• Genealogie

    Aus Tiroler Fam.;
    V Alfred ( 1911), Bahnbeamter in I., S e. Arztes aus d. Etschtal;
    M Marie Haas ( 1906);
    Innsbruck 1925 Gretl Ritter, aus Liechtenstein;
    2 S (1 ⚔), 1 T.

  • Leben

    Nach der Kriegsmatura in Innsbruck wurde L. 1915 als Soldat zu den Tiroler Kaiserjägern eingezogen. Nach dem Ende des Weltkriegs studierte er an der Univ. Innsbruck zunächst Germanistik, dann Jura (Dr. iur. 1925), absolvierte aber daneben schon 1921 eine Ausbildung zum Volksschullehrer. Diesen Beruf übte er seit 1922 aus, bis 1929 in Tiroler Dorfschulen, danach bis 1939 als Hauptschullehrer in Innsbruck. Unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg, den L. als Hauptmann vorwiegend in der Ukraine miterlebte, wurde er zum Stadtschulinspektor in Innsbruck ernannt.

    L. begann als Lyriker. Die expressive Bildwelt Georg Trakls wurde für ihn zum bestimmenden Eindruck. Nach einer Lesung L.s in Innsbruck (1921) nahm ihn Ludwig v. Ficker, der Herausgeber der Zeitschrift „Der Brenner“ und Förderer Trakls, in den Brenner-Kreis auf und veröffentlichte in seinem Verlag auch L.s erstes Buch „Gedichte“. Trakl blieb für L. das als wahlverwandt empfundene Vorbild. Auch eine seiner letzten Arbeiten, die Studie „Die Trakl-Welt“ (in: Wort im Gebirge, 1951), galt diesem Dichter.

    Zeitlebens hat L. sich als „Tiroler Dichter“ verstanden. Der enge Zusammenhang von Herkunft, Leben und Werk dokumentiert sich in der von empfindsamer Naturnähe und traditionellem Formbewußtsein gleichermaßen geprägten Lyrik ebenso wie in den Erzählungen und den autobiographischen und essayistischen Prosaarbeiten. Der Titel von L.s zweitem Gedichtband, „Musik der Landschaft“ (1934), bezeichnet ein Hauptmotiv seines Gesamtwerks und deutet zugleich den liedhaften Reiz seiner Lyrik in dieser Zeit an. Die enge Verbundenheit mit Landschaft und Heimat bestimmt auch L.s beide Romane. „Kinderlegende“ (1934) ist die auf ein historisches Ereignis in Meran zurückgehende Geschichte eines Hirtenjungen, der seiner magischen Naturverbundenheit wegen als „Hexer“ verdächtigt und auf Grund eines Urteils der Inquisition verbrannt wird. In „Christian und Brigitte“ (1936) erzählt L. die autobiographisch geprägte Geschichte eines Volksschullehrers, in dessen innerer Ratlosigkeit sich für ihn der Umbruch des bäuerlichen Lebens und die Krise einer Epoche spiegeln. Solche Zeitbezüge waren auch der Anlaß für zahlreiche Gedichte der 1938 erschienenen Sonettensammlung „Läuterungen“. L.s bedeutendste literarische Leistungen sind zwei autobiographische Arbeiten der späteren Zeit: Die 1942 unter dem Titel „Am Rande des Kriegs“ erschienenen „Aufzeichnungen aus der Ukraine“ geben lebensvolle Charakterbilder der Menschen und der Landschaft dieses Gebiets; in der Chronik seiner eigenen Kindheit „Das unversehrte Jahr“ (1948) zeichnet er ein genaues und melancholisches Bild der ländlichen Lebenswelt Österreichs in den Jahrzehnten vor dem Ersten Weltkrieg.|

  • Auszeichnungen

    1950 erhielt L. als erster den Österr. Staatspreis für Literatur.

  • Werke

    Weitere W u. a. Gedichte: Vita somnium breve, 1920-40, 1943;
    Lebenszeichen, 1951;
    Sämtl. Gedichte, hrsg. v. H. Graf, 1953. -
    Prosa: Brief üb. d. Süden, 1941;
    Kleine Erzählungen, 1951;
    Abschied u. fernes Bild, hrsg. v. F. Punt, 1959 (Erzz. u. Essays, vollst. W-Verz.). - Hrsg.: Wort im Gebirge, 1948-1952 (mit F. Punt u. H. Lechner).

  • Literatur

    F. Punt, in: Wort im Gebirge 5, 1953, S. 11-51;
    H. Schinagl, Das Landschaftserlebnis b. J. L., Diss. Innsbruck 1954 (ungedr., W, L);
    J. Wolf, J. L., Leben u. Werk, 1966 (W, L);
    L. v. Ficker, Am Grabe J. L.s (1952), in: ders., Denkzettel u. Danksagungen, 1967, S. 182-84;
    H. Schink, Das Menschenbild in d. Werken J. L.s, Diss. Salzburg 1970 (ungedr.);
    I. Zangerle, J. L., in: Lit. u. Kritik, 1977, S. 544-46;
    Kunisch;
    K. F. Stock u. a., Personalbibliogrr. österr. Dichter u. Schriftsteller, 1972;
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936-70;
    Kosch, Lit.-Lex.

  • Portraits

    in: N. Langer, Dichter aus Österreich, 1956.

  • Autor/in

    Rudolf Radler
  • Empfohlene Zitierweise

    Radler, Rudolf, "Leitgeb, Josef" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 168 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118571400.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA