Lebensdaten
1876 bis 1956
Geburtsort
Landsberg/Lech
Sterbeort
Füssen
Beruf/Funktion
Generalfeldmarschall
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118570870 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Leeb, Wilhelm (bis 1916)
  • Leeb, Wilhelm Ritter von
  • Leeb, Wilhelm (bis 1916)
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Zitierweise

Leeb, Wilhelm Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118570870.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Emil (s. 1);
    - Augsburg 1912 Maria Schrott (1891–1959), T d. Ernst Rr. v. Schrott (1860–1933), bayer. Gen. d. Kav., u. d. Clara Martini;
    3 S (1 ⚔).

  • Leben

    L. ging aus dem 4. Feldartillerie-Rgt. „König“ (Augsburg) hervor. Der gebildete, selbstbewußte, dabei bescheidene, ja verschlossen wirkende Offizier war im Anschluß an die Ausbildung an der Münchner Kriegsakademie (1903–06) 1907-11 und wieder seit Jan. 1914 Generalstabsoffizier. Der Truppendienst war ihm vertraut aus seiner Augsburger Zeit sowie seiner Verwendung|als Zugführer bei der 1. Gebirgsbatterie des ostasiat. Feldartillerie-Rgt. im Expeditionskorps in China 1900/01 und als Batteriechef im 10. Feldartillerie-Rgt. (Erlangen) seit März 1912. Im Generalkommando des I. bayer. Armee-Korps arbeitete L. bis Frühjahr 1915 auf dem Quartiermeistergebiet und dann als 1. Generalstabsoffizier der 11. bayer. Infanterie-Division, die auf beinahe allen Kriegsschauplätzen erfolgreich kämpfte (1916 Major). Der Kommandeur, Generalleutnant Ritter v. Kneußl, schlug ihn zur Aufnahme in den bayer. Militär-Max-Joseph-Orden vor, dessen Großkanzler L. 1954 werden sollte. Seit Ende Mai 1917 wurde er im Oberkommando der von Kronprinz Rupprecht v. Bayern befehligten Heeresgruppe verwendet. Von den gewichtigen militärischen Entscheidungen des letzten Kriegsjahres meist ferngehalten und mit kriegsgeschichtlichen Studien beauftragt, erlebte er tief erschüttert das Scheitern der Frühjahrsoffensive 1918, die Vernichtung seiner alten Division im Juli, den Zusammenbruch und die revolutionäre Umwälzung. In verantwortungsvollen Dienststellungen (1919–21 Referent im Reichswehrministerium/T 1; nach dem Kapp-Putsch Chef des Stabes im Wehrkreis II/Stettin; nach dem Hitler-Putsch in gleicher Verwendung im Wehrkreis VII/München) wirkte L. pflichtbewußt mit viel Wirklichkeitssinn und besonnen handelnd am Aufbau und der inneren Festigung des Reichsheeres mit. Auf Ausbildung und Prägung junger Offizierkorps nahm er 1924-28 unmittelbar Einfluß als Abteilungs- und Regimentskommandeur (Wehrkreisbefehlshaber) des Artillerie-Rgt. 7. Höhepunkte seiner bemerkenswerten Karriere in den Friedensjahren waren die Verwendungen als Divisionskommandeur in München 1930-33 (7. Division/Wehrkreis VII) und als Oberbefehlshaber der Gruppe 2 (Kassel) 1933–38. Daß das 100 000-Mann-Heer kaum imstande war, die Verteidigung des Reiches zu gewährleisten, geschweige denn die „Fesseln des Friedensvertrages“ abzuschütteln, wie er es 1924 formulierte, war seine feste Überzeugung. In einer zunächst wenig beachteten Veröffentlichung über „Die Abwehr“ (1938, amerik. 1943, span. 1946) bezeichnete L., indem er sich auf geschickt ausgewählte Beispiele aus dem 1. Weltkrieg stützte, die Verteidigung als „Spiegelbild unserer politischen und militärischen Lage“. Seine Distanz gegenüber der nationalsozialistischen Herrschaft wurde durch die peinlichen Umstände seiner Entlassung Ende Febr. 1938 (im Zusammenhang mit der Entlassung des Reichskriegsministers v. Blomberg und des Oberbefehlshabers des Heeres, Frhr. v. Fritsch) und angesichts der zunehmenden Verfolgung der Kirchen verstärkt.

    Zu Beginn des 2. Weltkriegs reaktiviert und als Oberbefehlshaber der Westfront eingesetzt, unternahm er bedeutende, aber vergebliche Anstrengungen, um die Fortsetzung des Krieges zu verhindern und trat entschieden gegen den sich ausdehnenden Anspruch der NSDAP in seinen Befehlsbereich auf. Nach dem geglückten Übergang über den Oberrhein (7. Armee) und dem erfolgreichen Durchbrechen der Maginot-Befestigungen (1. Armee) ließ L. (19.7.1940 Generalfeldmarschall) die Kämpfe alsbald einstellen, um unnötige Verluste zu vermeiden. Im Rußlandfeldzug kam es nach anfänglichen Erfolgen der von ihm befehligten Heeresgruppe Nord im Angriff auf Leningrad im Winter 1941/42 zu einem schweren Zerwürfnis mit Hitler, vordergründig über operative Fragen. Die ihm anläßlich seines 65. Geburtstages (5.9.1941) von Hitler zuteil gewordene Dotation hat seine in tiefem christlichen Verantwortungsgefühl wurzelnde Unabhängigkeit als militärischer Führer nicht eingeschränkt. L. erzwang seine Entlassung (16.1.1942 Führerreserve Oberkommando des Heeres) und wurde – anders als die Feldmarschälle v. Rundstedt und v. Bock – nicht wieder verwendet. – Seit dem 2.5.1945 bis zur Entlassung aus dem Gefängnis am 29.10.1948 befand sich L. in amerikan. Gewahrsam als Kriegsgefangener, Internierter und Angeklagter im Nürnberger Fall 12 („OKW-Prozeß“). Seine Verurteilung am 27./28.10.1948 zu drei Jahren Haft wegen Weiterleitung des „Barbarossa-Kriegsgerichtsbarkeitsbefehls“ (13.5.1941) beruhte auf einer Dokumentenverwechslung, konnte aber nicht mehr korrigiert werden. Das Gericht stellte aber eindeutig fest, daß nicht ein einziger verbrecherischer Befehl als Beweisurkunde vorgelegt worden ist, der seine Unterschrift oder ein Zeichen seiner Billigung trägt. – Zeitlebens in konservativen Überzeugungen wurzelnd, bewertete L. zwar gemeinsame europ. Verteidigungsanstrengungen skeptisch, erkannte aber vorbehaltlos die Weltmachtrolle und die daraus resultierende europ. Verpflichtung der USA.

  • Werke

    Weitere W Das Kgl. Bayer. 4 Feldartillerie-Rgt. „König“, Ein Rückblick auf s. 50j. Entwicklung 1859-1909, 1909;
    Chronik d. Fam. Leeb, 1910 (mit B Emil);
    Heeresdruckvorschrift (H. Dv.) 89 „Die ständige Front“ (Entwurf), T. 1: A. Die Abwehr in ständiger Front, B. Zusammenarbeit zw. Heer u. Luftwaffe, C. Besonderheiten d. Versorgung, 1939;
    Heeresdruckvorschrift (H. Dv.) 91 „Der|Stellungskrieg“ (Entwurf), v. 15.6.1938, unveränd. Nachdr. 1940;
    Die Leeb vom Donaugau, 1950;
    Tagebuchaufzeichnungen u. Lagebeurteilungen aus zwei Weltkriegen, Aus d. Nachlaß hrsg. u. mit e. Lebensabriß versehen v. Gg. Meyer, 1976 (W, L);
    G. L. Weinberg, Zur Dotation Hitlers an GFM Rr. v. L., in: Mil.gesch. Mitt., 1979, H. 2, S. 97-99.

  • Literatur

    R. v. Kramer, Der kgl. bayer. Mil.-Max-Joseph-Orden, Kriegstaten u. Ehrenbuch 1914–18, 1966 (P);
    Rhdb. (P).

  • Autor/in

    Georg Meyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Meyer, Georg, "Leeb, Wilhelm Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 51-53 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118570870.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA