der nachfolgenden Ausbildung der „Beuroner Kunst“ der Stil von Jakob Wüger die Oberhand gewann, schloß sich L. 1878 bindend den Beuroner Benediktinern an (Subdiakonatsweihe 1891), um die großen Beuroner Ausstattungsarbeiten in der Torretta des Klosters Monte Cassino (1876–80), im Prager Emmaus-Kloster (1880–86) und im Kloster St. Gabriel in Prag (1891–99) zu leiten. Erst dort und bei der Ausstattung der Krypta von Monte Cassino (1899–1913) gelang es L., stilistisch wieder Anschluß an die Radikalität seines Werkes der Jahre 1864-74 zu finden. Seit 1895 entdeckte die europ. Avantgarde, insbesondere der Kreis der franz. Nabis (Emile Bernard, Maurice Denis, Paul Sérusier) und Symbolisten (Joris-Karl Huysmans) und der Jugendstil (Ausstellung der|Werke L.s in der Wiener Sezession 1905) den Vorläuferrang des Werkes von L. Der damaligen, bis etwa 1930 anhaltenden Popularität der „Beuroner Kunstschule“, die er initiiert hatte, stand L. jedoch fern. In den letzten Jahrzehnten seines Lebens beschäftigte er sich monoman fast ausschließlich mit einer Ausarbeitung seiner Spekulationen über die „ästhetische Geometrie“, den „Kanon“ und den Idealkirchenplan, ohne allerdings seine Aufzeichnungen dazu in abschließende Gestalt kleiden zu können.

  • Werke

    Weitere W u. a. Relieftondo Hl. Fam., 1857 (Beuron, Klosterarchiv);
    Skulptur e. Pietà, 1858/59 (Verbleib unbek.);
    Restaurierung v. 3 Kreuzwegstationen Adam Krafts in Nürnberg, 1859-62;
    2 Grabmäler auf Nürnberger Friedhöfen, 1862;
    -Entwürfe: Kapelle in Korschellen (Ostpr.), 1866 f.;
    Altar in S. Alfonso, Rom;
    Friedhofseinfassung in Schlanders/Südtirol 1866-68;
    - Skulptur e. Hl. Fam., 1872-74 (Kolpinghaus Stuttgart);
    Tabernakel f. d. Beuroner Hochaltar, 1874 (Beuron, Klosterarchiv);
    Ausstattung e. Notkirche in Meßkirch, 1875;
    zahlr. Zeichnungen in den „Ateliermappen“ sowie in d. Skizzen- u. Notizbüchern v. L. im Klosterarchiv Beuron. - Schriften (gedr.):
    Zur Ästhetik d. Beuroner Schule, 1898, 21927 (franz. u. holländ. Überss.);
    Ästhetik, Geometrie u. kirchl. Kunst, 1914 (nicht ausgeliefert);
    Der Kanon, in: Benediktin. Mschr. 3, 1921, S. 363-77;
    Weiteres b. H. Siebenmorgen, Beuroner Kunstschule, 1983, S. 266 f., 269-80. -
    Ungedr. Mss. in d. Klosterarchiven Beuron, St. Hildegard (Rüdesheim-Eibingen), u. Maria Laach.

  • Literatur

    Beuroner Bibliogr. 1863-1963, 1963, S. 83 f., 161-64;
    G. Schwind, P. D. L., 1932;
    M. Dreesbach, in: StMBO 68, 1957, S. 95-183;
    dies., ebd. 69, 1958, S. 5-59;
    H. Siebenmorgen, Die Beuroner Kunstschule, P. L. (P. Desiderius) u. s. Mitarbeiter, in: das münster, 1977, S. 20-36;
    ders., P. (P. Desiderius) L., d. Begründer d. „Beuroner Kunstschule“, 1832-1928, Ausst.kat. Haigerloch, 1978;
    ders., Die Anfänge d. „Beuroner Kunstschule“, P. L. u. Jakob Wüger 1850–75, Ein Btr. z. Genese d. Formabstraktion in d. Moderne, 1983;
    DBJ X (Tl. 1928, L).

  • Portraits

    Ölgem. v. A. Huber, 1854 (Beuron, Klosterarchiv), Abb. b. H. Siebenmorgen, 1983, s. L;
    Zeichnung v. J. Wüger, 1860 (ebd.), Abb. b. H. Siebenmorgen, 1978, s. L;
    Phot. 1864/70/72 (ebd.), Abb. ebd.;
    Film „Der Meister v. Beuron“, 1926 (Kopie im Bundesarchiv Koblenz).

  • Autor/in

    Harald Siebenmorgen
  • Empfohlene Zitierweise

    Siebenmorgen, Harald, "Lenz, Peter" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 234 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571672.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA